Start-up spirit

Der Weg von der anfänglichen Idee hin zum eigenen Unternehmen

My muesli, crealytics, my ID-Keeper oder Waduba – alle haben eines gemeinsam: die erfolgreiche Unternehmensgründung. Die Stadt Passau bietet ihren Studenten im Gegensatz zu einer Großstadt wie München, wesentlich einfacher die Möglichkeit, die Idee eines eigenen Unternehmens direkt in die Tat umzusetzen, diese zu gründen. Was man dabei beachten muss, welche Tücken es gibt und wie lang der Weg von der Idee zu Umsetzung sein kann – darüber hat Ralph Bärligea, der Gründer des Online-Marktplatzes Waduba, berichtet.

Ralph Bärligea

Ralph Bärligea

„Am Anfang steht ihr und eure Idee“, ist einer von vielen einprägsamen Sätzen des Vortrags. Die Menschen und ihre Ideen sind einzigartig. Man sollte daher keine Angst haben, sich mit seiner Idee zu blamieren, sondern so früh wie möglich mit anderen Leuten darüber reden. So kann man vielleicht weitere Unterstützer finden, vor allem aber von ihnen lernen und sich inspirieren lassen. Danach kommt es darauf an, die Idee schnellstmöglich umzusetzen. Jeder hat die Möglichkeit etwas zu starten, wenn er es will. Das kann beispielsweise die Gründung einer Facebook-Gruppe als Marktplatz sein. Wer den Start für den Aufbau eines eigenen Unternehmens wagt, geht kein Risiko ein, sondern wird mit Ungewissheit konfrontiert. Risiko ist berechenbar, die Tücken einer Unternehmensgründung lassen sich nicht berechnen, sie treten einfach auf. Man sollte sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen und Probleme erst dann lösen wenn sie wirklich auftreten. Es bringt nichts im Vorfeld alle möglichen Problemlösungspläne zu haben, denn „neun von zehn Problemen lösen sich, ehe sie auftreten.“

Bei der Gründung wird man zwangsläufig mit Menschen konfrontiert. Hinter jeder Idee, jedem Kunden, jedem Investor steht eine reale Person. Wichtig ist im Umgang mit Menschen neben Offenheit und Toleranz auch die Gesprächsebenenkompetenz. Man sollte in der Sprache sprechen, die der Kommunikationspartner versteht, sonst drohen Missverständnisse und man redet aneinander vorbei. Ein Unternehmen lässt sich praktisch in drei Bereiche teilen: Finanzen, Technik, Team. Das Team bildet dabei den Kern eines Unternehmens, für Start-ups, die wichtigste Ressource. Um ein erfolgreiches Team zu haben, ist eine klare Aufgabenverteilung unabdingbar. Dabei ist es vorerst zweitrangig, ob man die Person persönlich mag. Wichtig ist, dass sie ihre Aufgabe gut erfüllt. Man sollte ohne Vorurteile auf die Menschen zugehen und muss lernen, die Leute aufgrund ihrer Kompetenzen zu mögen, da sie das fehlende Teil eines Puzzles sind und dieses komplettieren. Auch die Investoren legen zuallererst Wert auf das Team. Denn, ob die Technik funktioniert und das Unternehmen rentabel wird, hängt am Ende immer vom Team ab. Um etwas umzusetzen, muss man miteinander zusammenarbeiten, ist aufeinander angewiesen. Vor allem sollte man hinter seiner Idee stehen. Daher endet der Vortrag schlicht mit: „Glaubt an euch und eure Idee.“

Die anschließende Fragerunde zeigte weitere Stolpersteine, die bei der Unternehmensgründung auftreten können. Interessant für viele war die Antwort auf die Frage, wie die Idee zur Gründung von Waduba kam und welche Vision damit verfolgt wird. Die Basis bildete das 2012 gegründete Start-up Studentenflohmarkt.de, welches in Passau sehr gut funktionierte, in München jedoch weniger. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Uni ist in Passau Dreh- und Angelpunkt der Studenten. Man bleibt unter sich, hat gemeinsame Orte, gemeinsame Zeiten, eine soziale Gruppe – kurz: einen gemeinsamen Lebensmittelpunkt. München hat viele Hochschulen und bietet zudem weitere Lebensmittelpunkte, mit denen sich die Studenten identifizieren können. Die Vision von Waduba ist es, soziales Netzwerk und Marktplatz miteinander zu verbinden, damit sich Menschen überall ihre Marktplatz-Gruppen einrichten und so ihren Lebensmittelpunkt selber abbilden können. Das wird eventuell das nächste große Soziale Netzwerk.

Ein nicht ganz unwichtiger Aspekt einer Gründung, ist die Frage der Finanzierung. Eine gute Idee zeigt sich vor allem dadurch, dass sie finanziert werden kann. Waduba wird unter anderem von EXIST, die Existenzgründungen aus der Wissenschaft fördern, unterstützt. Die Bewerbung für das EXIST-Stipendium hat ein halbes Jahr gedauert. Sie besteht aus einem Ideenpapier, das in einem wissenschaftlichen Businessplan die Verbindung von Innovation, Kundennutzung und dem Bezug zur Hochschule zeigt. Wichtig zu wissen ist vor allem, dass man sich für dieses Stipendium über seine Hochschule bewirbt und einen Professor braucht, der das Projekt als Mentor betreut. Die ersten Ansprechpartner dafür an der Uni Passau sind Stefan Jelinek und Dr. Achim Dilling.

Waduba ist ein Online Marktplatz für Privatpersonen und Einzelhändler. Ziel ist es, das Geld über den lokalen Einzelhandel zu verdienen. Es werden einzelne Produkte der Händler eingestellt, um die Zielgruppe anzusprechen und das tatsächliche Interesse zu bedienen.

Ein weiterer gern angesprochener Punkt, ist der Umgang mit der Konkurrenz und die Angst zu scheitern. Auch darauf hatte Ralph Bärligea die passenden Antworten. Der Markt und die Mitbewerber sind das wichtigste Analyseinstrument für eine erfolgreiche Gründung. Eine genaue Analyse zeigt, was erfolgreich funktioniert und was nicht. Von seinen Mitbewerbern kann man am meisten lernen. Sollte die eigene Idee irgendwann von einem größeren Konkurrenten kopiert werden, gibt es zwei Optionen: Man findet einen Investor und kann die eigene Idee weiter verfolgen oder man wird aufgekauft und verliert das Rennen. Nach außen sind die Unternehmer tough und cool, doch innen sieht es oft ganz anders aus, wie Ralph Bärligea zugibt: „Das Gefühl alles hinzuschmeißen, begleitet einen täglich.“ Damit es gar nicht erst so weit kommt, die eigene Idee begraben zu müssen, gibt es nun 5 Tipps von ihm für eine erfolgreiche Gründung.

1. Kommuniziert eure Idee so früh wie möglich und lernt von euren Mitbewerbern.
2. Glaubt an euch und eure Idee, auch wenn sie unmöglich erscheint.
3. Bleibt am Ball. Offene Fragen verschwinden oft von allein.
4. Verkraftet Rückschläge und lernt daraus. Mehrere Versuche führen zum Ziel.
5. Seid von euch und eurer Idee überzeugt. Nur so könnt ihr auch andere überzeugen.

Text von Veronique Prause
Foto von Ralph Bärligea für den CaTer zur Verfügung gestellt

Man macht sich nicht nur Freunde

Im Rahmen der von Prof. Dr. Hahn organisierten Ringvorlesung „Journalismus und PR in Gegenwart und Zukunft“ sprach Christian Frevel von der Non-Profit Organisation (NPO) Adveniat über seine Arbeit und die Aufgaben einer Non-Profit Organisation.

Die Organisationen haben keine wirtschaftliche Macht, sie wollen gesellschaftlichen Profit erreichen und tragen so zum Gemeinwohl bei. Maximal 35 % der Einnahmen dürfen für Werbung und Verwaltungsmaßnahmen verwendet werden. Mit sechs institutionellen Prüfungen pro Jahr werden NPOs weit häufiger geprüft als andere Institutionen. Dadurch, dass es innerhalb der Organisationen kaum formalisierte Organisationsstrukturen gibt und Hierarchien weitestgehend vermieden werden, sind oft lange Wege für Entscheidungen nötig.

Wie aber können derartige Organisationen mit einem niedrigen Budget eine hohe Mobilisierung in der Bevölkerung erreichen? Das allerwichtigste ist, mit Aktionen zu überraschen und so das Thema beziehungsweise die Botschaft zu visualisieren, um auf etwas aufmerksam zu machen. Das gelang unter anderen Greenpeace als sie ein Schlauchboot vor einem riesigen Walfänger platzierten und dieses Bild um die Welt ging. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Erleben. Neben Vision und Mobilisierung über Massenmedien braucht es auch Aktivitäten, in denen die Unzufriedenheit ausgedrückt werden kann. Ein gelungenes Beispiel für Non-Profit PR ist die Ice Bucket Challenge des vergangenen Sommers.
Viele Non-Profit Organisationen leben von Spenden, allerdings geht das Spendenverhalten immer weiter zurück. Es wird fast nur noch bei großen Katastrophen wie dem Tsunami von 2004, dem Hochwasser von 2013 oder Erdbeben wie derzeit in Nepal gespendet. Trotzdem bleibt die Spendenhöhe konstant, da die Durchschnittsspende steigt und weniger Leute mehr spenden. Die großen Spendengalas wie „Ein Herz für Kinder“ oder der „RTL Spendenmarathon“ machen den NPOs das Leben schwer, da vielfach an die Medien gespendet wird, die ihrerseits nur Projekte unterstützen, aber keine eigenen ins Leben rufen, wie viele Non-Profit Organisationen das tun.

Text von Veronique Prause

Bamberg: Weltkulturerbe mit dunkler Stadtgeschichte

Die Domstadt in Oberfranken lockt jährlich zahlreiche Touristen aus aller Welt an. Sie bietet die größte unversehrt erhaltene Altstadt Deutschlands. Die Altstadt, welche ein Ensemble aus mittelalterlicher und barocker Baukunst vereint, beherbergt mit dem Bamberger Dom den Touristenmagnet schlechthin. Seit 1993 ist das Erzbistum in die Liste der UNESCO Weltkulturerbestätten aufgenommen. Doch Bamberg hat mehr zu bieten, als den das Stadtbild prägenden Dom St. Peter und St. Georg, der mit der Grabstätte von Clemens II, dem einzigen Papstgrab in Deutschland und nördlich der Alpen aufwarten kann.

Altes Rathaus über der Regnitz

Altes Rathaus über der Regnitz

Zahlreiche Fachwerkhäuser säumen die Ufer der Regnitz, die durch den Ort fließt. Dank modernem Hochwasserschutz, wie einem Hochwassersperrtor, wird die Bamberger Altstadt nicht mehr vom Hochwasser heimgesucht. Von den vielen gemütlichen Gaststätten ist die Brauereigaststätte Schlenkerla die frequentierteste. Nicht ohne Grund: Dort wird das berühmte Bamberger Rauchbier ausgeschenkt. Bekannt für die vielfältige Biertradition existieren acht Brauereien in der Stadt und viele weitere im Umland. Das Rauchbier hat einen sehr eigenwilligen Geschmack, der an geräucherten Schinken erinnert. Gab es früher noch recht viele Rauchbiersorten, ging die Zahl durch die stetige Verbesserung der industriellen Technik immer weiter zurück. Nun wird das Malz nicht mehr durch Holzfeuer getrocknet und haltbar gemacht. Die Brauerei Schlenkerla stellt ihr Rauchmalz jedoch bis heute selbst her und greift nicht auf industriell gefertigtes zurück.
Besonders in der Osterzeit kommen vermehrt Touristen in die Umgebung der Stadt in Oberfranken. Grund dafür ist der aus dem 19. Jahrhundert stammende Brauch der Osterbrunnen. In der Zeit vor Ostern werden öffentliche Dorfbrunnen mit bemalten Ostereiern, Reisig und Frühlingsblumen geschmückt. Das Interesse ist so groß, dass mittlerweile Busrundfahrten zu den Osterbrunnen in verschiedenen Städten angeboten werden.

Geschmückter Osterbrunnen

Geschmückter Osterbrunnen

 

 

Neben Osterbräuchen, Biertradition und denkmalgeschützten Bauwerken hat Bamberg noch eines: eine bewegende, dunkle Stadtgeschichte. Die Stadt war mit Würzburg, Bayreuth und Eichstätt eines der Hauptzentren der Hexenverfolgung in Süddeutschland. Fürstbischof von Dornheim nutzte die Hexenverfolgung für machtpolitische Auseinandersetzungen und schaltete so seine Gegner aus dem Domkapitel und der Bürgerschaft aus. Innerhalb von wenigen Jahren fiel der gesamte Stadtrat dem Hexenwahn zu Opfer und wurde vor der Stadt verbrannt. Der ZDF Spielfilm „Die Seelen im Feuer“, der nach der Romanvorlage von Sabine Weigand in Bamberg gedreht wurde, dokumentiert diese Zeit.

 

Alte Hofhaltung, einer der Drehplätze aus "Seelen im Feuer"

Alte Hofhaltung, einer der Drehplätze aus “Seelen im Feuer”

Neue Residenz, Schauplatz des ZDF Spielfilms "Die Seelen im Feuer"

Neue Residenz, Schauplatz des ZDF Spielfilms “Die Seelen im Feuer”

In der Nähe des alten Rathauses soll ein Mahnmal entstehen, welches an die düstere Periode erinnert.
Ob nun aus Interesse am Bier, der Architektur oder der Stadtgeschichte, Bamberg ist in jedem Fall eine Reise wert.

Text und Bilder von Veronique Prause

Die Narren sind los: Buntes Treiben im Hochrheingebiet und der Schweiz

Fasnacht ist zwar leider schon wieder vorbei, dennoch habe ich heute noch die letzten Konfettireste aus sämtlichen Hosentaschen hervorgezaubert. Das Konfetti bekommt nun einen Ehrenplatz in meinem Zimmer als Erinnerung an die schönste Zeit im Jahr und meinen Ausflug in die schwäbisch-alemannische Fasnacht in meinem Heimatort Rheinfelden.
Die Fasnacht am Hochrhein und den angrenzenden Gebieten in der Schweiz ist mit der in Bayern oder Köln und Mainz nicht vergleichbar. Das fängt schon bei der Wortwahl an: Fasching in Bayern, Karneval in Köln und Mainz. Da jede Region andere Traditionen hat, wird auch vor Beginn der Fastenzeit überall anderes gefeiert. Während in den genannten Karnevalshochburgen Prunksitzungen und große Rosenmontagszüge mit den Helau und Alaaf-Rufen bekannt sind, ist die schwäbisch-alemannische Fasnacht von Narrentreffen, Guggenmusiken und Konfetti geprägt. Jedes Jahr darf ein Ort das große Narrentreffen der Vereinigung Hochrheinischer Narrenzünfte ausrichten. In diesem Jahr fand das Treffen in Karsau, einem Ortsteil Rheinfeldens, statt.

Narrennest Degerfelden mit Igeln und Eulen

Narrennest Degerfelden mit Igeln und Eulen

Knapp 2.500 Hästräger haben an dem gut zwei Stunden dauernden Umzug teilgenommen, und mit ihren Narri-Ausrufen von den Zuschauern stets das erwartete Narro zur Antwort bekommen. Nicht ganz so oft vertreten, aber dennoch beliebt ist der Ruf „Narro am Rhy – Mir sin deby“. Bei den verschiedenen Cliquen konnte ich mich nie für ein besonders gelungenes Häs – wie die Verkleidung der Narren genannt wird – entscheiden. Ich schoss ein Foto nach dem anderen, da jede Maske ein absolutes Unikat war. Großen Spaß machte es den Narren immer wieder vorzugsweise junge Mädchen zu schnappen und in eigens angefertigten Konfettiwannen gründlich mit den bunten Papierschnipseln zu versorgen. Während die älteren Zuschauer das Konfetti abbekamen, gab es für die Kinder Süßigkeiten ohne Ende.

Dinkelberg Schraten

Dinkelberg Schraten

Rhyfelder Wildsäu

Rhyfelder Wildsäu

Selbstverständlich waren bei dem Narrentreffen auch zahlreiche Guggenmusiken vertreten – sie sind schließlich ein unverzichtbarer Bestandteil der schwäbisch-alemannischen und der Schweizer Fasnacht.

Gugge Hellikä aus der Schweiz

Gugge Hellikä aus der Schweiz

Guggemusik beim Narrentreffen in Karsau

Guggemusik beim Narrentreffen in Karsau

Die von den Cliquen gespielte Musik lässt sich am ehesten mit stark rhythmisch unterlegter und auf eigene sehr schräg beziehungsweise falsch gespielter Blasmusik beschreiben. Neben den traditionellen Instrumenten wie Trompete, Tuba, Posaune und dem Schlagwerk können auch sämtliche andere Instrumente in einer Guggenmusik vertreten sein – so hat jede der Gruppen einen individuellen Sound. Während die einen mehr Wert auf die Blechbläser legen, sind für andere Trommeln in den verschiedensten Varianten unverzichtbar. Gespielt werden oft Volkslieder oder bekannte Popsongs wie Umbrella von Rihanna, Angels und let me entertain you von Robbie Williams oder I knew you were trouble von Taylor Swift. Beim ersten Hören klingt es vielleicht ein bisschen ungewohnt, doch spätestens am Refrain sollten die Songs zu erkennen sein. Ihren Ursprung hat die Guggenmusik wie so viele Fasnachtstraditionen im Brauchtum, um die Wintergeister endgültig zu vertreiben.

Seit 14 Jahren treffen sich im südbadischen Lörrach regelmäßig zahlreiche Guggenmusiken aus Deutschland und der Schweiz bei der Migros Gugge Explosion auf dem Marktplatz. Der Unterschied zwischen den Ländern ist für mich persönlich schon beim ersten Hinsehen auffallend: Die Schweizer Kostüme stechen durch knallige Farben, modernes Design und aufwändig geschminkte Gesichter aus der Masse hervor. Ganz abgesehen davon ist es auch die musikalische Raffinesse der spezialisierten Guggenmusiken, die sie von den deutschen Pendants unterscheidet.

Den ersten Auftritt der Geschichte hatte die Guggenmusik 1874 beim Basler Morgenstraich. Seither hat sich die Musik immer weiter entwickelt. Wer nun neugierig geworden ist und sich nicht zwischen einem Ausflug in die schwäbisch-alemannische Fasnacht und dem Basler Morgenstraich entscheiden will, kann beruhigt sein – die Basler Fasnacht wird stets am Montag nach dem Aschermittwoch mit dem Morgenstraich um vier Uhr morgens eingeläutet. Zu nächsten Fasnacht geht es an den Morgenstraich oder in die Konfettiwanne, vielleicht auch beides.

Text und Bilder von Veronique Prause

Schwamm drüber

„Der Bettelstudent“ feiert Premiere im Opernhaus Passau

Schon Wochen vorher stand die allseits bekannte Frage „Was soll ich bloß anziehen?“ im Raum. Nein, es ging nicht darum, wie herausgeputzt so mancher Student zur Vorlesung erschien, sondern um den ersten Besuch im frisch sanierten Passauer Opernhaus. Der zurückgekehrte Winter machte die Kleiderfrage für die Damen nicht gerade leichter – er verkomplizierte das Ganze um ein vielfaches. Schlussendlich kreuzten wir mit unseren Abendkleidern und dicken Winterstiefeln, welche im Warmen sofort gegen theathertaugliche High Heels ausgetauscht wurden, vor dem Theater auf. Vor der Vorstellung trafen wir auf ein paar bekannte Gesichter – sind die Studenten etwa doch nicht solche Kulturbanausen wie ich immer dachte? Die restliche Zeit reichte gerade noch aus, um zu den Plätzen zu stöckeln und die Infobroschüre kurz zu überfliegen.
Dann ging es auch schon los. Die Handlung des Stücks nur grob im Kopf, lehnte ich mich zurück – ich wollte meine erste Operette einfach mal auf mich wirken lassen. Die erste Lehre zog ich relativ schnell, indem ich in der Pause die Infobroschüre genauer studierte. So konnte ich der Handlung zumindest nach der Pause besser folgen und saß nicht gänzlich verwirrt da, was denn gerade auf der Bühne passierte. Am irritierendsten war jedoch das Spiel der Identitäten innerhalb des Stücks.

Symon un Jan im Gefängnis

Symon und Jan im Gefängnis

Da gab es zu Beginn den inhaftierten Bettelstudenten Symon, der für eine Intrige von Oberst Ollendorf zum Millionär und freien Mann Fürst Wybicki wurde. Als dieser eroberte er das Herz der polnischen Komptesse Laura Nowalska, die ihn später auch als mittellosen Studenten liebte. Die Blamage für die Adelsfamilie, vor allem für Lauras Mutter die Gräfin, war recht groß. Die adlige Komptesse und der Bettelstudent – eine gegensätzliche Verbindung, die jedoch viele Unterschiede verlor, wenn man wusste, dass die Adelsfamilie längst verarmt war.

Adelsfamilie Nowalska

Adelsfamilie Nowalska

Später im Stück wurde Symon unwissentlich von seinem eigenen Kammerdiener Jan zu Herzog Adam gemacht – dem Staatsfeind Nummer eins der damaligen Zeit. Spätestens hier war die Verwirrung perfekt: ein Etikettenschwindel ohne Ende. Wer nun erwartet hatte, mit Symon den beliebtesten Akteur auf der Bühne vor sich zu haben, wurde enttäuscht. Publikumsliebling war Oberst Ollendorf, der Gouverneur von Krakau. Genau genommen nur folgerichtig, immerhin war er der Ausgangspunkt dieser äußerst verwirrenden Lügengeschichte.

Symon und Laura

Symon und Laura

Wer einen Besuch dieser Operette plant, sollte sich allerdings die Handlung vor der Vorstellung zu Gemüte führen, andernfalls könnte dieser Abend in einem Rätselraten enden und dafür ist die Operette im Passauer Opernhaus sicher nicht gedacht.

Text von Veronique Prause

Biathlonweltcup in Oberhof: Eine Stadt im Ausnahmezustand – aber wie lange noch?

Mitten im Thüringer Wald, direkt am Rennsteig gelegen, ist das kleine Städtchen Oberhof zu finden. Der staatlich anerkannte Luftkurort hat nur 1.600 Einwohner, beherbergt jedoch jedes Jahr tausende Touristen und Sportfans. Einmal im Jahr erwacht die Stadt aus ihrem Dornröschenschlaf. Sobald die Biathlonfamilie im Rahmen des Weltcups in Oberhof Station macht, ist es vorbei mit der ruhigen Idylle in der Stadt am Rennsteig. In dieser Zeit geben sich die internationalen Wettbewerbe die Klinke in die Hand: Biathlon, Rodeln, Bob fahren. Keiner der anderen Weltcups lockt jedoch nur annähernd so viele Zuschauer nach Oberhof wie die Biathleten.

DKB Ski Arena Oberhof

DKB Ski Arena Oberhof

Biathlon boomt, nicht erst seit Magdalena Neuner und Miriam Gössner die Weltspitze aufgemischt haben. Regelmäßig fesselt die Sportart die Zuschauer vor den Fernseher und lockt zahlreiche Fans ins Stadion an den Grenzadler. Die moderne DKB Ski Arena, wie sie offiziell heißt, kann bis zu 13.000 Menschen aufnehmen. Ob nun an der Strecke, vielleicht sogar am legendären Birxtsteig oder direkt in der Arena am Schießstand oder dem Zieleinlauf mitzufiebern – alles hat seinen Reiz. Die 10.000 Fans an der Strecke bekommen die Schießergebnisse auch ohne Videoleinwand mit: Die Ruhe in der Arena, sobald ein deutscher Athlet den Schießstand betreten hat, bleibt nicht unbemerkt. Man könnte die berühmte Stecknadel fallen hören, wenn 13.000 Zuschauer kollektiv schweigen. Jeder Treffer wird laut bejubelt, Fehlschüsse mit einem Raunen kommentiert. Bei den Anfeuerungsrufen, die durch den Thüringer Wald schallen, scheinen einige Athleten förmlich über die Strecke zu fliegen. Dennoch fordert diese hin und wieder ihren Tribut. Wer auch nur kurz unaufmerksam ist, setzt das gesamte Rennen aufs Spiel. So schoss die weißrussische Biathlonkönigin Darya Domracheva auch schon im Stehendanschlag obwohl sie hätte liegend schießen müssen. Im nächsten Jahr schoss sie dann auf die Scheiben ihrer Nachbarin. Auch das ist Biathlon in Oberhof – immer für eine Überraschung gut.
Vor, nach und zwischen den Rennen können sich die Fans die freie Zeit im Hüttendorf vertreiben. Stets sind Würstchenbude und Glühweinstand in trauter Zweisamkeit und immer gut besucht anzutreffen. Wem der Sinn nicht nach der berühmten Thüringer Rostbratwurst steht, der findet an anderen Buden mit Fischbrötchen oder gebackenen Leckereien sicher eine Alternative. Gegen Abend lichten sich die Reihen im Hüttendorf. Einige Fans zieht es ins Festzelt, alle anderen machen sich im Gänsemarsch auf den Weg zum Shuttlebus oder gehen gleich die gesamte Strecke zu Fuß. Vorbei an in Doppelreihen geparkten Reisebussen, der Rennrodel- und Bobbahn zieht es die Menschen in den Kurpark von Oberhof und damit ins nächste Hüttendorf.

Biathlonfans unter sich

Biathlonfans unter sich

Ein Blick in überfüllte Restaurants, volle Sportgeschäfte oder ausgebuchte Hotels zeigt, dass während der Weltcupwochen der größte Umsatz gemacht wird. Wer sein Hotelzimmer im Herzen Oberhofs nicht schon für das folgende Jahr reserviert, wird wohl in Oberhof selbst kein Zimmer mehr bekommen und auf umliegende Orte ausweichen müssen. Nach den Wochen des Ausnahmezustands kehrt langsam wieder Ruhe ein, der Besucherstrom ebbt ab und die Stadt fällt bis zum nächsten Weltcup zurück in ihren Dornröschenschlaf. Bis der nächste Weltcupwinter sie wieder zum Leben erweckt. Aber wie lange wird das noch so sein? Mit der Tour de Ski hat ein weiterer Wettbewerb Oberhof erstmals den Rücken gekehrt. Die Nordischen Kombinierer haben den Ort gar schon vor sieben Jahren verlassen. Übrig geblieben sind die Biathleten, Rennrodler und Bobfahrer. Doch die allein können Oberhof nicht retten. Daher investieren Stadt und Land nun Millionen um das Städtchen im Thüringer Wald als Touristenmagnet zu erhalten und es in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Text und Bilder von Veronique Prause