Mehr als Bier, Leberkäs und Dirndl

 

Das Kulturbüro des Studentenwerks veranstaltet zusammen mit der Professur für Musikpädagogik II einen bayerischen Abend. Die Einladung verspricht typisch bayerische Tänze und Lieder und auch eine zünftige Brotzeit soll es geben.

Gespannt steige ich die wenig beleuchteten Treppen zur Mensa hinab und fühle mich ein bisschen wie ein Ethnologe bei der Entdeckung eines neuen Volksstamms: gespannt was die neue Kultur zu bieten hat. Unten angekommen, kann ich schon die ersten Vorboten des Typisch-Bayerischen erkennen: Die vordersten Stuhlreihen sind gefüllt mit Damen und Herren in Trachten. Ein wenig abgeschreckt betrete ich die Mensa dennoch und halte erst einmal Ausschau nach der versprochen Brotzeit. Es gibt Leberkäsesemmeln und Weißbier.

Stubenmusi vom Allerfeinsten

Mit Essen und Bier versorgt mache ich mich auf die Suche nach einem guten Sitzplatz und muss feststellen, dass nicht nur ich mich für die bayerische Kultur näher interessiere. Die Stühle sind fast alle belegt und auch Herr Prof. Dr. Schweizer ist unter den Anwesenden zu finden.

Kaum habe ich Platz genommen, tönt es auch schon „Servas, griesds eich mitanand“ aus den Lautsprechern und das Programm beginnt mit  Stubenmusi. Es folgt das typisch bayerwaldlerische Lied „Mia san vom Woid dahoam“ gesungen vom Männerchor aus der Innstadt und einige traditionell Tänze, ebenfalls aus dem bayerischen Wald. „Für unserer Gruppe ist das ein Pflichtteil“, verrät Werner Ehler, Leiter des Volkstanzkreises Passau. „Schließlich wollen wir unsere Tänze aus dem bayerischen Wald ja auch den Studenten, die nicht aus Bayern kommen und die Kultur kennenlernen wollen zeigen. Sie sollen was hören und sehen vom bayerischen Brauchtum.“

Und das tun sie auch, wenn sie zum bayerischen Abend kommen. Es werden bayerische Volkswaisen und Lieder zum Besten gegeben, es wird geschuhplattlt und immer fleißig mitgeklatscht und mitgesungen. Publikumsanimation scheint sowieso ein großes Anliegen der Künstler zu sein. Der Volkstanzkreis von Herrn Ehler zum Beispiel sucht sich immer wieder „Freiwillige“ zum Mittanzen. Auch unser Präsident und seine Frau werden nicht verschont, sonder müssen mit gutem Beispiel vorangehen und „freiwillig“ mittanzen. Aber das versteht man wohl unter „bayerischer Gemütlichkeit“.

Der Sinn kommt an

„ Die Idee war einerseits die Passauer und die Studenten ein bisschen näher zusammenzubringen, aber auch den Erasmus-Leuten und Nicht-Bayern ein Einblick in die Vielfalt der bayerischen Kultur zu geben.“, sagt Karoline Laila Oberländer, studentische Hilfskraft beim Kulturbüro und Mitorganisatorin. Sie könne sich sogar vorstellen, einen „Bayerisch für Einsteiger Kurs“ ins O-Wochen-Programm mit aufzunehmen. Anne Tempelhahn, die hinter der Theke fleißig Leberkässemmeln verkauft, bedauert, dass der Abend erst jetzt stattfindet: „Ich bin schon im fünften Semester, da ist es leider zu spät sich noch zu integrieren. Aber die Idee an sich ist gut, vielleicht könnte man so was in der auch Art beim Leberkäsemfpang machen.“

Währenddessen geht das Programm munter weiter und mir bleibt nichts anderes übrig als zu Staunen. Von den Gedichten und Lieder, die vorgetragen werden, verstehe ich nur einen Bruchteil. Die Protagonisten könnten genauso gut einfach nur Silben aneinander reihen, trotzdem kommt der Sinn irgendwie bei mir an. Das ist schon faszinierend. Und auch der Schuhplattler scheint alle in seinen Bann zu ziehen. Ein bisschen schade ist allerdings, dass ein paar Zuschauer wohl wirklich nur der Brotzeit wegen gekommen sind und sich im hinteren Teil der Mensa ziemlich laut unterhalten.

Doch auch das kann man wahrscheinlich unter der viel gepriesenen bayerischen Wirtshauskultur verbuchen.

Ich jedenfalls komme zu dem Schluss, dass bayerisches Brauchtum und bayerische Kultur mehr ist als nur Trachten tragen, Bier trinken und Leberkäs essen und auch mit dem Volksmusikantenstadel hatte es nicht wirklich viel zu tun. Ágnes Topa aus Ungar, die gerade ihrer Freundin in Passau besucht sagt: „I really enjoyed it. I think it is amazing, that not only old people participate in this but also the young generation.”

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