Vom Hörsaal ans Pult – Studenten unterrichten Asylsuchende

Spanisch, Russisch, Chinesisch – Deutsch? Sprachlich ist in der Universität Passau für jeden Geschmack etwas dabei.

Doch neben den regulären Sprachkursen wird an der Uni eine Reihe ganz besonderer Veranstaltungen angeboten. Sie finden im KSG-Gebäude statt. Die Dozenten hier drücken selbst noch die Schulbank und auch bei Überfüllung wird niemand auf die Warteliste geschoben.

Wie es sich anfühlt, herumgeschoben zu werden, davon wissen die Kursteilnehmer ein Liedchen zu singen. Sie heißen Dede, Shams oder Glam, kommen aus Nigeria, Pakistan oder Afghanistan und haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind aus ihrer Heimat geflohen. Und sie wollen Deutsch lernen.

Seit über 20 Jahren bietet die Evangelische Studentengemeinde kostenlos Deutsch- und Alfabetisierungskurse für die Asylsuchenden in Passau an, die über keinen festen Aufenthaltsstatus verfügen. Um diesen Menschen trotz ihrer Lage das Deutschlernen zu ermöglichen, arbeiten etwa 30 Ehrenamtliche als Deutschlehrer, darunter größtenteils Passauer Studenten.

So auch Simone und Micha, die auf Lehramt studieren und den Anfängerkurs am Mittwoch leiten. Mit ihren 10 Schülern üben sie Konjugieren, bilden Hauptsätze und machen Hausaufgaben; dabei übernimmt jeweils immer eine Lehrerin eine Hälfte der insgesamt 1 ½ Stunden und füllt sie mit selbst erarbeiteten Inhalten.

An ihrer Arbeit wissen die beiden nicht nur die freie Hand bei der Erstellung der Themen zu schätzen, sondern besonders die gute Atmosphäre in der Klasse. Die Leute sind motiviert und wissen was sie an den beiden haben, der Spaß kommt im Unterricht nie zu kurz.

So soll es laufen, findet Studentenpfarrer Gereon Vogel, der die Kurse betreut. Denn über die sprachlichen Inhalte hinaus, soll für die Teilnehmer ein Stückchen Normalität erfahrbar sein. Deutsche sollen nicht nur als abgehobene Reiche, sondern auf Augenhöhe erlebt werden. Die Studenten kommen dafür in den Genuss, Menschen mit völlig unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kennenzulernen und einen Blick über den gesellschaftlichen Tellerrand zu werfen.

Das Lehramtsstudium ist dabei überhaupt kein Muss, wer zwölf oder 13 Jahre zur Schule gegangen ist, habe schon eine ausreichende Vorstellung davon, wie schulischer Unterricht aussehen soll, so Vogel. Wer möchte kann aber eine zusätzliche Fortbildung an der VHS absolvieren, für die die ESG aufkommt.

Einen kleinen Wermutstropfen aber gibt es. Auch wenn fast alle Fachrichtungen unter den Lehrern vertreten sind, so handelt es sich dabei fast ausschließlich um Frauen. Männer sind gefragt wie nie. Und ein Zertifikat über einen Job als Lehrer für Asylsuchende macht sich schließlich in jedem Lebenslauf gut. Interessierte Studentinnen und Studenten können sich einfach bei esg@uni-passau.de melden.

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