Biathlonweltcup in Oberhof: Eine Stadt im Ausnahmezustand – aber wie lange noch?

Mitten im Thüringer Wald, direkt am Rennsteig gelegen, ist das kleine Städtchen Oberhof zu finden. Der staatlich anerkannte Luftkurort hat nur 1.600 Einwohner, beherbergt jedoch jedes Jahr tausende Touristen und Sportfans. Einmal im Jahr erwacht die Stadt aus ihrem Dornröschenschlaf. Sobald die Biathlonfamilie im Rahmen des Weltcups in Oberhof Station macht, ist es vorbei mit der ruhigen Idylle in der Stadt am Rennsteig. In dieser Zeit geben sich die internationalen Wettbewerbe die Klinke in die Hand: Biathlon, Rodeln, Bob fahren. Keiner der anderen Weltcups lockt jedoch nur annähernd so viele Zuschauer nach Oberhof wie die Biathleten.

DKB Ski Arena Oberhof
DKB Ski Arena Oberhof

Biathlon boomt, nicht erst seit Magdalena Neuner und Miriam Gössner die Weltspitze aufgemischt haben. Regelmäßig fesselt die Sportart die Zuschauer vor den Fernseher und lockt zahlreiche Fans ins Stadion an den Grenzadler. Die moderne DKB Ski Arena, wie sie offiziell heißt, kann bis zu 13.000 Menschen aufnehmen. Ob nun an der Strecke, vielleicht sogar am legendären Birxtsteig oder direkt in der Arena am Schießstand oder dem Zieleinlauf mitzufiebern – alles hat seinen Reiz. Die 10.000 Fans an der Strecke bekommen die Schießergebnisse auch ohne Videoleinwand mit: Die Ruhe in der Arena, sobald ein deutscher Athlet den Schießstand betreten hat, bleibt nicht unbemerkt. Man könnte die berühmte Stecknadel fallen hören, wenn 13.000 Zuschauer kollektiv schweigen. Jeder Treffer wird laut bejubelt, Fehlschüsse mit einem Raunen kommentiert. Bei den Anfeuerungsrufen, die durch den Thüringer Wald schallen, scheinen einige Athleten förmlich über die Strecke zu fliegen. Dennoch fordert diese hin und wieder ihren Tribut. Wer auch nur kurz unaufmerksam ist, setzt das gesamte Rennen aufs Spiel. So schoss die weißrussische Biathlonkönigin Darya Domracheva auch schon im Stehendanschlag obwohl sie hätte liegend schießen müssen. Im nächsten Jahr schoss sie dann auf die Scheiben ihrer Nachbarin. Auch das ist Biathlon in Oberhof – immer für eine Überraschung gut.
Vor, nach und zwischen den Rennen können sich die Fans die freie Zeit im Hüttendorf vertreiben. Stets sind Würstchenbude und Glühweinstand in trauter Zweisamkeit und immer gut besucht anzutreffen. Wem der Sinn nicht nach der berühmten Thüringer Rostbratwurst steht, der findet an anderen Buden mit Fischbrötchen oder gebackenen Leckereien sicher eine Alternative. Gegen Abend lichten sich die Reihen im Hüttendorf. Einige Fans zieht es ins Festzelt, alle anderen machen sich im Gänsemarsch auf den Weg zum Shuttlebus oder gehen gleich die gesamte Strecke zu Fuß. Vorbei an in Doppelreihen geparkten Reisebussen, der Rennrodel- und Bobbahn zieht es die Menschen in den Kurpark von Oberhof und damit ins nächste Hüttendorf.

Biathlonfans unter sich
Biathlonfans unter sich

Ein Blick in überfüllte Restaurants, volle Sportgeschäfte oder ausgebuchte Hotels zeigt, dass während der Weltcupwochen der größte Umsatz gemacht wird. Wer sein Hotelzimmer im Herzen Oberhofs nicht schon für das folgende Jahr reserviert, wird wohl in Oberhof selbst kein Zimmer mehr bekommen und auf umliegende Orte ausweichen müssen. Nach den Wochen des Ausnahmezustands kehrt langsam wieder Ruhe ein, der Besucherstrom ebbt ab und die Stadt fällt bis zum nächsten Weltcup zurück in ihren Dornröschenschlaf. Bis der nächste Weltcupwinter sie wieder zum Leben erweckt. Aber wie lange wird das noch so sein? Mit der Tour de Ski hat ein weiterer Wettbewerb Oberhof erstmals den Rücken gekehrt. Die Nordischen Kombinierer haben den Ort gar schon vor sieben Jahren verlassen. Übrig geblieben sind die Biathleten, Rennrodler und Bobfahrer. Doch die allein können Oberhof nicht retten. Daher investieren Stadt und Land nun Millionen um das Städtchen im Thüringer Wald als Touristenmagnet zu erhalten und es in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Text und Bilder von Veronique Prause

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