Stipendium: Zwischen Förderung und Verpflichtung

Du würdest dich auf ein wenig finanzielle Unterstützung während deines Studiums freuen? Außerdem strebst du eine journalistische Karriere an? Bei Janina Körber, 21, war genau das der Fall. Nun ist sie Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung. In einem Interview erzählt sie, wie es dazu kam und was die Vor- und Nachteile eines Stipendiums sind. So viel vorweg: Das Geld ist nicht das Spannendste. Das Interview führte Nicole Dirnberger.

Welches Stipendium hast du bekommen?

Das Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung, der größten politischen Stiftung Deutschlands. Sie steht der SPD nahe und ist benannt nach dem ersten demokratisch gewählten deutschen Reichspräsidenten.

War der Notendurchschnitt relevant? Wenn ja, wo lag die Grenze?

Meine Noten waren nur bedingt relevant. Bei der FES kommt es auf die Kombination von
halbwegs guten Noten und einem sozialen Engagement an. Natürlich sollten auch deine
Einstellungen und Überzeugungen mit den Werten der Stiftung übereinstimmen. Ich musste jetzt aber nicht Parteimitglied der SPD sein.

Wie hast du das bekommen? Gab es ein Verfahren? Musstest du Aufgaben erledigen?

Das Bewerbungsverfahren der FES kann bis zu einem Jahr dauern. Darin muss man erst schriftlich, später auch in dem ein, oder anderen Gespräch mündlich, seine Motivation darlegen, Teil des FES-Netzwerkes zu werden. Aufgaben wie in einem Assessmentcenter musste ich zum Glück keine erledigen – das hätte mich fürchterlich unter Stress gesetzt.

Welche Schritte musstest du gehen, um an so ein Stipendium zu gelangen?

Schritt 1: Ich habe im Februar eine umfassende Online-Bewerbung ausgefüllt, in der man erklärt, warum man zu genau dieser Stiftung passt, was man mit dem Studium anstrebt
und wie man seine Freizeit gestaltet. Schritt 2: Interessiert sich die Stiftung für deine Bewerbung, wirst du aufgefordert weitere Dokumente sowie zwei Fachgutachten deiner Dozenten einzureichen. Als ich die Gespräche mit meinen beiden Professoren hatte war ich ziemlich aufgeregt. Sie haben sich aber ganz locker mit mir unterhalten und ein bisschen meine Allgemeinbildung auf die Probe gestellt. Schritt 3: Kommt man in die nähere Auswahl, wird man zu zwei Gesprächen mit Vertrauenspersonen der FES eingeladen. Im Sommer hatte ich zum Einen ein nettes Telefonat mit einer Passauer Lektorin, die sich viel für die Details meiner ehrenamtlichen Arbeit interessiert hat. Zum anderen hatte ich ein persönliches Treffen mit einem Redakteur des Bayerischen Rundfunks, wofür ich extra nach München gefahren bin. Auch hier war ich sehr aufgeregt, weil mein Traumarbeitgeber das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist und da
wollte ich natürlich einen guten Eindruck machen. Der Redakteur war Teil des Auswahlausschusses der FES und wollte vor allem mehr über meine Medienprojekte
wissen. Die Aufregung war am Ende ganz umsonst, der Mann war sympathisch und
das Gespräch schneller vorbei als gedacht. Schritt 4: Dann hieß es warten. Erst Ende Oktober fiel die endgültige Entscheidung und schlussendlich bekam ich die erlösende Nachrichten, dass ich ab nun an Stipendiatin an der FES bin.

Welche Kriterien musstest du erfüllen, um das Stipendium zu bekommen?

Da die FES die SPD-nahe Stiftung ist, war es für die Aufnahme schon wichtig, den sozialdemokratischen Grundgedanken zu unterstützen. Wer mit Werten wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität nichts anfangen kann, ist bei der FES falsch. Ein besonderes Auge hatten sie auf mein soziales Engagement bei der NaturFreundeJugend Bayern. Zudem hat die Tatsache, dass meine Eltern nicht studiert haben und ich somit „Erstakademikerin“ in meiner Familie bin, zu meiner Aufnahme beigetragen. Auch ist der Journalismus ein Bereich, in dem die FES besonders fördert, da die Medien ja be-
kanntlich die „4. Gewalt im Staat“ und somit ein wichtiger Teil der Demokratie sind.

Darf man fragen, wie viel Geld du von der FES erhältst?

Die Studienförderung ist kein Geheimnis. Sie besteht aus einer finanziellen und einer ideellen Förderung. Ich bekomme pro Monat 300 Euro sogenannte Studienkostenpauschale, die vierteljährlich ausgezahlt wird. Wer Bafög-berechtigt ist, kann bis zu 649 Euro monatlich bekommen. Daneben gibt es die Möglichkeit für geförderte Auslandsaufenthalte.

Unabhängig von dem Geld, welches du erhältst. Was sind für dich die Vorteile
eines Stipendiums?

Was viel wichtiger als das Gel ist, ist – und das hätte ich vorher auch nicht geglaubt
– die ideelle Förderung! Als Stipendiatin darf ich Seminare in ganz Deutschland
besuchen, die ich so wahrscheinlich nie hätte bezahlen können. Die Menschen
und das Know-How dieser Workshops und Treffen sind eine enorme Bereiche-
rung! Zum Beispiel habe ich im April fünf Tage lang auf einem Seminar in Berlin den Hauptstadtjournalismus und seine wichtigsten Akteure kennen gelernt.

Was sind die Nachteile eines Stipendiums? Hast du auch Verpflichtungen?

Ja, es gibt auch Verpflichtungen. Schließlich verteilen die Stiftungen hier Steuergelder. Ich muss halbjährlich ausführliche Berichte über meine Studienpläne und mein soziales Engagement abgeben. Außerdem sollten meine Noten halbwegs auf einer Linie bleiben.
Das heißt aber nicht, dass ich mir nicht mal einen Ausrutscher leisten dürfte.

Du hast mir schon von zwei Seminaren erzählt, die du im Rahmen des Stipendiums machen durftest. Möchtest du davon nochmal erzählen?

Mein Einführungsseminar in die Welt der Friedrich-Ebert-Stiftung hat mich mit 50 jungen Stipendiaten aus ganz Deutschland bekannt gemacht, die – jeder einzelne – eine spannende Geschichte aus seinem Ehrenamt zu erzählen hatten. Wir haben viel gelernt darüber, wie wir im Netzwerk der FES unseren Platz finden können, was wir davon haben und was wir mit ihrer Hilfe auf die Beine stellen können. Wir haben über Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität diskutiert und wie unterschiedlich diese Begriffe für jeden Einzelnen von uns sind. Das Seminar „Medien und Politik in der Hauptstadt“ hat mir nicht nur die Türen zur Bundespressekonferenz geöffnet. Wir haben mit Politikern, Pressesprechern und Redakteuren der dpa, des Spiegels, der Bild und vom Deutschlandfunk über Journalismus heute und dessen Zukunft diskutiert. Außerdem haben wir das Willy-Brand-Haus besucht und waren bei Maybrit-Illner im Talkshow-Publikum. Und zu guter Letzt simulierten wir unsere ganz eigene Bundespressekonferenz in einem Planspiel. Es war Journalismus erster Klasse!

Welche Ratschläge würdest du einem Studenten geben, der auf der Suche nach einem Stipendium ist?

Informiere dich auf jeden Fall, ob die Stiftung inhaltlich zu dir passt, bevor du dich wahllos irgendwo bewirbst. Der Bewerbungsprozess dauert sehr lang und kann sehr nervenzehrend werden. Konzentriere deshalb deine Energie auf die Stiftung, die
zu dir passt. Und dann versuch’s einfach! Es schaffen mehr Menschen als gedacht!

Fotos: privat.