Aus Berlin nach Bayern

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„Mein Studium im Ausland“ 

Hilfe, ich wurde in Bayern ausgesetzt! Dies war mein erster Gedanke nachdem der Umzug nach Passau über- standen war, alle IKEA-Möbel aufgebaut waren und sich meine Eltern mit ihrem Minivan verabschiedeten und sich auf den Rückweg nach Berlin machten. Dabei war ich keinesfalls das erste Mal in ungewohnter Umgebung unterwegs und auch aus dem elterlichen Haus bin ich schon lange ausgezogen. Masterstudentin, 27 Jahre alt und schon einige Zeit im  Ausland verbracht – und dennoch überkam mich eine Prise Heimweh und Wehmut nach meinem natürlichen Lebensraum Berlin und Potsdam als ich Ende September im schönen Passau an- gekommen bin. Umgeben von einer mir völlig fremden Sprache und Kultur fühlte ich mich zunächst wie im Aus- landssemester. Die Kommunikation im Supermarkt, mit Hausmeistern oder dem O2-Techniker stellten eine echte Herausforderung dar und manchmal war das Bayerische für mich von einer anderen Fremdsprache gar nicht zu unterscheiden (kann mir mal bitte jemand erklären was dieses „Fürti“ bedeutet?!). Am Anfang stand ich dem Bayerischen generell ers

einmal skeptisch gegenüber – als Hertha BSC-Fan unter Bayern-München-Fans, als Großstädter in der Kleinstadt, als Weintrinker unter Biertrinkern. Viel Zeit zum Eingewöhnen blieb gar nicht, dann ng auch schon die Orientierungswoche an, in der alle Neuen zu „Quietschies“ erklärt werden. Und da bestätigten sich dann doch einige Vorurteile. In Berlin werden Kommilitonen mit dem neuen Rennrad beeindruckt, in Passau mit der Rolex… hab ich gehört. Aber Statussymbole spielen vermutlich überall eine Rolle, was in Bayern die teure Armbanduhr ist, ist in Berlin die Spiegelreflexkamera, das Macbook oder die Backpacker-Weltreise. Vermutlich sollte man sich auf die Unterschiede einlassen, ohne diese sofort zu bewerten. Das wurde zumindest im Seminar für interkulturelle Basiskompetenz im Zentrum für Karriere und Kompetenzen geraten, an dem ich in der zweiten Uni-Woche teilgenommen habe. Inter- kulturelle Kompetenz ist manchmal eben auch gefragt, wenn es zu einem innerdeutschen Kulturschock kommt.

Im Laufe der Zeit lernte ich immer mehr Passauer und bayerische Studenten aus dem Umland kennen, die ich als sehr lebensfroh und gastfreundlich kennengelernt habe. Bei dem einen oder anderen Hefeweizen (oder wie hier gesagt wird: Weißbier) haben sie mir von ihren Erinnerungen an das Hochwasser erzählt. Bilder, die ich nur aus den Nachrichten kannte, nahmen reale Formen an und verknüpften sich mit persönlichen Schicksalen. Notiz an mich selbst: Gummistiefel auf die Einkaufsliste setzen! Vielen Dank, dass ihr mich so nett aufge- nommen habt, liebe Bayern! Ich freue mich schon auf die bayerisch-kleinstädtische Gemütlichkeit, wenn demnächst die Weihnachtsmärkte eröffnen und habe mir fürs Frühjahr vorgenommen, die Wanderschuhe auszupacken und den Bayerischen Wald zu erkunden. Ich werde versuchen, mich hier so gut wie möglich zu integrieren, nur das Sprechen im bayerischen Dialekt könnt ihr nicht von mir verlangen! Vielleicht schau ich mir sogar mal ein Bayern-München-Spiel an. Wenn die gegen Hertha spielen , ist doch klar…

Fotos:  Sophie Skeisgerski

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