Für den Campus von Morgen

PräsidentCaTer: Herr Prof. Freitag, seit 1994 sind Sie Professor für Informatik, seit 2002 Inhaber des Lehrstuhls für Informationsmanagement an der Universität Passau. Als Vizepräsident der Universität waren Sie für Forschung und Technologietransfer verantwortlich und sind von Anfang an maßgeblich in das Projekt Technik Plus Projekt involviert gewesen. Zudem sind Sie ein verheirateter Familienvater mit drei Kindern – wie bekommen Sie dieses breite Aufgabenspektrum unter einen Hut?

Prof. Dr. Freitag: Dadurch, dass ich morgens meine Kinder immer zur Schule bringe, bin ich jeden Tag ab 8 Uhr im Büro. Abends kann es dann auch mal spät werden. Was konkret meine Arbeit an der Universität anbelangt und dafür enorm wichtig ist, das sind meine Mitarbeiter. Durch dieses fachkompetente Team, das mich unterstützt, wird mir effizientes Arbeiten erst ermöglicht – was keinesfalls selbstverständlich ist und ich daher sehr schätze und an dieser Stelle besonders hervorheben möchte. Da meine Lehrstuhlmitarbeiter, die  Verwaltung, die Sekretärinnen und das ganze Team um mich herum stets professionelle Arbeit leistet, kann ich mich in ganz kompakter Zeit den anstehenden Aufgaben widmen.

 

CaTer: Viele Studierende können sich unter dem Aufgabenfeld eines Universitätspräsidenten erst mal relativ wenig vorstellen, außer vielleicht, dass damit eine Repräsentationsfunktion einhergeht. Wie sehen die typischen Aufgaben aus, die ihr Amt mit sich bringt?

Prof. Dr. Freitag: Anstehende Grußworte und Einführungen sind im Grunde genommen nur ein Nebenjob. Natürlich handelt es sich dabei um Repräsentation, aber diese Funktion ist etwas anders, in einer weiter gefassten Dimension zu verstehen. Ich vertrete zunächst die Universität nach außen, das heißt gegenüber den anderen bayerischen Universitäten, der Politik, der Wirtschaft und gesellschaftlichen Institutionen. Zudem vertrete ich die Universität gegenüber den zwei Ministerien, dem Wissenschaftsministerium und dem Kultusministerium, die für uns als Universität zuständig sind. Hinzu kommt auch die Pflege der Beziehungen zu ausländischen Universitäten. Natürlich ist es gleichermaßen meine Aufgabe die Universität nach innen zu repräsentieren: Als Präsident muss ich dafür sorgen, dass die Universität Passau Zukunft hat – als ein attraktiver Wissenschaftsstandort in Niederbayern angesehen wird. Dazu gehört dann, dass Ziele definiert werden, dass  Arbeitsgruppen angeregt werden sowie die intensive Beschäftigung mit Themen, wie etwa unsere Internationalisierungsstrategie aussehen sollte oder wie man eine Balance zwischen sogenannten Massenstudiengängen und Fächern mit weniger Zulauf finden kann. Und damit das Ganze dann auch letztendlich wirkt, kommt noch als dritte Komponente die Gremienarbeiten  hinzu, bei der  Vorschläge diskutiert, beschlossen und letztlich umgesetzt werden.

 

 

CaTer: Mit der Umsetzung des Projekts Technik Plus beginnt für Sie ihre Amtszeit. Insgesamt sieben neue Lehrstühle gehen daraus hervor – eine längst überfällige Aufrüstung des Lehrangebots der Universität Passau?

Prof. Dr. Freitag: Bei Technik Plus geht es um die technischen Entwicklungen in den unterschiedlichsten Bereichen unserer Gesellschaft, etwa in der Wirtschaft und den Medien, die sehr umfassend sind und von der Wissenschaft nicht ignoriert werden sollten. Das Motto oder die Grundüberzeugung, die hinter Technik Plus steht, ist folglich, dass an dieser Technisierung nicht vorbeigearbeitet und vorbeigelebt werden sollte. Einerseits dient Technik Plus dazu, das bereits bestehende technische Angebot aufzurüsten.  Es ist also im weitesten Sinne die Informationstechnik, die man an unserem Campus ausbauen kann. Andererseits geht es dabei auch verstärkt um die Betrachtung und Nutzung der technischen Entwicklung oder ihrer Folgen, jeweils aus dem eigenen Fach heraus gesehen. So kommt diesen nicht nur aus juristischer Perspektive große Bedeutung zu, sondern auch geisteswissenschaftlich und wirtschaftswissenschaftlich gesehen. Gesellschaftliche Entwicklungen, die durch Technik verursacht oder beeinflusst werden,  zum Beispiel Social Media, bedingen, dass man diese betrachten und wissenschaftlich verstehen muss, um  Aussagen treffen und Handlungsmaximen ableiten zu können. Im Bereich der Kulturwissenschaften geht es in Hinblick auf Technik zum Beispiel um die Möglichkeiten zum Aufbau eines „digitalen Gedächtnisses“. Heute ist alles digital möglich. Dies schafft neue Fragestellungen, an die man vorher nicht denken konnte und auch nicht musste, die es aber heute durch Verknüpfung von Fachwissen und technischem Know-How zu lösen gilt. Durch diese Aufweichung der Grenzen zwischen den bestehenden Disziplinen und der Technik, ergibt sich natürlich die Chance, das unausgewogene Geschlechterverhältnis in manchen Fächern auszugleichen.

CaTer: Werden die Studenten den Wechsel der Präsidenten überhaupt bemerken? Wird es also spürbare Veränderungen unter ihrer Leitung geben, die bis zum Hörsaal durchdringen?

Prof. Dr. Freitag: An den Inhalten und den Studienmöglichkeiten möglicherweise, ja. Man wird definitiv einen höheren Grad an Internationalität in den Hörsälen spüren. Geeignete Masterstudiengänge sollen zu einem gewissen Prozentanteil, etwa bis  zu 30 Prozent, einen englischsprachigen Lehranteil beinhalten. Außerdem wollen wir die Universität Passau für hochqualifizierte englischsprachige Studierende interessanter machen. Gleichzeitig aber auch durch Verträge mit Partneruniversitäten beispielsweise in Nordamerika mehr Austauschmöglichkeiten für Passauer Studierende schaffen. Auch die Beziehungen zu Ost- und Südeuropa, Russland, Zentralasien und Süd-Ost-Asien werden weiter ausgebaut werden. Das Leitungsteam wird gleichermaßen noch stärker auf Qualität im Studienangebot achten, um weiterhin im nationalen Vergleich durch reproduzierbare Qualitätsmerkmale die erreichten Spitzenplatzierungen in den Rankings halten zu können. Dazu gehört längerfristig auch, dass digitale Lehrangebote, dort wo es sinnvoll ist, als Zusatz zur Verfügung stehen sollen, dass sogenannte e-Learning also stärker integriert werden soll. Dadurch kann zum Zusammen mit der Möglichkeit zum „Modulstudium“ verstärkt auf die Bedürfnisse der Studenten eingegangen werden, die ihr Studium in zunehmender Tendenz als Teilzeitstudium absolvieren und dadurch mehr Flexibilität benötigen.

 

CaTer: Als Professor und Lehrstuhlinhaber sind Sie in direktem Kontakt mit Studierenden und kennen daher wahrscheinlich so manche Schwachstelle im Universitätssystem beziehungsweise Problemfeld der Universität aus Sicht der Studenten – wie sehen diese aus und was können Sie als Präsident dagegen tun?

Prof. Dr. Freitag: Wie bereits erwähnt wird ein teilzeitfähiges Studium für manche immer wichtiger. Natürlich müssen Studierende sich organisieren, arbeiten und etwas leisten wollen sowie selbstverantwortliches Handeln lernen – umgekehrt muss aber auch die Universität Brücken bauen. Es gibt eine ganze Reihe von Studierenden, die ich persönlich kennengelernt habe, die aus welchen Gründen auch immer etwas mehr Kalenderzeit, eine intensivere Aufbereitung des Stoffes, eine andere Art von Betreuung  oder Ähnliches brauchen. Ich sehe die Universität in der Pflicht ein Stück weit auf diese Entwicklung einzugehen und Entsprechendes anzubieten – das machen wir auch. Längerfristig  versuchen wir unseren Beitrag dadurch zu leisten, indem wir die Hochschuldidaktik als Qualifizierungsmerkmal für unsere Nachwuchswissenschaftler einbauen. Damit bringt die nächste Generation noch mehr als bisher das passende Rüstzeug mit. Diese Kompetenzen, und dazu etwa auch ein obligatorisches Mentoring, sind gerade in den MINT-Fächern sehr wichtig, da durch die große Anfangshürde auch die Ausstiegsquote dementsprechend hoch ist.

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