“Genau dieses Publikum brauche ich” – Interview mit dem Schauspieler Karsten Kaie

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Karsten Kaie ist derzeit mit dem weltweit bekannten Einmann-Stück „Caveman“ auf Tour, das die geschlechtsspezifischen Unterschiede von Mann und Frau pointiert und kaum treffender aufzeigen könnte. Betrachtet man beispielsweise die Wortkargheit der Männer oder die Shoppingleidenschaft der Frauen aus dem Blickwinkel der Evolution – also auch aus Sicht des „Caveman´s“ – so öffnen sich dem Publikum neue Erklärungsansätze für alltägliche Streitpunkte zwischen Mann und Frau. Und das alles verpackt mit viel Humor und Klischeehaftigkeit. Doch Kaie ist nicht nur ein ausgezeichneter „Caveman“, er ist ein schauspielerisches Allroundtalent und versucht mit seinem neuen Theaterstück „Die Statisten“  eine etwas andere Richtung als die des klischeebehafteten „Caveman“ einzuschlagen.  Der CaTer hat sich mit Karsten Kaie getroffen, um über die Schauspielerei und so manche Hürde im Leben zu sprechen.

Wie passt das zusammen – ein internationales Programm wie  Caveman zu Gast in der niederbayerischen Provinz?

Caveman in Passau spielen zu können ist einfach großartig und ein persönliches Anliegen. Ich hatte schon immer eine starke Bindung zu Passau – mittlerweile kenne ich hier jeden Stein. Das Scharfrichterhaus ist eine Institution für mich als Künstler. Als ich 18 Jahre alt war, traf ich mich mit Sigi Zimmerschmied – eine Größe des Passauer Scharfrichterhauses  – um ihn für meine Abschlussarbeit an der Schule zu interviewen. So kam ich zum ersten Mal, wenn auch nur indirekt, mit dem Scharfrichterhaus in Kontakt. Passau fasziniert mich, es hat kulturell so viel zu bieten. Hier wurde ich zum Beispiel auch zu meinem ersten Solo-Programm „Lügen, aber ehrlich“ ermutigt, ein intellektuell sehr ausgefeiltes Kabarettstück, das mittlerweile auch international gespielt wird. Doch nicht nur der Einfluss des Scharfrichterhauses macht Passau so spannend, auch die Universität bereichert die Stadt mit kritischem Geist. Genau dieses Publikum brauche ich.

Stand es für dich schon immer fest Schauspieler werden zu wollen? Wann hast du dein Talent dafür entdeckt?

Als ich 14 Jahre alt war, schleppte mich meine Mutter zu einem  Workshop im Augsburger Stadttheater – damit kam der Stein ins Rollen. Für mich stand schon immer fest, Schauspieler werden zu wollen. Ich wollte immer schon zum Theater und habe Leute imitiert. Im Stadttheater in Augsburg spielte ich als Jugendlicher kleine Rollen. Aber da war mir sehr früh klar: Ich will raus in die weite Welt. Also ging ich nach meinem Abitur nach Berlin und studierte dort Theater- und Kulturwissenschaft – wenn auch nicht ganz zu Ende, schließlich gehört es zur Biographie eines jeden Künstlers, gewisse Brüche und Ungereimtheiten im Lebenslauf zu haben (lacht). Nach Berlin folgte dann New York, besser gesagt das Lee Strasberg Theatre Institute in New York, wo ich meine Schauspielausbildung – diesmal mit Abschluss – absolvierte. Das war eine Offenbarung für mich und ließ meine Leidenschaft für die Schauspielerei noch stärker werden. Nun stand für mich fest: Ich werde jetzt nur noch versuchen Schauspieler zu werden und wenn ich daran zu Grunde gehe.

Gab es auch einen Plan B?

Nein, nie.  Es ist so wichtig, dass die Leute begreifen, dass man für seine Träume kämpfen muss. Dass es auch mal richtig ätzend zwischendrin ist. Ich bin und war schon immer ein Verfechter davon, an seiner Leidenschaft festzuhalten und nicht aufzugeben. In meinem Leben gab es durchaus herbe Rückschläge und vermeintliche Sackgassen – schlecht bezahlte Moderationsjobs, Jongliernummern, um mich über Wasser zu halten. Doch die Spreu vom Weizen trennt sich nur da, wo die Leute dran bleiben. Was mir immer Kraft gab und wie ein Mantra für mich ist, ist ein Satz, den mein damaliger Schauspielercoach immer zu mir gesagt hat: „If you have trouble, if you have problems, just do the work.“

Diese Verbissenheit hat sich ausgezahlt. Es gelang dir die Rechte für das irische Theaterstück „Die Statisten“  zu erwerben, was du selber als „Kraftakt“ bezeichnest. Was macht dieses Stück so besonders?

„Die Statisten“, in der Originalfassung „Stones in his pocket“,  hat international schon viele Theaterpreise eingebracht. Das Besondere daran ist wohl, dass wir zu zweit – mein Kollege aus der Caveman-Show Karl Bruchhäuser und ich – insgesamt 16 Rollen spielen. Die einzelnen Charaktere grenzen sich durch Gestik und Mimik voneinander ab. Die Übergänge werden also durch Körperhaltung und Stimmveränderung – vergleichbar mit dem Schnitt im Film – inszeniert. Es ist eine schauspielerische Herausforderung, die mich glücklich macht – auch, da ich jetzt auf der Bühne ein Gegenüber habe – was ja bei Caveman nicht der Fall ist.

Wieso lohnt es sich „Die Statisten“ anzuschauen? Worum geht’s?

Das Ganze spielt in einem idyllischen irischen Dorf, welches plötzlich von Hollywood als perfekte Filmkulisse entdeckt wird. Die Dörfler vom jungen Sean bis zum alten Mickey bewerben sich als Statisten. Diese Aufbruchsstimmung geht nicht spurlos an dem kleinen Dorf vorbei: Das Chaos bricht aus und manche sehen die Statistenrolle als Schlüssel zum großen Glück und Erfolg. Wie sich das alles entwickelt, verrate ich natürlich noch nicht. Es lohnt sich auf alle Fälle für all diejenigen, die das Besondere sehen wollen.
16 Rollen – 2 Schauspieler – 1 Stück: Es ist vielseitiges und spannendes Theater. Natürlich hat es auch diesen tollen britischen Humor; es ist sehr zum Lachen, aber auch tragisch und mit Tiefgang.  Dennoch ist es kein elitäres Regietheater: Es lieben einfache Leute, es lieben aber auch intellektuelle Leute. Es spricht ein breites Publikum an, ohne deswegen auf Qualität  verzichten zu müssen. Das ist das Besondere daran.