Einsamkeit als Stempel

Anfang des Semesters gastierte die Ausstellung „The stamp of loneliness“ im Foyer der Zentralbibliothek.
Es handelt sich um Bilder von der renommierten armenischen Fotografin Nazik Armenkayan. Bekannt wurde diese durch das Projekt „Survivors“, bei dem sie zwischen 2005 und 2014 Überlebende des Genozids in Armenien in schwarz-weiß porträtierte.
In Ihrem Projekt „The stamp of loneliness“ geht es nun um das Leben von Transgender Prostituierten in Jerewan, Armeniens Hauptstadt. Dort weigerten sich Gallerien, die Bilder zu zeigen, denn auch in Armenien gibt es starke Ressentiments gegenüber vermeintlich westlicher „schwuler Propaganda“. Eine Vernissage konnte schließlich nur einen Tag lang in einer Privatwohnung und nur für geladene Gäste stattfinden. Selbst in diesem Rahmen wagte Nazik Armenyakan es nicht, die „Modelle“ einzuladen. Immerhin konnte ein Buch mit den Bildern des Projekts gedruckt werden.
Ausgangspunkt für Armenyakans Fotorecherche war der „Komaygi“-Park in Jerewan, in dem Transfrauen nachts ihre Dienste als Prostituierte anbieten. Sie begann, die Leben von sieben von ihnen abzubilden. Lorena, Layma, Aram-Maga, Vika, Kara, Liana und Beyoncé haben unterschiedliche Vorgeschichten, unterschiedliche Träume und unterschiedliche Einstellungen zu ihrer Arbeit.
Für Aram-Maga beispielsweise ist die Tätigkeit in Komaygi-Park lediglich ein Nebenjob, den sie braucht, um ihre Familie zu ernähren. Sie hat eine Frau und eine Tochter, mit denen sie eine Zeit lang in Russland lebte. Nun sind sie zurück und haben sich freundschaftlich getrennt, doch das Gehalt aus Aram-Magas Hauptjob reicht zum Leben nicht aus.
Auch einige der anderen Mädchen träumen von Frau und Kindern. Vika beispielsweise ist sicher, dass sie das Leben, das sie jetzt lebt, in ein paar Jahren verlassen und eine Familie gründen wird. Layma hingegen sagt, sie hätte wohl eine Familie, wenn sie als Frau geboren wäre. Das aber war nicht der Fall, sodass sie heute der Ansicht ist, es wäre besser für sie gewesen, nie geboren zu werden.
Layma war es auch, die den Satz prägte, der später titelgebend für das fotografische Projekt werden sollte: „Auf uns ist ein Stempel der Einsamkeit.“ Ihren Freunden rät sie: „Es ist ein gefährlicher Job, wählt ihn nicht! Lasst es bleiben, wenn ihr könnt. Wenn ihr mit eurer Ausbildung, eurer Arbeit, überleben könnt, dann werdet nicht trans und arbeitet nicht auf der Straße! (…) Ich weiß, dass Transpersonen im Ausland an Kabaretts, an Shows teilnehmen… hier gibt es so etwas nicht; hier gibt es keinen Ort, an dem wir uns herausputzen können, Parodien oder Shows veranstalten und die Leute glücklich machen können.“
Layma lebt mittlerweile selbst im Ausland. Sie und Lorena sind nach Europa gezogen – das Buch mit den Bildern von Nazik Armenakyan half ihnen, ein Visum zu erhalten.

Mehr über Nazik Armenyakan findet ihr unter http://www.nazikarmenakyan.com/ Wörtliche Zitate sind Übersetzungen der Autorin aus der englischen Version des Buchs zum Projekt.

Foto: Nazik Armenkayan

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