Als Student hat man ja bekanntlich nicht so viel Geld übrig. Manchmal nicht mal genug für die GEZ und den ältesten, billigsten Fernseher. Also lebt man eben sogar als „Medien und Kommunikation“-Studentin ohne Glotze und das jetzt auch nicht unbedingt schlecht. Bis jetzt hat mich weder die verpasste Staffel Dschungelcamp oder Germany´s Next Topmodel im ersten Semester, noch die Tatsache, dass ich im zweiten Semester nicht zum gefühlt tausendsten Mal den neuen „Superstar“ mitsuchen konnte, in tiefste Verzweiflung gestürzt. Castingshows haben nämlich meiner Meinung nach seit Jahren ausgedient. Die Gewinner der zahllosen Talentsuchen haben wenn überhaupt nur einen Hit bevor sie in der Versenkung verschwinden und die Juroren werden von Staffel zu Staffel unbekannter, gemeiner und unqualifizierter. Insgesamt ist mir der Fakt, dass es immer noch Menschen gibt, die denken eine dieser Shows könnte ihnen den großen Durchbruch bringen genauso schleierhaft wie die Tatsache, dass es immer noch Menschen gibt, die sich den Quatsch anschauen.

DSDS beruht, wie es mittlerweile wohl auch der hoffnungsloseste Möchtegernsänger gemerkt haben sollte, auf dem gleichen Prinzip wie „Uups die Pannenshow“ - nur dass Dieter Bohlen noch extra gemein kommentiert. X-Faktor hatte womöglich die kompetentere und etwas nettere Jury, da dort zumindest schon mal alle Juroren selber mehr oder weniger erfolgreich Musik machen. Dumm nur, dass man eher deren Namen kennt als die der Gewinner. Nur gut, dass es 2010 noch die Allzweckwaffe des deutschen Fernsehens gibt (Raab meine ich jetzt, nicht Jauch). Wen hätten wir denn sonst nach Oslo geschickt? Und 2011 nach Düsseldorf. Aber soll jetzt Lena echt das Beste gewesen sein, was Deutschland so zu bieten hat?

Das haben sich wohl auch die Leute bei ProSieben selbst gefragt und beschlossen auf den sowie schon übersättigten Markt noch eine letzte Castingshow zu werfen, die jetzt DIE „Voice of Germany“ sucht. Schon Wochen bevor es überhaupt los ging, wurde man sogar als fernsehloser Mensch mit der Nachricht bombardiert, dass der Messias des deutschen Musikfernsehens bald erscheint und alles ganz anders werden wird als man es bisher kannte. Nicht nur, dass man gleich auf zwei Sendern verfolgen kann ob sich im vermeintlich leergecasteten Deutschland doch noch ein paar ordentliche Sänger finden lassen. Zum ersten Mal trat das Konzept von „Blind Auditions“ auf den Bildschirm. Und ausschlaggebend sind vor allem die Juroren. Die machen sich nicht über ihre Kandidaten lustig, sondern (wo gibts denn sowas?) Coachen sie sogar noch, damit sie sich nicht blamieren. Als überzeugter Castingshowgegner fand ich das aber immer noch doof. Gerade wegen dem ganzen Hype. Und ich hatte ja auch keinen Fernseher.

Aber dann kamen die Weihnachtsferien und mit ihnen wieder ein Empfangsgerät. Eines Abends nach zu viel Weihnachtsessen war sogar mein „Schlechtes-Fernsehen-Abwehr-Mechanismus“ zu träge um sich zu regen und so kam es, dass ich dank meiner großen Schwester das erste Mal mit „The Voice of Germany“ in Berührung kam. Und auf einmal fand ich mich mit einer Castingshow konfrontiert, die mir Gänsehaut bescherte und bei der sich JEDES der performten Lieder auf meinem iPod hätte finden lassen konnen. Außerdem hab ich mich ein bisschen in den fluchenden Ray, die verrückte Nena, die behaarten Boss Hoss und den Sonnenbrillenträger Xavier Naidoo verliebt. Ob die Show bis zum Schluss all das halten kann, was sie recht ausfallend verspricht, bleibt zwar fraglich. Und den Hype find ich immer noch doof. Aber selbst der größte Skeptiker wird, solange er gute Musik und soulige, rockige, poppige, jazzige und einfach wundervolle Stimmen zu schätzen weiß, nicht bestreiten können, dass es sich um gutes Entertainment handelt. Und dass es noch wahre Hoffnung gibt für den deutschen Musikmarkt. Nur blöd, wenn man jetzt keinen Fernseher hat.

 

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 08. Januar 2012 um 15:14 Uhr
 

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