3 – 2 – 1 : Das wird nicht deins

Ein Erfahrungsbericht über Wohnungsbetrug im Internet

Wer kennt das nicht, die Zusage für ein Praktikum liegt auf dem Tisch und nun heißt es eine bezahlbare Unterkunft zu finden – in einer Großstadt gar nicht so einfach. Man durchsucht sämtliche bekannte Portale und findet vielleicht die perfekte Wohnung. Doch genau hier ist Vorsicht geboten. Ich kann aus eigener leidvoller Erfahrung sagen, dass die Betrüger sehr geschickt vorgehen und nicht sofort zu entlarven sind.

Angefangen hat alles wie bereits erwähnt mit der Zusage für mein Praktikum in München. Schon wieder drei Monate in die bayerische Landeshauptstadt – aber letztes Jahr hat ja auch alles reibungslos geklappt. Zunächst fragte ich bei allen Studentenwohnheimen an. Wie zu erwarten, sind die bereits komplett ausgelastet und haben keinen Platz mehr. Also begann die Suche nun von vorn auf zahlreichen Portalen – eine Suche, für die ich schmerzlich bezahlen würde. Eine erste Vorauswahl war getroffen, doch dann warf ein einzelnes Angebot alle Planungen über Bord. Eine neu renovierte und hochwertig ausgestattete Wohnung mit 58 qm in zentraler Lage für nur 405 € monatlich inklusive Internet und aller weiteren Nebenkosten. Der Anbieter wurde sofort kontaktiert und am nächsten Tag erhielt ich seine Antwort – in der er mir, wie ich heute weiß, nur Honig ums Maul schmierte und alles erfand. Er freue sich über mein Interesse und schickte mir eine genaue Auflistung, wie die Wohnung ausgestattet sei. Dann stellte er sich kurz vor und meinte, dass er die Wohnung von seinem Opa geerbt habe. Da er mit seiner Familie in England lebe und das Objekt daher nicht nutzen könne, wolle er es vermieten. Beruflich sei er an England gebunden, deshalb wolle er eine international agierende Makleragentur beauftragen um die Übergabekriterien zu klären und den Mietvertrag aufzusetzen. Verständlicherweise lief die gesamte E-Mail-Kommunikation auf englisch ab, da er ja kein deutsch konnte. Das sah für mich alles noch recht normal aus und auch die Homepage der Agentur wirkte sehr seriös – eine Fake-Homepage wie sich später herausstellte.

Die Agentur schickte mir eine E-Mail, in der sie mir die Zahlungsmodalitäten erläuterte und eine erste Anzahlung von 810 € haben wollte. Danach würden mir die Schlüssel für die Wohnung umgehend zugeschickt, damit ich sie schon vorab besichtigen könne. Ich überwies das Geld, von der Agentur erhielt ich keinerlei Rückmeldung. Dafür meldete sich der Vermieter ein paar Tage später bei mir, dass in der Agentur ein Problem aufgetreten sei. Das Geld sei angekommen, aber dem Anwalt, der den Mietvertrag aufgesetzt hatte, sei ein Fehler unterlaufen. Die Schlüssel könnten mir nur dann zugeschickt werden, wenn ich auch die zwei noch ausstehenden Monatsmieten von insgesamt 810 € bezahle. Nun wurde ich doch ein wenig stutzig und wollte den Mietvertrag haben um das zu überprüfen und eine Sicherheit in der Hand zu haben. Der Vermieter schickte mir diesen auch umgehend zu und ich fand alles bestätigt, was er mir bereits in seiner E-Mail erklärt hatte. Ich sah mir den auf englisch formulierten Mietvertrag genauestens an, konnte jedoch keine weiteren Mängel oder versteckten Fallen entdecken. Da es alles seine Richtigkeit zu haben schien, überwies ich auch die zweite Rate von 810 €. Insgesamt hatte ich somit 1.620€ im Voraus bezahlt – und war auf einen Betrüger hereingefallen.

Seit der zweiten Überweisung ist der Vermieter nicht mehr zu erreichen, die Homepage der Agentur wurde gelöscht, deren E-Mail-Account abgestellt. Ein Fall für die Polizei, denen ein solches Vorgehen nicht unbekannt ist. Der Beamte, der mein Anliegen aufnahm, bevor ein Kollege die Vernehmung führte, meinte: „Das tut mir wirklich Leid für Sie. Die Erfahrungen in diesen Fällen haben gezeigt, dass die Geschädigten ihr Geld in der Regel nicht wieder sehen. Es wird noch am selben Tag vom jeweiligen Konto, auf das es überwiesen wurde, abgehoben und ist nicht mehr sicher zu stellen. In Passau wird ein solches Delikt mindestens einmal pro Woche zur Anzeige gebracht.“

Für die Zukunft habe ich daraus einiges gelernt. Im Vorfeld sieht von mir keiner mehr Geld – auch wenn es noch so seriös und vertrauenswürdig wirkt.

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