Start-up spirit

Der Weg von der anfänglichen Idee hin zum eigenen Unternehmen

My muesli, crealytics, my ID-Keeper oder Waduba – alle haben eines gemeinsam: die erfolgreiche Unternehmensgründung. Die Stadt Passau bietet ihren Studenten im Gegensatz zu einer Großstadt wie München, wesentlich einfacher die Möglichkeit, die Idee eines eigenen Unternehmens direkt in die Tat umzusetzen, diese zu gründen. Was man dabei beachten muss, welche Tücken es gibt und wie lang der Weg von der Idee zu Umsetzung sein kann – darüber hat Ralph Bärligea, der Gründer des Online-Marktplatzes Waduba, berichtet.

Ralph Bärligea
Ralph Bärligea

„Am Anfang steht ihr und eure Idee“, ist einer von vielen einprägsamen Sätzen des Vortrags. Die Menschen und ihre Ideen sind einzigartig. Man sollte daher keine Angst haben, sich mit seiner Idee zu blamieren, sondern so früh wie möglich mit anderen Leuten darüber reden. So kann man vielleicht weitere Unterstützer finden, vor allem aber von ihnen lernen und sich inspirieren lassen. Danach kommt es darauf an, die Idee schnellstmöglich umzusetzen. Jeder hat die Möglichkeit etwas zu starten, wenn er es will. Das kann beispielsweise die Gründung einer Facebook-Gruppe als Marktplatz sein. Wer den Start für den Aufbau eines eigenen Unternehmens wagt, geht kein Risiko ein, sondern wird mit Ungewissheit konfrontiert. Risiko ist berechenbar, die Tücken einer Unternehmensgründung lassen sich nicht berechnen, sie treten einfach auf. Man sollte sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen und Probleme erst dann lösen wenn sie wirklich auftreten. Es bringt nichts im Vorfeld alle möglichen Problemlösungspläne zu haben, denn „neun von zehn Problemen lösen sich, ehe sie auftreten.“

Bei der Gründung wird man zwangsläufig mit Menschen konfrontiert. Hinter jeder Idee, jedem Kunden, jedem Investor steht eine reale Person. Wichtig ist im Umgang mit Menschen neben Offenheit und Toleranz auch die Gesprächsebenenkompetenz. Man sollte in der Sprache sprechen, die der Kommunikationspartner versteht, sonst drohen Missverständnisse und man redet aneinander vorbei. Ein Unternehmen lässt sich praktisch in drei Bereiche teilen: Finanzen, Technik, Team. Das Team bildet dabei den Kern eines Unternehmens, für Start-ups, die wichtigste Ressource. Um ein erfolgreiches Team zu haben, ist eine klare Aufgabenverteilung unabdingbar. Dabei ist es vorerst zweitrangig, ob man die Person persönlich mag. Wichtig ist, dass sie ihre Aufgabe gut erfüllt. Man sollte ohne Vorurteile auf die Menschen zugehen und muss lernen, die Leute aufgrund ihrer Kompetenzen zu mögen, da sie das fehlende Teil eines Puzzles sind und dieses komplettieren. Auch die Investoren legen zuallererst Wert auf das Team. Denn, ob die Technik funktioniert und das Unternehmen rentabel wird, hängt am Ende immer vom Team ab. Um etwas umzusetzen, muss man miteinander zusammenarbeiten, ist aufeinander angewiesen. Vor allem sollte man hinter seiner Idee stehen. Daher endet der Vortrag schlicht mit: „Glaubt an euch und eure Idee.“

Die anschließende Fragerunde zeigte weitere Stolpersteine, die bei der Unternehmensgründung auftreten können. Interessant für viele war die Antwort auf die Frage, wie die Idee zur Gründung von Waduba kam und welche Vision damit verfolgt wird. Die Basis bildete das 2012 gegründete Start-up Studentenflohmarkt.de, welches in Passau sehr gut funktionierte, in München jedoch weniger. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Uni ist in Passau Dreh- und Angelpunkt der Studenten. Man bleibt unter sich, hat gemeinsame Orte, gemeinsame Zeiten, eine soziale Gruppe – kurz: einen gemeinsamen Lebensmittelpunkt. München hat viele Hochschulen und bietet zudem weitere Lebensmittelpunkte, mit denen sich die Studenten identifizieren können. Die Vision von Waduba ist es, soziales Netzwerk und Marktplatz miteinander zu verbinden, damit sich Menschen überall ihre Marktplatz-Gruppen einrichten und so ihren Lebensmittelpunkt selber abbilden können. Das wird eventuell das nächste große Soziale Netzwerk.

Ein nicht ganz unwichtiger Aspekt einer Gründung, ist die Frage der Finanzierung. Eine gute Idee zeigt sich vor allem dadurch, dass sie finanziert werden kann. Waduba wird unter anderem von EXIST, die Existenzgründungen aus der Wissenschaft fördern, unterstützt. Die Bewerbung für das EXIST-Stipendium hat ein halbes Jahr gedauert. Sie besteht aus einem Ideenpapier, das in einem wissenschaftlichen Businessplan die Verbindung von Innovation, Kundennutzung und dem Bezug zur Hochschule zeigt. Wichtig zu wissen ist vor allem, dass man sich für dieses Stipendium über seine Hochschule bewirbt und einen Professor braucht, der das Projekt als Mentor betreut. Die ersten Ansprechpartner dafür an der Uni Passau sind Stefan Jelinek und Dr. Achim Dilling.

Waduba ist ein Online Marktplatz für Privatpersonen und Einzelhändler. Ziel ist es, das Geld über den lokalen Einzelhandel zu verdienen. Es werden einzelne Produkte der Händler eingestellt, um die Zielgruppe anzusprechen und das tatsächliche Interesse zu bedienen.

Ein weiterer gern angesprochener Punkt, ist der Umgang mit der Konkurrenz und die Angst zu scheitern. Auch darauf hatte Ralph Bärligea die passenden Antworten. Der Markt und die Mitbewerber sind das wichtigste Analyseinstrument für eine erfolgreiche Gründung. Eine genaue Analyse zeigt, was erfolgreich funktioniert und was nicht. Von seinen Mitbewerbern kann man am meisten lernen. Sollte die eigene Idee irgendwann von einem größeren Konkurrenten kopiert werden, gibt es zwei Optionen: Man findet einen Investor und kann die eigene Idee weiter verfolgen oder man wird aufgekauft und verliert das Rennen. Nach außen sind die Unternehmer tough und cool, doch innen sieht es oft ganz anders aus, wie Ralph Bärligea zugibt: „Das Gefühl alles hinzuschmeißen, begleitet einen täglich.“ Damit es gar nicht erst so weit kommt, die eigene Idee begraben zu müssen, gibt es nun 5 Tipps von ihm für eine erfolgreiche Gründung.

1. Kommuniziert eure Idee so früh wie möglich und lernt von euren Mitbewerbern.
2. Glaubt an euch und eure Idee, auch wenn sie unmöglich erscheint.
3. Bleibt am Ball. Offene Fragen verschwinden oft von allein.
4. Verkraftet Rückschläge und lernt daraus. Mehrere Versuche führen zum Ziel.
5. Seid von euch und eurer Idee überzeugt. Nur so könnt ihr auch andere überzeugen.

Text von Veronique Prause
Foto von Ralph Bärligea für den CaTer zur Verfügung gestellt

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