Kunst und Krempel

Alles, für das es keine eigene Kategorie gab. Kunst und Krempel – und alles andere was sich normalerweise auf Flomärkten, in Antiquitätenläden und sonstwo tummelt

Amors verlängerter Pfeil in Form der Zauberblume

Eindrücke zur Premierenvorstellung „Ein Sommernachtstraum“ im Stadttheater Passau

Am 20. Juni feierte das Stück „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare seine Premiere im Passauer Stadttheater. Die deutsche Übersetzung der Komödie stammt von Oliver Heinz Karbus. Er entschied sich für eine eigene, neue Übersetzung der englischen Originaltexte. Mit dem Entschluss die adligen Protagonisten im Versmaß und die Handwerker Prosa sprechen zu lassen, kreierte er eine abwechslungsreiche Komposition. Die Texte wirken frisch und nicht verstaubt, wie man es bei einem Stück, das um 1595 entstand und uraufgeführt wurde, meinen könnte. Karbus’ Anliegen war es, Shakespeares Texte an die heutige Zeit anzupassen und mit heute geläufigen Bildern zu versehen. Eine gelungene Idee, die sich in der Inszenierung perfekt entfalten konnte.

Elfenkönig Oberon

Elfenkönig Oberon

Die Handlung der Komödie kann verwirren, so dass es ratsam ist, sich den Inhalt des Stücks vor der Vorstellung zu Gemüte zu führen. Shakespeare verwebt in seinem Werk vier verschiedene Handlungsstränge miteinander:

  • Die bevorstehende Hochzeit von Athens Herzog Theseus mit der Amazonenkönigin Hippolyta
  • Die ins Wanken geratene Welt der vier jungen Liebenden Hermia und Lysander & Helena und Demetrius

  • Das Reich der Elfen und Feen, das von einem Streit des Königspaares Oberon und Titania überschattet wird

  • Die Gruppe von Athener Handwerkern, die die Tragödie Pyramus und Thisbe für die Hochzeitsfeierlichkeiten von Theseus und Hippolyta einstudieren

Das Drama hat seinen Ursprung in der Konstellation der vier jungen Athener. Hermia liebt Lysander, daher will sie nicht, wie von ihrem Vater bestimmt, Demetrius heiraten. Um der Hochzeit mit ihm zu entgehen, fliehen die Hermia und Lysander in den Wald. Helena und Demetrius folgen ihnen. Er weil das Recht auf seiner Seite steht, sie weil ihre Liebe zu Demetrius ihr keine Ruhe lässt, obwohl dieser sie nicht beachtet. Elfenkönig Oberon will mit Hilfe der Zauberblume und seinem Diener Puck die Liebespaare endgültig zusammenführen. Die Zauberblume, quasi Amors verlängerter Pfeil, sorgt mit ihrer Kraft dafür, dass die Liebe dem Wesen gilt, das nach dem Aufwachen als erstes erblickt wird. Allerdings verwechselt Puck die beiden jungen Männer und das Chaos nimmt seinen Lauf. Da Lysander Helena als erstes erblickt, gilt seine Liebe nun ihr und nicht mehr Hermia. Hermia steht zeitweise alleine da, denn Demetrius liebt durch den Zauber der Blume nicht mehr sie sondern ebenfalls Helena. Während die beiden Männer um Helena buhlen und sich dabei durch den Wald jagen, trifft die Handwerkergruppe für ihre Theaterproben ebenfalls auf der Lichtung im Wald ein. Auch hier kann Puck sich nicht zurückhalten und stiftet Unruhe und Verwirrung. Kurzerhand wird einem der Handwerker ein Eselskopf angezaubert, woraufhin die restliche Gruppe die Flucht ergreift. Da auch Elfenkönigin Titania im Schlaf von Oberon mit dem Saft der Blume beträufelt wurde, gilt ihre Liebe nun dem Esel, den sie nach dem Aufwachen erblickt. Das Chaos endet erst, als der dämmernde Morgen den Zauber dieser Sommernacht verschwinden lässt. Das Stück endet mit der gelungenen Aufführung der Handwerker zu den Hochzeitsfeierlichkeiten von Theseus und Hippolyta. Die frisch getrauten Paare Hermia und Lysander & Helena und Demetrius nehmen ebenfalls an der Feier teil.

Lysander und Demetrius im Streit um Helena

Lysander und Demetrius im Streit um Helena

Die Inszenierung wirkt in Kombination mit den gelungenen Texten kurzweilig, abwechslungsreich und sehr erfrischend. Dennoch regt das Stück bei genauerer Betrachtung zum Nachdenken an. Einerseits hat die Komposition zauberhafte, mystische Seiten, die Sehnsüchte zeigen, die über das Verlangen hinausgehen. Andererseits sind die Schattenseiten nicht zu ignorieren: Die Auswechselbarkeit und Manipulierbarkeit der Liebespartner, wenn die Liebe durch die Blume so stark wird, dass sie blind macht. Dann sind die Menschen nicht mehr in der Lage klar zu denken und rational zu handeln. Die Inszenierung vereint beide Seiten auf eindrückliche Weise miteinander.

Titania verfällt dem Esel

Titania verfällt dem Esel

Thisbe trauert um Pyramus im Schauspiel der Handwerker

Thisbe trauert um Pyramus im Schauspiel der Handwerker

Generell lässt sich diese Interpretation des Sommernachtstraums nur empfehlen. Auch wenn es im Vorfeld der Premiere den krankheitsbedingten Ausfall einer Schauspielerin zu beklagen gab, konnte dies durch einen kurzfristig rekrutierten Ersatz problemlos aufgefangen werden. Gemessen am Applaus der Premierenvorstellung scheint Judith Keller ihre Rolle als „Ersatz-Puck“ im Vergleich zu den restlichen Rollen wohl am Besten interpretiert zu haben.

Text: Veronique Prause
Bilder: Pressefotos zur Verfügung gestellt durch das Landestheater Niederbayern

Gelungene Premiere auf dem Marienplatz

Bastian Baker begeistert Zuschauer mit einem wundergeilen Konzert

Nachdem Bastian Baker bereits im Oktober 2013 beim Coke Festival of Happiness in Berlin die Massen begeisterte, feierte er im Rahmen des Christopher-Street-Days 2014 am 20. Juli seine Premiere auf dem Münchner Marienplatz. Mit Sicherheit gewann er an diesem Abend viele neue Fans dazu.

CSD München 2014

Bastian Baker

Da das Wetter an diesem Nachmittag in der Bayrischen Landeshauptstadt verrückt spielte, geriet der Zeitplan durcheinander so dass er mit seiner Band knapp 1,5 Stunden später als geplant die Bühne betrat. Doch das Warten auf den jungen Sänger aus Lausanne hat sich definitiv gelohnt. Mit im Gepäck hatte er sein Debütalbum „Tomorrow may not be better“, das seit dem 23. Mai in Deutschland erhältlich ist und in der Schweiz bereits 2011 veröffentlicht wurde.
Neben rockigeren Songs wie „Tomorrow may not be better“, „79 Clinton Street“ oder „Dirty Thirty“ finden sich auch ruhigere Stücke wie „Give me your heart“ – das er ohne die Unterstützung seiner Band zum Besten gab – in seinem Repertoire. Nicht zu vergessen die Lieder „I’d sing for you“ oder „Follow the wind“ mit denen der charismatische Singer-Songwriter wohl so einige Herzen erobert hat. Selbstverständlich performte er auch „Lucky“ – mit diesem Song schaffte er den Durchbruch in der Schweiz. Diesmal verzichtete Bastian Baker jedoch darauf sich für einen seiner Songs Unterstützung einer Sängerin zu holen, um ihn als Duett zu präsentieren. Die eingängigen Melodien sind jedenfalls die ideale Begleitung für einen entspannten Abend mit Freunden.

CSD München 028

Man sieht, dass er Spaß daran hat auf der Bühne zu stehen und es genießt mit seinem Gitarristen Joris & dem Bassisten Chris sowie seinem Keyboarder Simon und Nathan am Schlagzeug die Songs zu performen. Bastian Baker versteht es sein Publikum zu unterhalten und zu animieren. Kreativität beweist er nicht nur in den Arrangements seiner Songs sondern auch anderweitig. So gesellt sich in die bekannte Reihe der Adverbien ‘wunderbar’ – ‘wundervoll’ – ‘wunderschön’ auch die Baker’sche Eigenkreation ‘wundergeil’.

Stets findet die Karriere des 23 Jährigen neue Höhepunkte, nachdem er 2011 auf einer kleinen Bühne des Montreux Jazz Festivals auftrat. So wurde es ihm ermöglicht in der Musikwelt noch stärker Fuß zu fassen. 2014 sang er gemeinsam mit der späteren „The voice of Switzerland“ Siegerin Tiziana Gulino seinen Song „Follow the wind“. Im selben Jahr wurde er Coach bei „The voice of Belgium“. Auch in Frankreich erfreut er sich großer Beliebtheit, während er in Deutschland noch nicht so bekannt ist – was sich sicher schnell ändern wird. Die ausgewählten Highlights zeigen, dass es richtig war auf die Musik zu setzen und eine mögliche Karriere als Eishockey-Spieler auszuschlagen.

CSD München 025

Es hat sich definitiv gelohnt die 2,5 Stunden Anfahrt für ein sehr kurzweiliges Konzert von etwa einer dreiviertel Stunde in Kauf zu nehmen und nach dem Konzert zur S-Bahn und dem Hauptbahnhof zu sprinten um den allerletzten Zug nach Passau noch zu erwischen.

Im Rahmen seiner Tour ist Bastian Baker am 27. November wieder in München zu Gast. Weitere Tourdaten, Infos und die Lyrics seiner Songs finden sich auf seiner Homepage www.bastianbaker.com

Text und Bilder von Veronique Prause

Der bayrische Franzose

Vom Armutsviertel in Boulogne-sur-Mer zum besten Fußballer Europas

Die Biographie des französischen Fußballers Franck Ribéry gleicht auf den ersten Blick einem Mär­chen. Aufgewachsen mit drei Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen im Norden von Boulogne-sur-Mer: Die Gegend ist geprägt von Plattenbauten mit großen Rissen in den Betonwänden, rostigen Türen und vielen Satellitenschüsseln an den Fenstern. „Franck ist jemand, der nie abhebt, weil er weiß, woher er kommt.“ sagt seine Frau Wahiba über ihn. Der quirlige Dribbler hat geschafft wovon viele träumen: Er ist Fußballstar geworden. Wurde zwei Mal zu Frankreichs Fußballer des Jahres gewählt. Gewann mit dem FC Bayern München mehrfach die Deutsche Meisterschaft und den DFB Pokal. Er krönte seine bisherige Karriere mit dem Sieg in der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres 2013 und dem historischen Triple aus Deutscher Meisterschaft, DFB Pokalsieg und dem Champi­ons-League Sieg 2013.

Franck Ribéry

Die vom französischen Sportjournalisten Alexis Menuge geschriebene Biographie mit dem schlich­ten Titel ‘Franck’ zeichnet den Werdegang von Franck Ribéry sehr genau nach – wenn auch an eini­gen Stellen Daten und Jahreszahlen fehlen, vor allem als es um die frühesten Stationen und geschei­terten Probetrainings geht. Die zwei schwierigsten Phasen des Fußballers, die für zwei dunkle Fle­cken auf Ribérys bis dahin märchenhaftem Aufstieg sorgen, werden anschaulich geschildert. Das Buch zeigt auch den Menschen, die Persönlichkeit und nicht nur die Fassade des Fußballstars. Vor allem im sehr gelungenen Vorwort von Daniel van Buyten, dem belgischen Nationalspieler und Freund Ribérys beim FC Bayern München, kommt dies zum Ausdruck. „Er hat ein großes Herz und er ist großzügig.“ Die beiden unterstützen einander. Als van Buytens Vater einen Schlaganfall erlitt und Daniel eine Weile bei ihm blieb, zeigte Franck sein Mitgefühl auf besondere Art. Er widmete sein geschossenes Tor Daniel und seinem Vater, indem er beim Torjubel seine Handfläche in die Ka­mera hielt. Darauf stand die Nummer fünf – van Buytens Trikotnummer im Verein. Auch in Ribérys schwerster Phase 2010 stand der Belgier hinter ihm: „ Freunde sind nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten füreinander da. Ich stehe hundertprozentig zu Franck, egal, was passiert.“
Über die Seiten hinweg macht der Autor deutlich, dass dem Spieler seine Familie sehr wichtig ist – ohne sie hätte er den sozialen Aufstieg kaum geschafft. Die Eltern unterstützten die Pläne ihres Soh­nes von Beginn an. Sie legten ihm keine Steine in den Weg und ließen ihn mit 13 Jahren ins 140 Ki­lometer entfernte Fußballinternat des OSC Lille ziehen. Auch als Franck nach seinem Vertragsende 2002 zunächst keinen neuen Verein fand, stärkte ihm die Familie den Rücken. Für zwei Monate half er seinem Vater als Bauarbeiter – eine lehrreiche Zeit, die ihn stark prägte. Das Wohl seiner Familie liegt dem Fußballer sehr am Herzen. Er möchte, dass es ihnen gut geht und sie sich sicher fühlen können – nicht bei allen Vereinen war das der Fall. Insbesondere in der Zeit vor 2007 als Franck nie länger als zwei Jahre für einen Verein spielte. Umso wichtiger ist es ihm, sich auf die Familie verlassen zu können. Dieser starke Familienbezug wirkt sympathisch, man kann sich in den Spieler hineinversetzen und seine Beweggründe besser verstehen. Die Distanz zu Ribéry verringert sich, da man merkt, auch er ist nur ein Mensch wie du und ich.

Als im April 2010 die Sex-Affäre Ribérys mit der minderjährigen Prostituierten Zahia D. öffentlich wurde, stand seine Frau Wahiba weiterhin hinter ihm. Gemeinsam meisterten sie die wohl schwerste Krise ihrer Ehe. „Wir sind aus unseren Krisen immer gestärkt hervorgegangen. Und nun, wegen dieser enormen Dummheit, wäre fast alles vorbei gewesen.“ meint Franck rückblickend. Wahiba selbst hielt sich während des ganzen Skandals im Hintergrund und äußerte sich nicht in der Presse. Auch sein Verein der FC Bayern München stand weiter hinter Franck und versuchte zu helfen wo es ging. Sie konnten jedoch nicht verhindern, dass Ribérys Privatleben in der französischen Presse bis ins kleinste Detail ausgeleuchtet wurde, während die Sex-Affäre in Deutschland kaum ein Thema war. Die in Frankreich erhobene Anklage wegen Sex mit einer minderjährigen Prostituierten wurde im Januar 2014 mit dem Freispruch Ribérys beendet. Durch die, in diesem Kapitel, chronologische Berichterstattung des Autors kann man sich als Leser ein genaues Bild machen, wie es Franck in dieser Phase ging. Der Erzählstil des gesamten Buches wird besonders in dieser Passage deutlich und ist leicht verständlich. Keine komplizierten Schachtelsätze sondern einfach gebaute, verständli­che Sätze. So kann man das Buch auch zwischendurch lesen ohne große Konzentration aufwenden zu müssen, um es zu verstehen.

Die nächste Krise ließ nicht lang auf sich warten. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika kam es im Juni 2010 zu einem Eklat innerhalb der Nationalmannschaft. Nachdem der Stürmer Ni­colas Anelka den damaligen französischen Nationaltrainer Raymond Domenech übel beleidigt hat­te, ließ dieser ihn nicht mehr spielen. Der Fall gelangte an die Presse und wurde zum Politikum. Der ehemalige Staatspräsident Nicolas Sarkozy schickte die französische Sportministerin nach Südafri­ka, um den Fall zu klären. Anelka sollte aus dem Team ausgeschlossen werden, die Spieler um Franck Ribéry weigerten sich daraufhin am Mannschaftstraining teilzunehmen – sie wollten gegen Anelkas Ausschluss protestieren. Der Fall endete mit drei Spielen Sperre für Ribéry. Sein positives Image, das ihn zu Frankreichs Fußballer des Jahres gemacht hatte, hat er noch immer nicht wieder erlangt. Dieser Bruch, die unterschiedlichen Ansichten über Franck Ribéry in Deutschland und sei­nem Heimatland Frankreich, wird von Alexis Menuge anschaulich geschildert und durchgängig mit neuen Aspekten untermauert. Am Ende der Biographie ergibt sich so ein genaues Bild, wie die Menschen in Deutschland und in Frankreich zu dem Fußballer stehen und über ihn denken.

Der Autor versteht es, durch viele Kommentare von Freunden, Mitspielern und ehemaligen Trainern Abwechslung zu schaffen. So kommt man dem Spieler noch ein wenig näher und kann sich ein bes­seres Bild von ihm machen. Zudem wirkt es wesentlich authentischer wenn ein Freund über Ribéry sagt: „Er ist zuvorkommend, nett und offen.“ als wenn dies der Autor selbst täte. Menuge zeichnet das Bild eines sensiblen Fußballers. Diese Sensibilität würde man im ersten Moment nicht erwarten. Wer Franck Ribéry ansieht, bemerkt sofort seine große Narbe im Gesicht – sie stammt von einem Autounfall als er zwei Jahre alt war. „Franck musste mit den bösen Blicken leben, mit dem Spott auf den Straßen von Boulogne-sur-Mer. Die Narben sind ein wichtiger Teil von ihm, haben ihm mehr geholfen als geschadet.“ Die Narben machten ihn stark, schon früh fing er an zu kämpfen, um seine Ziele zu erreichen. „Ich bin stolz auf all das, was ich durchmachen musste. Es war nie einfach. Heute liebe ich mein Gesicht. Und ich liebe mein Leben.“ sagt Ribéry selbst über sich. Bis heute hat sich an dieser Einstellung nichts geändert.

Nichtsdestotrotz hat das Buch einige Auffälligkeiten, die erwähnt werden sollten. Um Sprechpausen zu markieren oder einem Satz eine überraschende Wendung zu geben, werden häufig drei Punkte eingesetzt bevor der Satz weiter geht. Je nach Kontext hat dies den gewünschten Effekt oder es wirkt unpassend. Ein Beispiel für den gelungenen Einsatz gibt es, als es um Ribérys Wechsel zu Olympique Marseille geht: „Und eine nicht unwesentliche Rolle spielte dabei … Jean Fernandez!“ Ein Beispiel für den eher misslungenen Einsatz ist Ribérys Abschied aus Marseille: „Nach seinem letzten Spiel im Stade Vélodrome machte er allein eine Ehrenrunde auf einem … Traktor.“ Auffal­lend ist zudem, dass nach jedem Absatz stets eine Leerzeile eingearbeitet wurde. Man hätte sicher noch einiges mehr über Ribéry schreiben können und hätte die Leerzeilen nicht gebraucht. An zwei Stellen weist es auch grammatische Fehler auf – mal wird ein Wort weggelassen, mal ein völlig an­deres geschrieben. In beiden Fällen verliert der Satz seinen Sinn. Die größte Auffälligkeit sind je­doch die fehlenden Bilder. Jede Biographie oder Autobiographie arbeitet mit Bildern, um dem Leser die verschiedenen Lebensphasen und Stationen der Hauptperson noch genauer vor Augen zu führen. Weshalb in diesem Werk darauf verzichtet wird, ist nicht nachvollziehbar.

Abschließend ist zu bemerken, dass das Cover für das, von oben genannten Schwächen abgesehen, rundum gelungene und in sich stimmige Buch sehr gut gewählt wurde. Es zeigt Franck Ribéry im Portrait. Die rechte Gesichtshälfte mit der Narbe im Licht, die linke im Schatten. Es wirkt sinnbild­lich für den bisherigen Lebensweg des Franzosen, der stets von Licht und Schatten geprägt war. Das Cover weckt Aufmerksamkeit. Das Bild ist so fotografiert, dass man das Gefühl hat Franck Ribéry würde einen direkt ansehen. Für Fußballfans ist diese Biographie so etwas wie eine Pflichtlektüre, schon alleine, weil es das erste umfassende Werk über diesen überaus talentierten Spieler ist. Man bekommt einen Blick hinter die Fassade des Profifußballers und schließt Ribéry ins Herz, egal ob man Fan des FC Bayern München ist oder nicht. Mit seiner Geschichte und seinem Charakter ist er ein großes Vorbild für viele, denen im Leben auch nicht alles zu fällt. Wer mehr über den Menschen Franck Ribéry erfahren möchte, sein Spielsystem verstehen will, dem ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen.

Veronique Prause

Gesehen, gekauft, gelesen – Ein Buchtipp für Fußballfans und solche die es werden wollen

„Dieser Weg wird kein leichter sein…“ , Mein Leben und ich von Gerald Asamoah

    Buchcover Gerald Asamoah 2

    Eines gleich zu Beginn: Man muss nicht zwingend Fußball- oder Schalke Fan sein um dieses Buch zu lesen!
    Die Autobiographie, die Gerald Asamoah gemeinsam mit Peter Großmann dieses Jahr auf den Markt gebracht hat, ist eines jener Bücher, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man einmal begonnen hat zu lesen. Durch den lockeren Schreibstil und die Beiträge einiger Gastautoren kommt nie Langeweile auf. Seine Freunde und Weggefährten Fabian Ernst, Timo Marner und Otto Addo kommen zu Wort, ebenso sein ehemaliger Trainer Mirko Slomka und auch Manuel Neuer. So bleibt das Buch abwechslungsreich und man sieht nicht nur den Fußballspieler sondern vor allem den Menschen Gerald Asamoah aus verschiedenen Perspektiven.
    Er gehört zu den Sportlern, die nicht nur auf sich sondern über den Tellerrand hinaus schauen. Nicht auf sich und seine Vorteile fixiert, Asamoah hat den Blick für seine Mitmenschen und deren Nöte. Mit seiner Stiftung kümmert er sich um herzkranke Kinder um ihnen ein besseres Leben zu schenken, möglicherweise deren Leben zu retten da auch seine eigene Fußballkarriere durch seine Herzerkrankung vor dem Aus stand. Er kämpfte darum weiterhin als Fußballer seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Doch dies war nicht sein einziger Kampf. Auch Rassismus sowie die Flucht seiner Eltern nach Deutschland ohne ihn und seine Geschwister oder der Umzug 12 Jahre später von Ghana nach Deutschland, wo seine Eltern inzwischen eine neue Existenz aufgebaut hatten, machten ihm zu schaffen. Der Weg nach oben war steinig aber Gerald Asamoah verstand es diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen, da er sein Ziel Profifußballer zu werden nie aus den Augen verlor.
    Seine Leidenschaft für den Fußball wurde später mit zahlreichen Einsätzen für die deutsche Nationalmannschaft honoriert. 2002 stand er mit der Nationalmannschaft im Endspiel gegen Brasilien und feierte 2006 das Sommermärchen in Deutschland mit. Rückblickend betrachtet stand Asamoah bei seinen ersten Einsätzen für Deutschland schon für eine neue Generation Nationalmannschaft, die uns heute normal erscheint. Eine Mannschaft mit den verschiedensten Nationalitäten, die durch ihr Ziel „attraktiven, guten Fußball zu spielen“ verbunden wird.
    Gerald Asamoah hat eine Geschichte zu erzählen, möchte etwas weiter geben. Er hat das Buch nicht geschrieben um wieder im Fokus der Medien zu stehen, sondern weil es ihm wie auch die Gründung seiner Stiftung eine Herzensangelegenheit war.

    Von Veronique Prause