Die Narren sind los: Buntes Treiben im Hochrheingebiet und der Schweiz

Fasnacht ist zwar leider schon wieder vorbei, dennoch habe ich heute noch die letzten Konfettireste aus sämtlichen Hosentaschen hervorgezaubert. Das Konfetti bekommt nun einen Ehrenplatz in meinem Zimmer als Erinnerung an die schönste Zeit im Jahr und meinen Ausflug in die schwäbisch-alemannische Fasnacht in meinem Heimatort Rheinfelden.
Die Fasnacht am Hochrhein und den angrenzenden Gebieten in der Schweiz ist mit der in Bayern oder Köln und Mainz nicht vergleichbar. Das fängt schon bei der Wortwahl an: Fasching in Bayern, Karneval in Köln und Mainz. Da jede Region andere Traditionen hat, wird auch vor Beginn der Fastenzeit überall anderes gefeiert. Während in den genannten Karnevalshochburgen Prunksitzungen und große Rosenmontagszüge mit den Helau und Alaaf-Rufen bekannt sind, ist die schwäbisch-alemannische Fasnacht von Narrentreffen, Guggenmusiken und Konfetti geprägt. Jedes Jahr darf ein Ort das große Narrentreffen der Vereinigung Hochrheinischer Narrenzünfte ausrichten. In diesem Jahr fand das Treffen in Karsau, einem Ortsteil Rheinfeldens, statt.

Narrennest Degerfelden mit Igeln und Eulen
Narrennest Degerfelden mit Igeln und Eulen

Knapp 2.500 Hästräger haben an dem gut zwei Stunden dauernden Umzug teilgenommen, und mit ihren Narri-Ausrufen von den Zuschauern stets das erwartete Narro zur Antwort bekommen. Nicht ganz so oft vertreten, aber dennoch beliebt ist der Ruf „Narro am Rhy – Mir sin deby“. Bei den verschiedenen Cliquen konnte ich mich nie für ein besonders gelungenes Häs – wie die Verkleidung der Narren genannt wird – entscheiden. Ich schoss ein Foto nach dem anderen, da jede Maske ein absolutes Unikat war. Großen Spaß machte es den Narren immer wieder vorzugsweise junge Mädchen zu schnappen und in eigens angefertigten Konfettiwannen gründlich mit den bunten Papierschnipseln zu versorgen. Während die älteren Zuschauer das Konfetti abbekamen, gab es für die Kinder Süßigkeiten ohne Ende.

Dinkelberg Schraten
Dinkelberg Schraten

Rhyfelder Wildsäu
Rhyfelder Wildsäu

Selbstverständlich waren bei dem Narrentreffen auch zahlreiche Guggenmusiken vertreten – sie sind schließlich ein unverzichtbarer Bestandteil der schwäbisch-alemannischen und der Schweizer Fasnacht.

Gugge Hellikä aus der Schweiz
Gugge Hellikä aus der Schweiz

Guggemusik beim Narrentreffen in Karsau
Guggemusik beim Narrentreffen in Karsau

Die von den Cliquen gespielte Musik lässt sich am ehesten mit stark rhythmisch unterlegter und auf eigene sehr schräg beziehungsweise falsch gespielter Blasmusik beschreiben. Neben den traditionellen Instrumenten wie Trompete, Tuba, Posaune und dem Schlagwerk können auch sämtliche andere Instrumente in einer Guggenmusik vertreten sein – so hat jede der Gruppen einen individuellen Sound. Während die einen mehr Wert auf die Blechbläser legen, sind für andere Trommeln in den verschiedensten Varianten unverzichtbar. Gespielt werden oft Volkslieder oder bekannte Popsongs wie Umbrella von Rihanna, Angels und let me entertain you von Robbie Williams oder I knew you were trouble von Taylor Swift. Beim ersten Hören klingt es vielleicht ein bisschen ungewohnt, doch spätestens am Refrain sollten die Songs zu erkennen sein. Ihren Ursprung hat die Guggenmusik wie so viele Fasnachtstraditionen im Brauchtum, um die Wintergeister endgültig zu vertreiben.

Seit 14 Jahren treffen sich im südbadischen Lörrach regelmäßig zahlreiche Guggenmusiken aus Deutschland und der Schweiz bei der Migros Gugge Explosion auf dem Marktplatz. Der Unterschied zwischen den Ländern ist für mich persönlich schon beim ersten Hinsehen auffallend: Die Schweizer Kostüme stechen durch knallige Farben, modernes Design und aufwändig geschminkte Gesichter aus der Masse hervor. Ganz abgesehen davon ist es auch die musikalische Raffinesse der spezialisierten Guggenmusiken, die sie von den deutschen Pendants unterscheidet.

Den ersten Auftritt der Geschichte hatte die Guggenmusik 1874 beim Basler Morgenstraich. Seither hat sich die Musik immer weiter entwickelt. Wer nun neugierig geworden ist und sich nicht zwischen einem Ausflug in die schwäbisch-alemannische Fasnacht und dem Basler Morgenstraich entscheiden will, kann beruhigt sein – die Basler Fasnacht wird stets am Montag nach dem Aschermittwoch mit dem Morgenstraich um vier Uhr morgens eingeläutet. Zu nächsten Fasnacht geht es an den Morgenstraich oder in die Konfettiwanne, vielleicht auch beides.

Text und Bilder von Veronique Prause

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