Immer wieder Sonntags

Sorry Samstag, du bist leider von gestern. Denn kein Tag der Woche ist so perfekt wie der Sonntag: Weil nichts geht, die Geschäfte geschlossen haben und man sich einfach mal ganz entspannt selbst Entschleunigen darf.

 Sonntags ist es ganz still. Schon morgens. Im Treppenhaus. Oder auf der Straße. Man könnte fast Federball direkt auf der Spitalhofstraße spielen, so selten fährt ein Auto vorbei. Und wenn doch, sind es bloß die Sonntagsfahrer, die ganz langsam die Straßen Richtung Altstadt entlangkriechen. Auf dem Weg zu einer Essenseinladung oder gemütlichem Kaffeetrinken im Aran. Allein schon an diesen Begriffen zeigt sich, was der Sonntag für einer ist: ein entspannter Genießer-Typ mit unendlich viel Zeit, der wie die Jurastudenten im ersten Semester noch keine Klausuren zu absolvieren hat und ganz lässig Arm in Arm mit der Freundin an der Innpromenade den Hund ausführt. Der Sonntag ist der einzige perfekte Tag der Woche. Was man nur in Abgrenzung zu seinem größten Konkurrenten, dem Samstag, verstehen kann.

Schon seit ich denken kann ist der Samstag zum privaten Werktag geworden. Geschirr, Wäsche, Schreibtischmülldeponie – all dia_1098_HeuteRuhetagdas ist während der Woche nahezu egal, am Samstag aber schaut es einen mit dreckigem Antlitz vorwurfsvoll an. Es gibt auch nur in den seltensten Fällen eine verbale Hintertür, aus der man sich mit einem gemurmelten „muss los in die Arbeit“ verdrücken könnte. Selbst wenn man es schafft den ganzen Dreck zu ignorieren, macht einem der Samstag ein schlechtes Gewissen – weil man so viel erledigen könnte. Also schrubbt man, schlurft runter in den Keller zu den Waschmaschinen und bringt die gesammelten Pfandflaschen weg. Auf dem Rückweg dann werden natürlich alle Lebensmittel gekauft, mit denen man die eben polierte Wohnung während der Woche wieder schön einsauen wird.

Sonntags kann man einfach nichts erledigen. Weder lästige Putzmittel kaufen, noch Termine mit Friseuren oder Ärzten vereinbaren. Man kann sich am Sonntag nur überlegen, was man alles machen muss, sobald die neue Woche wieder anfangen wird. To-do-listen schreiben, den Gedanken an bevorstehende Klausuren schön verdrängen und in aller Ruhe entscheiden, ob lieber erst die „Breaking Bad“ Staffel oder doch lieber „The Big Bang Theory“ zuerst gesehen werden sollte. Oder stundenlang mit Freunden, Eltern oder Bekannten telefonieren, weil ja alle anderen auch nichts Besseres vorhaben und sich  zu Kaffee und Kuchen verabreden, was während der Woche ja irgendwie unsexy klingt, am Sonntag aber dazugehört wie der Film am Abend.

Das „Sonntags Schau-Tag“-Schild der Autohäuser trifft es ziemlich gut, den dieser Tag ist der Guck-Tag. In den Himmel oder auf die Bäume oder auf unsere Dreiflüssestadt von der Veste aus. Manchmal verursacht das bei mir so ein kribbeln, wenn ich etwas entdecke, was ich erst am Montag kaufen könnte, aber eben erst dann. So ein Sonntag steigert die Vorfreude ungemein. Zwischen mir und diesen so besonderen Tag war es allerdings erst Liebe auf den zweiten Blick. Noch während der Schule war er einfach nur uncool, eben weil man nichts tun konnte, alles war geschlossen und dieses gähnende, leere Gefühl auf den Straßen langweilte. Heut eist es gerade die Beschränktheit, die fürs „Grenzenlos-Ich-Gefühl“ sorgt. Ein Tag an dem man bei sich bleibt. In sich hineinhorcht. Regeneriert. Na gut, es gibt eine Sache, die der Samstag dem Sonntag voraushat: Ausgehen. Aber so oft schafft man das im Wintersemester eh nicht, noch dazu ist es im Sommer einfach viel entspannter in Passau. Und wenn, dann auch nicht mehr so lange, schließlich will ich mir den Sonntag nicht mit Kopfschmerzen verderben lassen. Der eigentlich nur einen einzigen Nachteil hat: Die drohende Nähe zum Montag.

Julia Langhof

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.