Veganismus – Von obskur zu obercool?

Witze über Veganer scheinen omnipräsent zu sein. Vor allem Witze, bei denen die Pointe darin besteht, dass Veganer extrem aufdringlich sind und geradezu zwanghaft bei jeder Gelegenheit den Ernährungs- und Lebensstil erwähnen müssen, sind eigentlich jedem bekannt. Abgesehen davon, dass dies lediglich Klischees sind (Ich muss es wissen, denn ich bin nämlich vegan, wusstest du schon?), scheint es im Kontrast dazu zu stehen, dass Veganismus als Bewegung selbst alles andere Mainstream ist.

Von Thomas Schiller.

Veganer sind eine Minderheit von Vegetariern, welche ebenfalls eine Minderheit der Gesamtbevölkerung sind. Unter 100 Deutschen findet man im Durchschnitt nur einen Veganer, wie eine landesweite Umfrage zur Anzahl der Veganer ergab (nachzulesen bei Statista). Doch in diesem Jahr sollte sich das laut dem Economist ändern – Autor John Parker nennt das Jahr 2019 „The year of the vegan“ – das Jahr des Veganers.

Wird Veganismus jetzt wirklich langsam Mainstream? Ich, als angehender Ökonom, schaue mir dazu am liebsten Märkte an. Fakt ist, dass Fleischersatzprodukte boomen. Was ganz einfach in Läden beobachtet werden kann, wird auch in Daten und Studien bestätigt: Einem Artikel des Business Wire zufolge wird der Markt aktuell auf über 12 Milliarden Dollar geschätzt und wird bis 2025 jedes Jahr um unglaubliche 15 Prozent wachsen. Das bedeutet, dass der Markt dann fast 28 Milliarden Dollar groß sein wird. Fleischverzicht unter Nicht-Veganern scheint der größte Grund für diese Zahlen zu sein, doch der Business Wire-Artikel erwähnt auch, dass sich die Anzahl der Veganer in den letzten drei Jahren in den USA versiebenfacht hat. Ich glaube wir alle wissen, dass Europäer Trends aus den USA des Öfteren rapide nachahmen.

Es scheint also wirklich zu stimmen, dass Veganismus und Kritik an Fleischkonsum immer bedeutender wird. Ein weiterer verblüffender Fakt ist, dass sogar knapp 10 Millionen Deutsche bald ganz auf Tierprodukte verzichten wollen, wie das Marktforschungsinstitut Skopos kürzlich bekannt gab. Das heißt nicht nur, dass es Potential nach oben gibt, sondern auch, dass du das sein kannst, was über 10 Millionen Menschen in diesem Land sein möchten, wenn du auf Tierprodukte verzichtest. Veganismus wird also nicht nur
Mainstream, es wird sogar cool! Leider bedeutet der gute Wille nicht immer, dass dieser auch tatsächlich umgesetzt wird. Bequemlichkeit oder Bedenken, als Veganer möglicherweise Gesundheit oder Genuss einzuschränken, halten häufig davon ab.

Doch das muss nicht sein! Der Mythos, dass Veganismus nicht als gesunde Ernährungsweise geeignet ist, lässt sich schnell widerlegen. Das Australian National Health and Medical Research Council, die American Academy of Nutrition and Dietetic und viele andere weltweit führende wissenschaftliche Organisationen sind der Meinung, dass in jeder Lebensphase eine gut geplante vegane Ernährung gesund sei. Genuss und Bequemlichkeit sind im Vergleich dazu natürlich weniger auf Fakten basierend, weswegen ich zu Anekdoten greifen muss. Vegane Gerichte begrenzen sich nicht nur auf Fleischersatzprodukte: Extrem würziger
Tofu, wie ich ihn in China gegessen habe, lässt sich furchtbar schnell zuhause machen und hat einen einzigartigen Geschmack. Englische baked beans auf Toast sind ebenfalls schnell gemacht und kommen immer gut an am Frühstückstisch. Es gibt noch tausend andere Beispiele. Ich bin überzeugt, dass ich kulinarisch nichts verpasse! Was hindert dich also noch daran, dem Veganismus eine Chance zu geben?

Beitragsbild: Unsplash.