Bock auf Politik?

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Ein Interview mit den Projektleitern der Passauer Politiktage: Pauline Asbrand und Brian Thomas

Die Politiktage 2014 stehen unter dem Motto „Europa vor der Wahl“. Ich studiere weder Staatswissenschaften, noch bin ich Mitglied in einer Partei und habe auch keine Ahnung, wen ich am 25. Mai wählen werde. Bin ich dann fehl am Platz?

Pauline: Man muss kein Fachwissen besitzen, um den Veranstaltungen folgen zu können. Wir werden keine rein theoretischen Debatten abhalten, es wird auch über das aktuelle politische Tagesgeschehen diskutiert werden. Wir hoffen, dadurch die Leute ein wenig aufmerksamer auf die Europawahl zu machen und sie vielleicht auch zu motivieren, zur Wahl zu gehen.

Brian: Unser Hauptziel ist es, einen Diskurs zwischen Studenten, Wissenschaftlern und Politkern anzuregen. Wir wollen informieren, auch ein bisschen provozieren und vielleicht eine neue Vision auf Europa eröffnen. Deshalb haben die Studenten auf der einen Seite die Möglichkeit sich aktiv einzubringen, zum Beispiel in unserer Vorphase bei den Workshops. (Anm. d. Red.: die Workshops finden von 6.-13.5. statt). Auf der anderen Seite haben wir den informativen Charakter in Form der Vorträge. Das richtet sich explizit an alle Studenten. Aber auch die Bürger der Stadt Passau sind herzlich eingeladen zu kommen, weshalb wir unsere Podiumsdiskussion am Samstag im Rathaussaal abhalten werden, um ein bisschen in die Stadt hineinzuwachsen.

Wie läuft das Ganze dann ab? Ich sitze im Hörsaal und lausche 90 Minuten den Worten des Redners, so wie in einer Vorlesung?

Pauline: Es gibt verschiedene Formate, darunter einen Einzelvortrag, ein Streitgespräch in Form einer englischen Debatte und eine Podiumsdiskussion. Bei jeder Veranstaltung gibt es für das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Es wird kein reiner Vorlesungscharakter.

Wer steht dieses Jahr auf der Gästeliste?

Pauline: Unter anderem werden Prof. Dr. Eckart D. Stratenschulte (Leiter der europäischen Akademie Berlin), Konrad Adam (Pressesprecher der AfD) und Prof. Dr. Gisela Müller-Brandeck Bocquet (Universität Würzburg) anwesend sein.

Brian: Bei der Podiumsdiskussion werden Vertreter der fünf großen Parteien des EU-Parlaments (CSU, SPD, Grüne, FDP und die Linke) über ihre Sicht auf Europa diskutieren.

2013 war Gregor Gysi (die Linke) zu Gast. Wie kam dieser Kontakt zu Stande?

Pauline: Wir haben ihm geschrieben und dann ist er einfach gekommen. Er war 2009 schon bei den Politiktagen zu Besuch, daher kannte er die Veranstaltung bereits. Außerdem hat er Familie in der Region, wir hatten also auch ein bisschen Glück.

Die Politiktage behandeln drei Themen: Außenpolitik, Legitimation, Solidarität in der Krise. Was erwartet mich bei diesen Inhalten?

Pauline: Bei Außenpolitik legen wir den Schwerpunkt auf die Frage, ob es überhaupt eine gemeinsame Außenpolitik der Europäischen Union gibt. Am aktuellen Beispiel der Ukraine und der Krim soll besprochen werden, inwieweit hier eine europäische Außenpolitik greift bzw. greifen könnte.

Brian: Beim Thema Legitimation geht es um die Fragen, ob es eine europäische Öffentlichkeit gibt, wie demokratisch Europa selbst und die verschiedenen Organe der EU sind.

Pauline: Der dritte Punkt lautet „Solidarität in der Krise. Was wenn Deutschland Griechenland wäre?“ Hierbei findet ein Perspektivenwechsel statt, u.a. in Bezug auf die Finanzkrise. Ein Juraprofessor wird die juristische Seite etwas beleuchten.

Damit eine solche Veranstaltung reibungslos abläuft, braucht man ein gutes Team. Wer ist hinter den Kulissen der Politiktage tätig?

Pauline: Wir sind ca. 30 Studenten, hauptsächlich des Studiengangs Staatswissenschaften, weil das ganze vom Verein „goverNET – Staatswissenschaften Passau e.V.“ organisiert wird. Aber jeder, der mitmachen will, ist gerne willkommen, egal welcher Fachrichtung. Wir würden uns zum Beispiel sehr über einen „MuK-ler“ (Anm. d. Red.: Student der Medien und Kommunikationswissenschaften) freuen.

Brian: Ja, „MuK-ler“ sind wirklich ganz dringend gefragt. Die könnten wir brauchen für Videos, Design… (lacht)

 Was gefällt euch besonders an der Arbeit als Projektleiter?

Brian: Also meine Leidenschaft ist es, Menschen und Ideen zusammenzubringen und genau das passiert bei den Politiktagen. Auf der einen Seite steht die Vision von einer Veranstaltungsreihe, auf der anderen Seite haben wir ein Team von tollen Kommilitonen, das das Ganze in die Wege leitet. Wir haben mit der Planung im Juli letzten Jahres angefangen, seitdem treffen wir uns regelmäßig und arbeiten. In den letzten Wochen sind wir nun die Sprossen zum 10-Meter-Brett hochgeklettert und bewegen uns jetzt vor zur Kante, spannen noch einmal alle Muskeln an und bereiten uns mental auf die Kür vor. Und das ist ein ganz tolles Gefühl.

Pauline: Verdammter Poet.

Also gleich nach den Politiktagen geht es weiter mit der Planung für das nächste Jahr?

Pauline:  Direkt danach bekommen wir erst einmal ein Feedback, wie es gelaufen ist und dann werden wir ein neues Team aufstellen, das dann die weitere Planung für das jeweils nächste Jahr in Angriff nimmt. Wir treten normalerweise zurück und überlassen es den dann den Studenten des 2. Semesters.

 Bekommt ihr auch von den Politikern Feedback?

Pauline: Wir bieten ihnen an, mit einem kleinen Kreis von uns nach der Veranstaltung Essen zu gehen. Das wird auch immer gerne angenommen. Im letzten Jahr war die Resonanz nur positiv, wir wurden dafür gelobt, wie gut und reibungslos die Veranstaltung abgelaufen ist.

Was sollen die Studenten aus dieser Veranstaltung mitnehmen?

Brian: Wir haben heuer eine Art Dreischritt. Am Anfang stehen die Fragen, was Europa eigentlich ist und wo es kulturelle Grenzen gibt. Im mittleren Teil wenden wir uns den konkreten Politikfeldern zu, zum Beispiel der Außenpolitik. Am Schluss steht dann die Vision: Wohin mit Europa, warum Europa?

Also, jeder der Lust hat, sich über die Europawahl zu informieren, sich aktiv einzubringen oder einfach nur zu lauschen, wenn Experten über das politische Geschehen diskutieren, sollte sich diese Veranstaltung nicht entgehen lassen! Weitere Infos und das konkrete Programm findet ihr auf der Facebook-Page „Passauer Politiktage“.

 

Dominique Lachinger

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