Was ein gutes Drehbuch ausmacht

Komödie, Action, Drama: Mittlerweile gibt es unzählige Filmgenres. Manche handeln von Liebe, andere von Hass und Zerstörung, aber eines haben alle Filmgeschichten gemeinsam: Sie benötigen einen Leitfaden, ein Grundmuster, nach dem sie aufgebaut sind. Im Seminar „Grundlagen des Drehbuchschreibens“ von Dr. Marietheres Wagner wurde vor allem ein bestimmtes Grundmuster angesprochen: das mythologische nach Christopher Vogler. Dieser erläutert in seinem Buch „Die Odyssee der Drehbuchschreiber, Romanautoren und Dramatiker“ den konzeptionellen Begriff der „Reise der Helden“, der aus den tiefenpsychologischen Erkenntnissen nach Carl Gustav Jung sowie den mythologischen Studien von Joseph Campbell gebildet wird. Dieses Prinzip diente bereits als Grundlage zahlreicher Erfolgsfilme, etwa Krieg der Sterne oder Titanic.

Die „Reise der Helden“ ist grundsätzlich nichts anderes als eine Reise ins Abenteuer, vorbestimmt an zwölf verschiedenen Etappen. Zu Beginn (1) befindet sich der Held in seiner gewohnten Welt. Dies wird allerdings durch den „Ruf des Abenteuers“ (2) unterbrochen. Der Held weigert sich zunächst (3), das Abenteuer anzunehmen, wird allerdings von einer weisenden Person, einem Mentor (4), zum Überschreiten der ersten Schwelle (5) ermutigt. Hier gibt es verschiedene Feinde, Freunde oder Proben (6), in denen sich der Held bewähren muss, um somit zum tiefsten, fremdesten Kern der Geschichte vorzudringen (7). Dort erwartet unseren Protagonisten eine entscheidende Prüfung (8), aus der er mit einer Belohnung (9) herausgeht. Auf dem Rückweg in die gewohnte Welt (10) kann der Held Verfolgungen ausgesetzt sein. Er übertritt eine dritte Schwelle (11), die ihn in seinen grundlegenden Zügen verändert, möglicherweise auch eine „Auferstehung“ zur Folge hat.  Nach erfolgreichen Handeln kann der Heros wieder zurück in die gewohnte, ursprüngliche Welt kehren (12).

Im Verlauf jeder guten Geschichte sollte der Held also vor allem eines: in sich wachsen und sich wandeln, von Torheit zu Weisheit, Leichtsinn zu Scharfsinn, Hass zu Liebe. Doch ein guter Film besteht aus mehr Facetten als nur dem Heros: Beschrieben werden diese verschiedenen Figuren vom Tiefenpsychologen C.G. Jung als „Archetypen“. Jedes gute Märchen, jeder gute Mythos hat wiederkehrende Charaktere: den Helden, die Prinzessin, den Bösewicht, den Zauberer oder den weisenden Mentor. Jungs Idee vom Archetypen ist ein brauchbares Werkzeug, denn Archetypen können als verschiedenen Facetten eines Helden, die er im Guten oder Schlechten nutzen kann, verstanden werden. So gibt es die dunkle Seite, den Schatten; den weisenden Lehrer, den Mentor; den geistreichen Betrüger, den Trickser; den unberechenbaren Fremden, den Gestaltenwandler. Diese und viele andere Charaktere bestimmen das Bild einer jeden Geschichte – und sind Erfolgsgaranten für ganz großes Kino.

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