Kommentar: Mehr Geld, mehr Möglichkeiten?

– Wohin mit den Studiengebühren? –

Für die Universitäten im Land trifft zurzeit wohl eher das Zweitgenannte zu. Seit dem Sommersemester müssen Studierende in Deutschland Studiengebühren entrichten. Weil man all das positiv finden musste, wurde auch im Wortdschungel der deutschen Sprache etwas nachgeholfen. Aus Studiengebühren wurden im offiziellen Sprachgebrauch schnell Studienbeiträge, was in gewisser Weise an freiwillige Abgaben erinnern soll und sprachlich weit entfernt von den garstig und grob klingenden „Gebühren“ liegt. Die Psychologie dieser Wortwahl konnte jedoch die negative Stimmung gegen Studiengebühren in der Rebublik nicht allzu dramatisch aufheitern. Es wurden Autobahnen besetzt, Hörsäle zu Kundgebungen zweckentfremdet und sogar in Passau sollen ein, zwei Menschen (vielleicht Studierende?) tatsächlich gegen die Studiengebühren gewesen sein. Doch was abschließend zählt: die Studiengebühren wurden beschlossen- der Geldhahn wurde aufgedreht. Nun fließt das Geld und alle Studenten fragen sich zu Recht, welche Richtung es nimmt. Einige Universitäten entschieden sich im Rauschen des Geldstromes dazu, den Studenten durch ausgebaute Stipendiatenprogramme wieder einen Teil zukommen zu lassen. Was geradezu barmherzig und wohltäterisch klingt, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als komplett logikfreier Geldkreislauf. Anstatt allgemein die Lehre zu verbessern, fördert man mit dem Geld einen Bruchteil der bezahlenden Studenten. Man nimmt die Gebühren von Allen und gibt sie Wenigen. Zum Glück muss man sich an der Universität Passau mit solcherlei Dingen nicht beschäftigen. Es kreisen vielmehr Gerüchte um ein Schwimmbad, Sauna und ein High-Tech-Fitnesscenter mit individuellen Chipkarten und Trainingsprogrammen für den geneigten Athleten. All das würde vermutlich jedem gefallen, wenn die Lehre bereits perfekt wäre. Immer noch mangelt es vor allem in kleineren, stiefmütterlich behandelten, Lehrstühlen an Mitarbeitern, so dass einige wenige Seminare stellenweise nur alle drei Semester angeboten werden können. Hier ist vor allem die Unileitung aufgerufen, an solchen Stellen verstärkt zu investieren. Denn was bringt es einem Studenten, wenn er nicht, in sein für den Studienverlauf dringend benötigtes, Seminar reinkommt, dafür aber seinem Dozenten (aufgrund eines gerade belegten Kommunikationsseminars im neuen ZfS) eine rhetorisch perfekte Beschwerdemail schicken kann? Auch wenn die meisten Verantwortlichen ein positives Fazit der ersten Monate mit Studiengebühren ziehen, kann der wirkliche Nutzen der Gelder erst in einigen Jahren ermittelt werden. Dann wird sich herausstellen, ob die Einführung der Gebühren eher ein Fluch oder doch ein Segen war.

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