Es bleiben nur sechs Sekunden

Einblicke in das Leben des ehemaligen Skispringers Sven Hannawald

Dieser eine Sieg in Bischofshofen machte ihn zur Skisprung-Legende. Mit seinem Sprung, dessen Flugphase rund sechs Sekunden dauerte, sicherte sich Hannawald nicht nur den Tagessieg oder den Sieg der Vierschanzentournee 2002. Dieser erste Platz in Bischofshofen war sein vierter Sieg der laufenden Tournee – noch nie gab es einen Tourneegewinner, der alle vier Springen gewonnen hatte. Nun also Hannawald, der mehrfach fast aus dem Team geflogen wäre. Dieser Sensationstriumph löste den Hype um seine Person erst richtig aus.
Knapp zweieinhalb Jahre später ließ er sich in eine Klinik einweisen: Diagnose Burn-out. Über drei Jahre kämpfte er sich danach in ein normales und geregeltes Leben zurück – abseits von Skisprungschanzen und Medienhype.

In seiner Autobiographie „Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben“ schildert Hannawald seinen Weg zum Profisportler. Von den Anfängen in der Kindheit als Nordischer Kombinierer im Sportsystem der DDR hin zu seinem großen Ziel: Skispringer werden. Früh wurde sein Potenzial erkannt und in Trainingszentren gefördert – auch abseits von zu Hause. Bereits mit zwölf Jahren zog er ins Internat der Kinder- und Jugendsportschule Klingenthal. Der harte Neustart im Schwarzwald, der Trainingsalltag mit all seinen Facetten, die ersten Siege im Weltcup – all das hat Coautor Ulrich Pramann in ein spannendes Buch verpackt. Man mag es nicht mehr aus der Hand legen, wenn man einmal begonnen hat darin zu lesen. Das Werk wird durch Kommentare von ehemaligen Weggefährten wie Martin Schmitt, einstigen Trainern wie seinem Entdecker Erich Hilbig, dem Trainer der Klingenthaler Kinder- und Jugendsportschule Uwe Schuricht oder dem Heim- und späteren Bundestrainer Wolfgang Steiert sowie seiner Eltern aufgelockert. Das Kapitel seines Burn-outs – das zum Ende seiner Karriere als Skispringer führte – ist sehr eindrucksvoll geschrieben. Die Ängste & Sorgen wie es weiter gehen soll und schlussendlich der Schritt in die Öffentlichkeit – all diese Situationen lässt Hannawald wieder aufleben. Seine Therapeutin Nora Maasberg schildert in einem Interview die langwierige Genesung ihres prominenten Patienten.
Heute hat Sven Hannawald sein Burn-out überwunden. Mit der Veröffentlichung dieses Buches tritt er erneut in seine Vorbildfunktion die er auch als Skispringer verkörperte. Er möchte mit diesem Buch Mut machen und Menschen die sich in einer ähnlichen Situation befinden animieren nicht aufzugeben sondern weiter zu kämpfen. Wer einmal hinter die Fassade des Sportstars blicken will hat mit dieser Autobiographie die richtige Wahl getroffen.

Bild und Text von Veronique Prause

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