Hereingedackelt: Ein Besuch im weltweit ersten Dackelmuseum

Bereits im Jahr 2015 eröffneten Seppi Küblbeck und Oliver Storz einen bayerischen Souvenirladen am Passauer Residenzplatz, in dem der Dackel als Motiv eine zentrale Rolle spielte. Drei Jahre später folgt das Dackelmuseum “Kleine Residenz”.

Kleiner Hund ganz groß

Der Dackel, auch Dachshund oder Teckel genannt, erschien bereits im ersten Hundestammbuch von 1840. Der Hund mit den kurzen Beinen war besonders bei adligen Jägern beliebt. Im Jahr 1888 wurde der erste Deutsche Teckelclub gegründet. Seither galt der Dackel als spießig, typisch deutsch und altmodisch. Als typischen Dackelbesitzer stellte man sich einen leicht untersetzten älteren Herrn mit Schnurrbart oder eine ältere alleinstehende Dame aus dem Plattenbau am Stadtrand vor. Diesen Stereotyp vermochte auch die deutsche Sitcom „Hausmeister Krause“ aus den 2000er Jahren zu bedienen. Hier wurde die Hauptfigur der Serie, der Hausmeister aus dem Ruhrgebiet mit dem grauen Kittel, als klischeehaftes Dackelherrchen gezeigt, das sich regelmäßig mit seinem Dackel-Stammtisch trifft: „Alles für den Dackel, alles für den Club, unser Leben für den Hund!“

Der Mops oder die Französische Bulldogge waren dem Dackel als Trendhunde eine feuchte Nasespitze voraus und hatten ein gewisses Schönheitsideal geprägt. Doch seit einiger Zeit ist der Dackel zum Modehund avanciert, womit sich das Bild des Dackelbesitzers verändert hat: jung, kreativ und alternativ. Der Dackel ist in den Szenevierteln der Großstädte angekommen.

Ein Rundgang durch das Museum

Das Museum in Passau schafft es in nur zwei Ausstellungsräumen, den Dackel vom traditionellen Jagdhund bis zum hippen Lebensgefährten mit viel Liebe zum Detail zu präsentieren. Die „Kleine Residenz“ umfasst 4.500 Exponate aus aller Welt und informiert über verschiedene Dackeltypen, die Kulturgeschichte des Dackels und die Repräsentation des Dackelmotivs in allen Lebensbereichen. Dabei gibt es noch einiges Wissenswertes über den Dackel zu erfahren, wie im ersten Raum der Ausstellung deutlich wird. Kurzhaardackel, Langhaardackel und Rauhaardackel sind vermutlich allseits bekannt, der Tigerdackel mit seinem markanten gefleckten Fell dürfte jedoch manchem Besucher unbekannt sein. Die Ausstellung zeigt, dass prominente Künstler und Schauspieler schon lange auf den Dackel gekommen sind. Pablo Picasso diente der Dackel „Lump“ mit seinem aufgeweckten Wesen als Inspiration für zahlreiche Bilder. Auch Liz Taylor, Romy Schneider und Al Pacino sind dem Charme des eigensinnigen Hundes verfallen.

1972 erlangte der Dackel als Inbegriff der Sportlichkeit und Beweglichkeit in Form des Olympia-Maskottchens „Waldi“ Popularität. Der bunte Hund der Münchner Spiele ist im zweiten Raum des Museums zu finden. Daneben befindet sich ein „Kinderzimmer“ mit Memoryspiel, Nachziehtier und Kreisel – in Dackelform, versteht sich. Hatte der Dackel schon lange seine Liebhaber gefunden, ist er nun zur Marke geworden. Er ist längst nicht mehr nur mit wippendem Kopf auf der Hutablage eines alten Mercedes zu sehen, es gibt ihn unter anderem als Türklinke, als Weihnachtsbaumschmuck, als Feuerzeug und als Steifftier im Kinderzimmer. Der Dackel kommt in verschiedensten Materialien daher, sei es Porzellan oder Glas, Holz oder Metall. Spätestens mit dem eigenen Museum ist dem Dackel nun der ganz große Durchbruch gelungen, denn die Eröffnung des kleinen Museums sorgte nicht nur in Bayern für Aufsehen. Zum Erstaunen der beiden Inhaber scheint es sich bei dem Passauer Dackelmuseum um eine Kuriosität zu handeln, die weltweit in der Presse aufgegriffen wurde.

Dackelmuseum „Kleine Residenz“

Große Messergasse 1, 94032 Passau Sa-Do, 10-16 Uhr
Erwachsene 5 Euro
Schüler & Studenten 3 Euro
Kinder bis 12 Jahre & Hunde freier Eintritt

Weitere Informationen auf: www.dackelmuseum.de

Beitragsbild von Kevin Jackson via Unsplash