Mächtige Frauen – ein Oxymoron der Moderne

Schlendert man durch die Uni, so wird jedem aufmerksamen Auge nach kurzer Zeit vor allem eines auffallen: Die Studenten der Universität Passau sind vor allem Studentinnen. Top gestylt in sommerlichen Kleidchen oder klassisch in Jeans und T-Shirt, die geistige Elite Passaus ist überwiegend weiblich – die „Frauenquote“ in Passau ist auf der Überholspur.

Die gewaltige feminine Übermacht gibt Grund zur Annahme, männliche Kommilitonen könnten sich dadurch in irgendeiner Form diskriminiert oder unbehaglich fühlen. Und tatsächlich, bei genauerem Hinhören fühlt sich so mancher Passauer Student in seiner Männlichkeit existenziell bedroht – eine gewaltige Welle von Abiturientinnen stürmt jährlich die Vorlesungssäle und das zu allem Übel auch noch mit meist besseren Durchschnittsnoten. Es scheint schon fast grotesk, dass manch Kommilitone fast beleidigt mäkelt und in diesem vermeintlich positiven Gesellschaftswandel eine Fliege in der Suppe zu finden versucht: Zu groß sei die Zahl der Studentinnen, da komme ein Gefühl der Diskriminierung auf, nicht zuletzt, da der weibliche Charme deutlich besser bei den Professoren fruchte als männlicher Esprit. Eine Behauptung, die dem Kampf um die Gleichberechtigung für ein kleines Schmunzeln lang den Wind aus den Segeln nimmt.

Aber Moment: Diese angeprangerte Quasi-Diskriminierung der Männer lässt eigentlich wiederum auf die Diskriminierung der emanzipierten, äh nein, der immatrikulierten Frau schließen, zumal einem als Frau anscheinend immer noch nahegelegt wird, man hätte sich für seine (Über-)Anwesenheit in einem einst männerdominierten Gebiet – der Wissenschaft – zu rechtfertigen. Universität Passau: Hier werden Karrieren gemacht! So verspricht es zumindest der fröhlich orangene Schriftzug auf der Homepage der Uni.

Ganz schön abwegig erscheint einem dann die aktuelle beziehungsweise immer noch viel diskutierte Frauenquote in der Wirtschaft, könnte man doch meinen, dass es bei so vielen Studentinnen genügend qualifizierte Chefpositions-Anwärterinnen geben sollte. Weit gefehlt. Drei Prozent aller Spitzenpositionen in Deutschland sind von Frauen besetzt. Stellt man dieser mickrigen, fast schon bemitleidenswerten Zahl den monströsen, schon fast unzumutbaren Frauenanteil der Studenten in Passau gegenüber, so kommt man nicht umhin, sich die höchst gesellschaftskritische Frage zu stellen: Was ist da denn los?

Liegt es womöglich daran, dass es auch in der Wirtschaft, in der Berufswelt, Männer gibt, die sich wie der ein oder andere Passauer Student von der sich immer größer aufbäumenden Welle der qualifizierten Frauen einschüchtern, gar Angst machen lassen und deshalb einfach die Riegel vor den Bürotüren in den Chefetagen schieben?

Gleichberechtigung – schön und gut, doch Frauen und Macht, das passt irgendwie immer noch nicht zusammen – sei es in prozentualer Hinsicht an der Uni oder im Bezug auf beruflichen Erfolg.

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