Pretérito Indefinido und Pura Vida

Viele Anbieter werben für Spanisch-Sprachkurse in Costa Rica. Urlaub und Weiterbildung in einem klingt verlockend, aber sind die Kurse ihr Geld wert? Ein Erfahrungsbericht.

Palmen rahmen den schmalen Weg ein, der zu einem schweren eisernen Tor führt. Dahinter verbirgt sich ein tropischer Garten. Schmetterlinge eilen von Blüte zu Blüte und Kolibris mit bunt schillerndem Gefieder schwirren über einer blühenden Hecke. Inmitten dieser friedlichen Oase liegt die Sprachschule Academia Tica. Ich komme an einem Sonntag Anfang März in der Sprachschule an. Eine halbe Stunde braucht der Bus von San José in die Kleinstadt Coronado, die nördlich der costa-ricanischen Hauptstadt in den Bergen liegt. Zwei Wochen werde ich hier verbringen, um meine Kenntnisse in der Zeitform Preterito Indefinido und Co. aufzubessern. Mit knapp 700 Euro für zwei Wochen Unterricht mit je 20 Stunden pro Woche bietet die Sprachschule nicht das günstigste Angebot. Allerdings ist die Unterkunft bereits inklusive und die Schule wirbt auf ihrer Website mit diversen Auszeichnungen und der Partnerschaft mit dem Instituto Cervantes, dem spanischen Äquivalent des Goethe-Instituts. Die Sprachschüler können zwischen einem Zimmer in einem Bungalow auf dem Campus und der Unterbringung bei einer Gastfamilie wählen. Ich habe mich für die Unterkunft auf dem Campus entschieden, um mit den anderen Schülern zusammenzuwohnen und früh morgens keine weite Anfahrt zu haben. Am Sonntagabend lerne ich bereits einige andere Schüler kennen, mit meiner Mitbewohnerin Marijn aus den Niederlanden verstehe ich mich auf Anhieb. 

Am Montag klingelt um acht Uhr morgens die Schulglocke. Für die meisten Schüler beginnt nun der Unterricht, alle Neuankömmlinge müssen zunächst einen Einstufungstest machen. Ich werde in den Kurs mit dem Niveau A2 eingeteilt. Außer mir sind nur noch zwei weitere Schüler in dem Kurs, der Deutsche Student Lenni und Freya aus den USA, die bereits Anfang 60 ist. In der kleinen Gruppe herrscht eine angenehme und produktive Arbeitsatmosphäre. Anders als in den Sprachkursen der Uni, die viel mehr Teilnehmer haben, arbeitet man hier aktiver mit und spricht mehr Spanisch. Wir diskutieren über aktuelle Themen und machen Spiele, durch die wir neue Adjektive oder Verben lernen. Unsere Lehrerin Sandra erzählt immer wieder vom Lebensalltag in Costa Rica. Als wir über Vokabeln zum Thema el piso, die Wohnung, sprechen, erzählt sie von den ärmlichen Verhältnissen in denen sie aufgewachsen ist. So lernen wir im Unterricht nicht nur Grammatik und Wortschatz, sondern erfahren auch von der Lebensrealität der Menschen. Der Unterricht endet kurz vor 12, pünktlich zum gemeinsamen Mittagessen in unserer Bungalow-WG. 

Den Nachmittag können wir frei gestalten. Oft nutzen wir die Zeit, um in der Stadt zu spazieren, einkaufen zu gehen oder Kaffee zu trinken. In Coronado kann man das wahre Leben in Costa Rica abseits der touristischen Orte erleben. Ein besonderes Erlebnis ist der Wochenmarkt, auf dem sich alle Einwohner am Wochenende versammeln um günstig Obst und Gemüse einzukaufen. Die Schule bietet außerdem Nachmittagsaktivitäten und Exkursionen an, von denen allerdings einige kostenpflichtig sind. Mario, ein Student aus San José, organisiert die Ausflüge und lässt uns an seiner Sichtweise auf das Land und die Menschen teilhaben. Er erklärt uns auch die Bedeutung  der Redewendung Pura Vida, die man in Costa Rica so oft hört. Pura Vida wird zur Begrüßung, zum Abschied oder auch zum Ausdruck von Dankbarkeit gesagt. Es drückt die Lebensfreude der Menschen aus, denn wörtlich übersetzt bedeutet Pura Vida das pure Leben.

Kurz bevor die Zeit an der Academia Tica für mich vorbei ist, gibt es eine organisierte Wanderung in den nahegelegenen Nebelwald. In dem Nationalpark in den Bergen ist es kühl, sehr angenehm zum Wandern. Wir lauschen den für uns fremden Gesängen der Vögel, bewundern Bäume mit verschlungenen Wurzeln und finden einen Strauch mit riesigen Blättern. Mario erklärt uns, dass die Pflanze poor man’s umbrella genannt wird, der Regenschirm des armen Mannes. Ziel der Wanderung ist ein kleiner Wasserfall.

Wie jeder Schüler, der die Academia verlässt, muss auch ich an meinem letzten Schultag eine kleine Abschiedsrede in Spanisch halten. Ich kann gar nicht glauben, wie viel ich bereits in zwei Wochen gelernt habe und würde am Liebsten noch länger bleiben. In meiner Rede bedanke mich bei allen für die wunderbare Zeit. Während der zwei Wochen sind mir Lehrer und Mitschüler sehr ans Herz gewachsen. Besonders gut gefallen hat mir, dass hier Sprachschüler verschiedenen Alters aus verschiedenen Ländern zusammen leben und lernen.

Beitragsbild von Zdeněk Macháček via Unsplash.