Liebe auf den ersten Beat: Fiva und das Phantomorchester

fiva1Ich nenne es pseudo-optimistisch: passiv musikalisch. Meine Eltern haben mich leider nie gezwungen Blockflöte zu lernen. Und alle Versuche andere Instrumente zu lernen sind kläglich gescheitert. Vom Singen wurde mir auch wiederholt abgeraten. Und wenn davon Leben und Tod abhinge könnte ich keinen 4/4 von einem 4/8 Takt unterscheiden. Also absolut unmusikalisch könnte man denken. Aber irgendwo zwischen Opis Frank Sinatra und Papas Beatles-Platten ist es passiert: Ich hab mich verliebt. In die Melodien. In die Texte. In die Musik. Und in die Menschen, die tatsächlich damit gesegnet sind sie zu machen.
Nina Fiva Sonnenberg ist so jemand. Und letztes Wochenende, auf einem kleinen feinen Festival in meiner geschätzten Heimat habe ich mein Herz an sie und ihr mysteriöses Orchester verloren. „Fiva und das Phantomorchester“ machten auf dem Modularfestival in Augsburg einen kurzen Stopp zwischen ihren Auftritten bei Rock am Ring und Rock im Park. Und so kam es zu einer dieser seltenen Gelegenheiten, bei denen man einfach mal zu einem Konzert geht, obwohl man nur ein oder zwei Lieder kennt und danach mit zehn Ohrwürmern und einer neuen Lieblingsband nach Hause geht, sofort das Album im iStore kauft und dann nach mehrmaligem Hören feststellt, dass die Studioaufnahme nicht ganz so gut ist, wie das Live Konzert war. Damit ist „Die Stadt gehört wieder mir“ aber immer noch 100% empfehlenswert.
Eigentlich macht Fiva MC, wie sie sich auch nennt, wohl Fernsehen. Spielt ein bisschen Theater. Schreibt Bücher. Und Potrey Slamista ist sie auch. Und irgendwie klingt ihre Musik auch so: Wie Poetry Slam mit Musik unterlegt. Manchmal frech, manchmal witzig, manchmal melancholisch erzählt sie von Köpfe verdrehenden Lächeln, fiesen Trennungen, Farben, die das Herz tanzt, Leuchttürmen, Mulis und Menschen. Deutscher Hip Hop würde man das dann wohl nennen. GUTER deutscher Hip Hop. Aber so richtig passt die Schublade auch nicht. Das liegt vor allem auch am Phantomorchester, das im Hintergrund Geigen, Kontrabässe und Gitarren zupft. Eines dieser Phantome kennt man sogar ganz gut: Rüde von den Sportfreunden Stiller.
Wer also bereit ist für die nächste große Liebe oder auch nur eine feine kleine Sommer-Romanze: Album kaufen, die nächsten 24 bis 48 Stunden nichts anderes hören und sich freuen, dass es Menschen gibt, die die komplizierten Sachen des Lebens einfach so gut auf den Punkt bringen können.

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