In ihrer Komödie „Ziemlich beste Freunde“ (F, 2011) erzählen die Regisseure Olivier Nakache und Éric Toledano die ungewöhnliche Geschichte der Freundschaft zweier Männer, die zunächst unterschiedlicher nicht erscheinen könnten.
Phillippe, einem circa 55-jährigen, aristokratisch anmutenden, erfolgreichen Unternehmer, der in einer noblen Villa in der Pariser Innenstadt wohnt, scheint es an nichts zu fehlen, wäre da nicht die Tatsache, dass er auch nicht die kleinste Kleinigkeit alleine erledigen kann – Phillippe (Francois Cluzet) ist seit einem Paraglidingunfall querschnittsgelähmt.
Bei der Suche nach einem neuen Pfleger, der in rund um die Uhr betreuen soll, trifft er auf Driss, ein Mittzwanziger aus einem Problemvorort, der in den Tag hinein lebt und gerade erst eine sechsmonatige Haftstrafe abgesessen hat.
Passenderweise ist Driss, gespielt von Omar Sy, nicht zum Bewerbungsgespräch gekommen, um sich ernsthaft für die Stelle zu bewerben, sondern nur, um sich eine schriftliche Absage zu holen, die er wiederum beim Arbeitsamt für die Verlängerung seines Arbeitslosengelds benötigt.
Warum Phillipes Wahl ausgerechnet auf den perspektivlosen Vorstadtjungen ohne jegliche Berufsausbildung fällt, wird besonders in einem kurzen Dialog der beiden Protagonisten deutlich:
So fragt Phillipe, ob Driss kein Problem damit habe, auf Kosten anderer zu leben. Dieser erwidert schnippisch: „Nein! Und Sie? Macht es ihnen etwas auf Kosten anderer zu leben?“
Doch anstelle eines erwarteten Wutausbruchs lacht Phillippe nur, denn ihm wird genau das nicht zu Teil, was ihn an seinen vorherigen Pflegern immer gestört hat: Mitleid, ständiges Bedauern und übersteigerte Rücksichtnahme.
Driss aufgeschlossene, direkte, unkonventionelle und zugegebenermaßen auch durchaus liebenswerte Art lässt die beiden Männer mit der Zeit zu immer besseren Freunden werden.
Er hilft Phillippe beispielsweise wieder Schwung in sein Liebesleben zu bringen und tauscht den behindertengerecht umgebauten Renault Mégane gegen den 200 PS stärkeren Maserati aus Phillippes Fuhrstall aus – sehr zur Freude des alten Mannes.
Umgekehrt lernt Driss die Welt klassischer Musik, der bildenden Künste, des Theaters, der Oper, kurz die Welt der Pariser Haute-Volée kennen. Eine Welt, die ihm unter normalen Umständen als Junge aus den „banlieues“ auf ewig verschlossen geblieben wäre.
Nakache und Toledano erzählen diese Geschichte derart ergreifend, fröhlich und lustig, so dass nie Durststrecken oder Langeweile aufkommen.
Im Gegenteil, durch kleine Parallelgeschichte, wie zum Beispiel einer von Driss forcierten Romanze mit Phillippes Hausverwalterin Magalie bleibt auch stets ein Spannungsbogen erhalten.
Kritisch anmerken kann man hingegen, dass sowohl die Probleme von Driss‘ Mutter, die als Alleinverdienerin den Lebensunterhalt für ihre Großfamilie zu sichern versucht und auch Phillippes alltägliche Probleme, die mit einer Querschnittslähmung einhergehen, konsequent heruntergespielt werden.
Da die Regisseure allerdings im Allgemeinen die Absicht verfolgten mit einer Komödie zu unterhalten, anstatt ein, zum Nachdenken anregendes Drama zu schaffen, das soziale Missstände anprangert, ist dies wohl nur Teil einer beabsichtigten Entproblematisierung des Films.
Alles in allem haben Regisseure Olivier Nakache und Éric Toledano eine flotte, originelle Komödie geschaffen, die es anzuschauen lohnt – egal ob mit Partner, Familie oder mit ziemlich besten Freunden.

Quelle: http://www.rollingstone.de/magazin/gewinnen/article128377.ece/ALTERNATES/s300/ziemlich_beste_freunde.jpg
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