Und dann steht endlich der eigene Name auf dem Cover

Wie ich es als 17-Jährige geschafft habe, mein eigenes Backbuch zu veröffentlichen und wieso man dafür mehr können muss als Backen und Schreiben. 

Von Eva Höfl.

Einfach mal meine Rezepte ordentlich abtippen, jeweils ein Foto schießen und am Ende alles zu einem Buch binden lassen. Ich sollte mich noch täuschen, wie viel Arbeit tatsächlich hinter einem eigenen Backbuch steckt. Doch nach fast zwei Jahren habe ich Mitte November die erste Ausgabe meines eigenen Buches drucken lassen und die ersten Exemplare verkauft. Immer öfter werde ich gefragt wie ich als 17-Jährige darauf komme, ein Backbuch zu veröffentlichen. Mit Verlag, ohne Verlag? Wie funktioniert das eigentlich, das eigene Werk zu erstellen und woher nimmt man die Ideen? Ich will im Folgenden versuchen, einige dieser Fragen zu klären und jedem zeigen, dass man mit ein bisschen Mut und Ausdauer seine eigenen Projekte und Ideen verwirklichen kann. 

Wie kam ich auf die Idee, ein eigenes Backbuch zu schreiben?

Anfangs wollte ich eigentlich nur meine handgeschriebenen und zusammengesammelten Rezepte digitalisieren und ordentlich abheften. Die meisten dieser Rezepte waren abgeänderte Versionen von bereits bestehenden Rezepten oder Eigenkreationen. Für kurze Zeit hatte ich mal einen Back-Blog, welcher zwar wegen geringer Reichweite kläglich schnell zum Scheitern verdammt war, dennoch entdeckte ich dabei meine Liebe zur Food-Fotografie. Also entstand die Idee, die Rezepte nicht nur zu schreiben, sondern auch zu fotografieren. Während ich bereits begonnen hatte zu schreiben, fragten immer mehr Freunde und Bekannte nach meinen Rezepten, wenn ich mal wieder Selbstgebackenes verteilt habe. So kam eines zum anderen und ich habe beschlossen, das Projekt etwas größer aufzuziehen und es nach der Fertigstellung zu verkaufen. 

Woher kam die Inspiration für den Inhalt des Buches?

Mir war es wichtig, meinen eigenen, individuellen Stil zu zeigen. Ich schaue mir gerne internationale Rezepte und die neuesten Food-Trends, insbesondere aus Amerika, an. Es gibt kaum Bücher, welche aktuelle Trends und moderne Techniken beinhalten, wie wir sie täglich auf Instagram, YouTube, Tastemade und Co. bewundern. Also wollte ich meine Themen und Rezepte so wählen, dass sowohl eingefleischte Traditionsbäcker, als auch die Generation Instagram etwas mit dem Buch anfangen kann. 

American Chocolate Chip Cookies wurden hierzulande immer beliebter und wer mag bitte nicht die Cookies einer bestimmten amerikanischen Sandwich-Kette? Kekse sind lecker, kinderleicht zu machen und sollten bei uns nicht nur zu Weihnachten gebacken werden, weshalb sich mein erstes Kapitel nur um amerikanische Cookies und Kekse dreht. Ein weiteres Kapitel schrieb ich über Cupcakes, ein anderes über Schichttorten bzw. Layercakes. Die Inspirationen für die Rezepte kommen von unterschiedlichen Dingen. Klassiker, wie Bienenstich und Schwarzwälder-Kirschtorte, habe ich modern interpretiert. Manche Rezepte drehen sich rund um beliebte Süßigkeiten. Bei eigenen Kreationen versuche ich immer möglichst eine gelungene Balance zwischen fruchtig und schokoladig, süß und sauer, luftig und schwer zu finden. Es macht mir Spaß, kreativ zu sein. So entstanden die meisten Rezepte. Beim Design und Dekor ließ ich mich oft von neuen Trends und modernen Techniken beeinflussen, wobei ich jedoch darauf achtete, dass es nicht zu kompliziert und aufwändig wird. 

Das letzte Kapitel lag mir besonders am Herzen. Es dreht sich rund um das Thema Schokolade. Schokolade fasziniert mich. Sie ist so vielseitig, in ihren Sorten, Geschmäckern und Formen. Ich hatte einen Aushilfsjob in einer Passauer Pralinenmanufaktur, wo ich von den Konditoren sehr viel lernen konnte. Im Buch fasse ich mein Wissen zu einem „Intensivkurs“ zusammen, gefolgt von verschiedenen Rezepten, bei denen die Schokolade im Mittelpunkt steht. 

Wie habe ich das Buch veröffentlicht?

Vom ersten Hirngespinst bis hin zum fertigen Buch in meinen Händen dauerte es zwei ganze Jahre. Zuerst habe ich alles digital abgetippt und fotografiert, bis ich strukturiert begann, eine konkrete Wahl für den Inhalt des Buches zu treffen. An diesem Punkt sollte man sich dann für ein Programm zur Dateierstellung, für das spätere Layout und das Format entscheiden. DinA4? DinA5? Hardcover oder doch Softcover? Die Entscheidungen für solch “banale” Dinge zogen sich ziemlich in die Länge und bis ich mit der Computersoftware eingespielt war, dauerte es noch länger. Den Zeitaufwand für das Fotografieren, das Schreiben und das Layout habe ich sehr unterschätzt. Obendrein bin ich eine ziemliche Perfektionistin, weshalb ich in der finalen Phase noch einiges überarbeitet habe. Den ersten Probedruck korrigierten meine Eltern und meine Oma auf Tippfehler… es hatten sich sehr viele Fehler eingeschlichen! Ich ließ das Buch bei einer Online-Druckerei anfertigen und entschied mich gegen eine ISBN-Nummer, welche mit weiteren Kosten verbunden gewesen wäre. Obendrein hätte ich das Werk in das Verzeichnis lieferbarer Bücher eintragen lassen können, wodurch es für jedermann, insbesondere Buchhandlungen, bestellbar geworden wäre. Doch vorerst will ich das Buch nur im direkten Umfeld und auf kleinen Märkten vertreiben, um Kostenrisiko und Aufwand möglichst gering zu halten. Eventuell werde ich bei ein paar Cafés und Buchläden anfragen, ob es möglich ist, das Buch auszulegen. Aber das steht noch in den Sternen. Am Ende geht es mir nicht um den kommerziellen Erfolg, sondern um den Fakt, dass ich nach zwei Jahren Arbeit tatsächlich mein eigenes Buch in den Händen halten kann… 

Ob man jetzt ein Backbuch schreiben, seinen eigenen Roman veröffentlichen, einen YouTube-Kanal starten oder selbstgemalte Bilder verkaufen möchte… egal wie banal oder klein ein Projekt scheinen mag, so kann man dennoch viel davon lernen. Ich musste mir viel über Technik, Bildbearbeitung, Fotografie, Druckerei-Fachbegriffe, Vermarktungsstrategien, Recht, Kostenrechnung und noch vieles, wirklich vieles mehr, beibringen. Ich bin leider ein Mensch, der des Öfteren Dinge voller Elan anpackt, sie dann jedoch nicht zu Ende bringt. Die Tatsache, dass das Buch inzwischen bei einigen Leuten zuhause im Bücherregal steht, macht mich wirklich glücklich, da ich zwischendurch selbst nicht mehr daran geglaubt habe. Mein Buch verändert definitiv nicht die Welt, das war auch nie der Gedanke dahinter. Es ist ein Produkt, zu hundert Prozent von mir gemacht und der Beweis für mich, dass man auch an den kleinen Dingen im Leben wachsen kann.  

Bilder: privat.