Erst Aufschieben, dann Panik schieben

Rückblick auf den Vortrag von Verena Bentele zum Thema
„Motivation und Umgang mit Leistungsdruck“

Trotz der Konkurrenz von „Django Unchained“ im Unikino war der Vortrag von Verena Bentele, Deutschlands erfolgreichster paralympischer Biathletin, sehr gut besucht, zu Recht gut besucht! Es war ein amüsanter, sehr kurzweiliger Vortrag zu einem Thema, das an der Uni wohl jeder früher oder später kennenlernt: Den Leistungsdruck und die daraus folgenden Probleme, wie man sich am Besten für anstehende Prüfungen motivieren kann.
Verena selbst hat beide Varianten für den Umgang mit Leistungsdruck getestet. Während ihres Germanistikstudiums, das sie mittlerweile erfolgreich abgeschlossen hat, verfolgte sie die Variante, die wohl den Studenten am geläufigsten ist: Wir schieben das Lernen eine Weile auf, eine Woche vorher intensiv lernen reicht sicher auch. Kurz vor der Prüfung bekommen wir dann Panik, weil der Lernbeginn vielleicht doch ein klein wenig zu spät gewählt wurde.
Während ihrer sportlichen Karriere als Biathletin, die nun auch schon beendet ist, lernte sie einen anderen Umgang mit Leistungsdruck kennen. Zum einen war die Kommunikation mit ihrem Begleitläufer, ihrem Trainer und anderen Personen sehr wichtig. Ihr Begleitläufer machte ihr deutlich, dass sie selbst zu hundert Prozent hinter der Sache stehen muss. Wenn sie ihr Training nur halbherzig betreibt, sieht er es nicht ein seine Freizeit und seinen Urlaub dafür zu opfern. An diesem Punkt wird klar, dass sie ihren Sport nicht ohne die Hilfe anderer betreiben kann, da sie als blinde Athletin ihre Umgebung nicht optisch wahrnehmen kann. Hier ein kleiner Einschub der zeigt, dass Verena mehr von ihrer Umgebung mitbekommt als man zunächst denken würde: „Ja, auch wir Blinden merken, dass ihr wieder alle hinten sitzt!“ Was in dem Moment nicht nur für Gelächter sorgte sondern auch der Wahrheit entsprach. Ihre Vermutung, vermehrt weibliches Publikum zu haben, löste erstaunte Blicke unter den Zuhörern aus, da sie auch hier wieder richtig lag.
Durch ihr Handicap ist sie vor allem im sportlichen Bereich auf Teamwork angewiesen. Auch das bildet einen zentralen Baustein im Umgang mit Leistungsdruck. Es macht sehr viel mehr Spaß mit anderen zu lernen als alleine. Auftretende Probleme können sofort effizient gelöst und offene Fragen geklärt werden. Im Team geht man auch eher Aufgaben an, die man sonst gerne vor sich her schiebt. Verena bestellte immer ihren älteren Bruder mit in den Kraftraum, da ihr das eintönige Training dort nicht gefiel. So war natürlich auch der Ehrgeiz geweckt sich mit dem Bruder zu messen.
Sie stellte schnell fest, dass sie lieber draußen trainiert, auch als sie noch keine Biathletin, ihre sportliche Karriere noch nicht absehbar war. Sie testete die verschiedensten Sportarten von Judo über Leichtathletik bis sie beim Langlauf und Biathlon landete. Das Interesse am Langlauf wurde vor allem durch die Aussicht auf vier Tage schulfrei geweckt. Es gab also einen von außen gesetzten Anreiz, eine Art Belohnung das mal auszuprobieren. Ein solches Anreizsystem ist am Anfang noch recht hilfreich, findet aber schnell seine Grenzen, da man sich die Belohnung heute immer und überall gönnen kann. Oft fangen die Eltern mit diesem Belohnungssystem an, für gute Noten etwa. Nicht so bei ihr, sie wurde von ihren Eltern in der Hinsicht geprägt, dass sie sie nie mit Samthandschuhen angefasst haben. Gemeinsam mit ihren zwei älteren Brüdern, von denen einer ebenfalls blind ist, wuchs sie auf dem Biobauernhof ihrer Eltern auf. Es gab keine großartigen Verbote à la das dürft ihr als blinde Kinder nicht. Verena und ihr Bruder fuhren selbstverständlich mit dem Fahrrad auf dem Hof herum. Mal ging es gut, mal nicht weil ein Hindernis im Weg stand. Dann gab es blaue Flecken, Narben aber keinen Ärger von den Eltern. Höchstens dann, wenn sie auf irgendwelchen Scheunendächern herumgeklettert sind.
Abschließend noch ein kleiner Test um zu demonstrieren, wie sehr wir bei den einfachsten Dingen auf unsere Augen angewiesen sind beziehungsweise mit ihnen arbeiten: Stellt euch auf ein Bein bleibt stehen ohne euch irgendwo abzustützen. Alles kein Problem, bleibt stehen aber macht nun die Augen zu. Ihr steht automatisch unsicherer, springt nun mit geschlossenen Augen auf das andere Bein, noch wackliger.
Verena hat ihren Weg gefunden mit dem Leistungsdruck, sei es nun sportlich oder im normalen Leben, umzugehen. Nun liegt es an uns den eigenen Weg für den Umgang mit Motivation und Leistungsdruck zu finden.

Von Veronique Prause

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