Schwamm drüber

„Der Bettelstudent“ feiert Premiere im Opernhaus Passau

Schon Wochen vorher stand die allseits bekannte Frage „Was soll ich bloß anziehen?“ im Raum. Nein, es ging nicht darum, wie herausgeputzt so mancher Student zur Vorlesung erschien, sondern um den ersten Besuch im frisch sanierten Passauer Opernhaus. Der zurückgekehrte Winter machte die Kleiderfrage für die Damen nicht gerade leichter – er verkomplizierte das Ganze um ein vielfaches. Schlussendlich kreuzten wir mit unseren Abendkleidern und dicken Winterstiefeln, welche im Warmen sofort gegen theathertaugliche High Heels ausgetauscht wurden, vor dem Theater auf. Vor der Vorstellung trafen wir auf ein paar bekannte Gesichter – sind die Studenten etwa doch nicht solche Kulturbanausen wie ich immer dachte? Die restliche Zeit reichte gerade noch aus, um zu den Plätzen zu stöckeln und die Infobroschüre kurz zu überfliegen.
Dann ging es auch schon los. Die Handlung des Stücks nur grob im Kopf, lehnte ich mich zurück – ich wollte meine erste Operette einfach mal auf mich wirken lassen. Die erste Lehre zog ich relativ schnell, indem ich in der Pause die Infobroschüre genauer studierte. So konnte ich der Handlung zumindest nach der Pause besser folgen und saß nicht gänzlich verwirrt da, was denn gerade auf der Bühne passierte. Am irritierendsten war jedoch das Spiel der Identitäten innerhalb des Stücks.

Symon un Jan im Gefängnis
Symon und Jan im Gefängnis

Da gab es zu Beginn den inhaftierten Bettelstudenten Symon, der für eine Intrige von Oberst Ollendorf zum Millionär und freien Mann Fürst Wybicki wurde. Als dieser eroberte er das Herz der polnischen Komptesse Laura Nowalska, die ihn später auch als mittellosen Studenten liebte. Die Blamage für die Adelsfamilie, vor allem für Lauras Mutter die Gräfin, war recht groß. Die adlige Komptesse und der Bettelstudent – eine gegensätzliche Verbindung, die jedoch viele Unterschiede verlor, wenn man wusste, dass die Adelsfamilie längst verarmt war.

Adelsfamilie Nowalska
Adelsfamilie Nowalska

Später im Stück wurde Symon unwissentlich von seinem eigenen Kammerdiener Jan zu Herzog Adam gemacht – dem Staatsfeind Nummer eins der damaligen Zeit. Spätestens hier war die Verwirrung perfekt: ein Etikettenschwindel ohne Ende. Wer nun erwartet hatte, mit Symon den beliebtesten Akteur auf der Bühne vor sich zu haben, wurde enttäuscht. Publikumsliebling war Oberst Ollendorf, der Gouverneur von Krakau. Genau genommen nur folgerichtig, immerhin war er der Ausgangspunkt dieser äußerst verwirrenden Lügengeschichte.

Symon und Laura
Symon und Laura

Wer einen Besuch dieser Operette plant, sollte sich allerdings die Handlung vor der Vorstellung zu Gemüte führen, andernfalls könnte dieser Abend in einem Rätselraten enden und dafür ist die Operette im Passauer Opernhaus sicher nicht gedacht.

Text von Veronique Prause

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