Bruno Jonas, Urban Priol und Hape Kerkeling in Passau

"Humor ohne Verstand geht nicht"Bruno Jonas und Immanuel Kant. Urban Priol und Papst Benedikt. Hape Kerkeling und seine Meinung zu den Studiengebühren. Was hat das alles miteinander zu tun, mag man sich fragen? Vergangene Woche war dies, und vor allem der Auftritt der drei genannten Kabarettisten, Thema an der Universität Passau. Im Rahmen der Vortragsreihe „Götter, Spötter und Gelehrte“ waren drei hochkarätige Gastredner ins Audimax geladen, um zum Thema „Glaube und Satire“ über ihre Sicht auf Gott und die humorvolle Welt zu dozieren.

Einer amüsanten Philosophie-Vorlesung glich denn auch der Auftritt von Bruno Jonas am Montag Abend. Der „Ankerman des Scheibenwischers“, wie ihn Professor Dr. Jürgen Kamm bezeichnete, schaffte gekonnt den Spagat zwischen anspruchsvollem Vortrag und lustiger Kabarettvorstellung. Jonas zitierte dabei viele Philosophen und Gelehrte von Thomas Morus über Hegel, Herder und Kerkegard. Der Humor blieb dabei aber nie auf der Strecke. So erzählte der Kabarettist von seiner Jugend in Passau und, dass seine Familie eine Metzgerei auf dem heutigen Gelände der Uni hatte, die jedoch beim Bau des Juridicums weichen musste. Seine Mutter meinte dazu immer: „Ja mei, mir ham halt der Bildung weichen müssen!“ Ausführlich beschäftigte er sich mit der Verbindung zwischen Glaube und Vernunft. Zwar sei er aus der Kirche ausgetreten, nachdem man ihn in Folge eines bissigen Theaterstücks im Scharfrichterhaus wegen Religions-Verunglimpfung angezeigt hatte, aber dennoch sei er der Meinung: „Wer in Passau länger lebt, der muss gläubig werden!“ Jonas Vortrag strotzte nur so vor Pointen und Anspielungen auf die Bibel, auf den Glauben und auf die Philosophie. Was er mit den Sätzen „’Gell’ sagt die Vernunft zur Religion ‚des müssma aber schon noch überdenken!’ Dazu die Religion ‚Ja, aber des ham mir scho immer so gmacht!’“ meinte, verstand wohl auch noch der konservativste Katholik im Raum. „Verstand ohne Humor geht – Humor ohne Verstand geht nicht“, das liege seinem Beruf zu Grunde.

"Dran glauben müssen wir alle."„Dran glauben müssen wir alle, gesagt ist gesagt“ – Unter diesem Motto stand der Auftritt des fränkischen Kabarettisten mit den zerzausten Haaren, Urban Priol. Im Gegensatz zu Bruno Jonas am Vortag stellte dieser sein Publikum darauf ein, keinen mit philosophischen Weisheiten gespickten Vortrag über Sinn und Unsinn des Glaubens zu halten. Dennoch reichte die Bandbreite seines folgenden Parforce-Ritts durch die Personalien aus Kirche, Religion und Politik von Papst Benedikt bis zu Osama bin Laden. Und jene zwei verglich er dann auch: „Beide wollen uns mit ihrem Handeln sagen, wie wichtig ein fester Glaube ist.“ Wie gut ihm die vergangene Konklave-Show bei der Papstwahl gefiel, stellte er ausführlich dar, denn diese könnte es ja vielleicht einmal zur neuen Container-Show á la Big Brother schaffen. Es sei denn, das berühmte Rauchzeichen bei der erfolgreichen Neuwahl werde von der EU-Feinstaubverordnung verboten. Mit Scherzen wie „Santo Subito – klingt a bissele wie a Scheuermittel von Atta!“ erntete Urban Priol zwar noch mehr Lacher als der Lokalmatador Bruno Jonas, konnte bei seinem Auftritt jedoch nicht so großen akademischen Tiefgang erreichen wie jener.

Höhepunkt der „Spötter“-Auftritte war schließlich aus Publikumssicht der Mittwochabend. Lange bevor Hape Kerkeling ans Pult trat, waren die Hörsaale 10 und 9 schon voll belegt. Viele weitere Zuhörer hofften vor den Türen noch auf Einlass. Mit leichter Verspätung kam er dann: einer der erfolgreichsten Comedians, Moderatoren und Kabarettisten Deutschlands. Und auch als Schriftsteller weiß Hape – eigentlich Hans-Peter – Kerkeling  zu begeistern. Sein Buch, aus dem er bei seinem Auftritt an der Uni Passau vorlas, steht er seit über einem Jahr an der Spitze der Bestseller."Humor ist wichtig, das Leben zu überstehen." Durch sein lockeres Auftreten und der Bereitschaft, viele Fragen zu beantworten, entwickelte sich zwischen den einzelnen Passagen, die er aus seinem Werk „Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg“ vorlas, ein reger Dialog zwischen dem dritten „Spötter“ im Bunde und dem Passauer Publikum. Dabei kamen viele Punkte um seine Pilgerreise in Spanien zum Sprechen, aber auch auf das eigentliche Thema der Vortragsreihe „Glaube und Satire“ ging der Entertainer ein. „Humor ist wichtig, das Leben zu überstehen!“, sagte Kerkeling. Die keineswegs scheuen Fans wussten viele tiefgreifende Fragen zu stellen. Eine Zuhörerin lud den Protagonisten sogar ein, mit dem Pilgerverein Altötting zur Wallfahrt nach Niederbayern zu kommen. Doch auch lustige Beiträge aus dem Auditorium fehlten nicht. So lud ihn eine Studentin zum Salsa-Tanzen in eine Passauer Bar ein. Unerwartet sagte Kerkeling sogar zu – ob er dies wirklich einhielt ist jedoch nicht bekannt. Eine für ihn „erfrischende Frage“ stellte eine Studentin danach, ob er „für oder gegen Studiengebühren“ sei. Kerkelings Antwort: „Dagegen. Aber ich weiß jetzt auch nicht, wie man das sonst finanzieren sollte.“ Bei der anschließenden Autogrammstunde herrschte einer reger Andrang nach der Unterschrift des Recklinghauseners, alias Horst Schlämmer, welchen dieser auch bereitwillig bis zur letzten Unterschrift bewältigte. Und so wird dieser Abend wohl den meisten Zuhörern als unvergessliche Stunden mit einem von Deutschlands beliebtesten Kabarettisten in Erinnerung bleiben. Einziger Wermutstropfen war dabei: Von den Passauer Studenten hatten nur sehr wenige die Möglichkeit bekommen, einen der drei Vorträge der berühmten Protagonisten aus nächster Nähe zu verfolgen. Grund war wohl die eher undurchsichtige und wohl sehr selten dem Zufall überlassene Vergabemethode der – immerhin kostenlosen – Eintrittskarten.

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