Kein Platz für Hitzköpfe

In Europa hat American Football trotz regen Interesses am “Super Bowl”, dem großen Finale der amerikanischen Nationalliga, nie wirklich Anklang gefunden. Die Universität Passau dagegen unterstützt diese Sportart bereits seit 1978 mit einem eigenen Team, den “Red Wolves”. Einziger Unterschied zu den Profis aus Übersee: hier regiert Köpfchen statt Körper.

 

An der Universität Passau wurde bereits mit der Gründung der Hochschule im Jahr 1978 ein American-Football-Team ins Leben gerufen: Die Passau Red Wolves. Bis zum Ende der Neunziger Jahre spielte das Hochschulteam erfolgreich das traditionelle Tackle-Football, bis eine Umstellung auf Flag-Football erfolgte. Die Spieler tauschten Helm und Schulterpolster gegen einen Gürtel mit zwei Flaggen rechts und links. Gefragt ist nun nicht mehr das aggressive Niederringen des Gegenspielers in Ballbesitz, sondern nur noch die Eroberung der jeweiligen Flagge.

 

In Passau zählt Geschick statt Härte

 

Nach einer Regeländerung durch den deutschen Flag-Football-Verband wird aktuell Fünf gegen Fünf gespielt, so dass bei der Aufstellung kein Platz mehr für Verteidiger bleibt, die bei der alten „Sieben gegen Sieben-Regelung“ noch vorgesehen waren und vornehmlich den Quarterback bei Offensivaktionen schützen sollten. Dies führt dazu, dass kaum noch mit Körperkontakt gespielt wird. „Anfassen ist schon noch erlaubt“, erklärt der Headcoach der Red Wolves, Moritz Gerstmayr, „aber aktives Blocken zum Schutz des Quarterbacks bei Ballbesitz geht nun nicht mehr.“ Neben der rauen Gangart, wurde dem Flag-Football auch eine weitere prägnante Eigenschaft des traditionellen Spiels geraubt. Wegen eines augenscheinlichen Platzproblems wird im Winter in der Halle ohne Field-Goal gespielt. Doch auch unter freiem Himmel muss auf den Kick durch die Stangen verzichtet werden.„Field-Goals wurden praktisch aus dem Programm genommen“, gibt Moritz Gerstmayr zu.

Ansonsten sind die Regeln natürlich nahezu identisch mit dem großen Bruder, dem Tackle-Football. Jede Mannschaft hat vier Versuche, um das Ei in die gegnerische Endzone zu tragen. Alle Angriffe laufen über einen Spielmacher, den Quarterback. Dieser spielt entweder vertikale Pässe oder übergibt an die Läufer. Hat eine Mannschaft einen gewissen Raumgewinn verbucht, erhält sie vier neue Versuche. Schafft sie es nicht, wechselt der Ballbesitz.

 

In professioneller Atmosphäre lernt jeder dazu

 

Ohne die traditionell rabiaten Zweikämpfe ist Flag-Football wesentlich besser geeignet für Anfänger und sogar ein paar Frauen gucken ab und zu beim Training in der Mehrzweckhalle des Sportzentrums vorbei. „Wer Flag-Football gerne einmal ausprobieren will, ist auf alle Fälle herzlich eingeladen zu unserem Training“, sagt Moritz Gerstmayr. „Es ist natürlich von Vorteil, die Spielprinzipien zu kennen, aber das ist keine Voraussetzung.“

 

Für beste Betreuung beim Training ist gesorgt: Neben dem Headcoach kümmern sich aktuell mit Hauke Bastert, Niko Rakebrandt und Jan Pav drei weitere  professionelle Spieler aus der 2. Bundesliga um das Trainingsprogramm. Und auch an Wettbewerbsspielen mangelt es nicht. Für den 15. Dezember ist das traditionelle Hallenturnier geplant, bei dem Gäste aus Nürnberg, Ilmenau und aus Österreich erwartet werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.