„Jeder hat ein Talent, diese Welt ein bisschen schöner zu machen“ – Ein Interview mit dem Singer-Songwriter-Duo Berge

Berlin ist voller Musik: Straßenmusiker unterschiedlicher Genres, Studierenden-Bands mit selbstgebauten Instrumenten, sanfte Gitarrenklänge von Hobbymusikern auf dem Alexanderplatz oder Profi-Künstler in den riesigen Konzerthallen bezaubern die Hauptstadt mit ihren Werken. Die Berliner Band Berge kommt direkt von der Spree. Berge sind Marianne Neumann und Rocco Horn. Seit 16 Jahren schreiben sie gemeinsam Songs und wollen mit der klaren Botschaft in ihren einzigartigen Werken das Leben verändern. In ihnen haben sich zwei Menschen gefunden, die einen ähnlichen Blick auf die Welt haben: Sie sprechen in ihren Texten an, was die Welt bewegt, was sie zerstört und was dringend erhalten werden muss. In ihrer Musik findet sich hierbei eine Positivität, Motivation und Hoffnung, die in der heutigen Zeit nicht hoch genug einzuschätzen ist.

Nach ihrem Debütalbum „Keine Spur“ (2009), folgte 2015 „Vor uns die Sinnflut“. Vor allem die Single „10.000 Tränen“ (2015), ein berührendes Stück über Tierschutz und die moralische Zweifelhaftigkeit moderner Massentierhaltung, fand breiten Anklang und steht aktuell bei Youtube bei über fünf Millionen Plays. Das neue Album „Für die Liebe“ erschien am 30. August 2019 und stieg auf Platz 45 in die deutschen Albumcharts ein. Für das Musikvideo zur Single „Mein Lied“ aus dem Album riefen Berge dazu auf, dass sich Menschen bei ihnen melden, die etwas bewegen. Das Video zeigt das Gute, das in der Welt passiert und erreichte innerhalb weniger Tage über eine halbe Million Menschen.

Herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album „Für die Liebe“! Worum geht es in dem Album und woher kommt der Name?

Der Titel entspringt unserem Wunsch, alles mit Herz und letzten Endes für die Liebe zu tun. Allgemein geht es in unserem Album um das Thema Menschlichkeit und wie wir wieder heilsamer miteinander umgehen können. 

Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet? Wer schreibt die Texte und was inspiriert euch dabei?

Wir haben circa drei Jahre an diesem Album gearbeitet und bei uns ist Songwriting Teamwork, das heißt die Texte schreiben wir zusammen. Uns inspiriert alles, was man sich so vorstellen kann. Wir sind beide sehr philosophische Menschen, die gerne rumdiskutieren und daraus entstehen oft neue Song-Ideen. 

Wie beschreibt ihr jemandem, der noch keinen eurer Songs gehört hat, eure Musik?

Jemandem, der uns noch nie gehört hat, würden wir einfach mal ein Ständchen spielen. 😉 

Im Video zu „Mein Lied” aus „Für die Liebe“ stellt ihr Menschen vor, die sich privat für Umwelt, Mitmenschen und Tiere engagieren. Warum liegt euch dieses Engagement am Herzen?

Weil wir glauben, dass jeder ein ganz spezielles Talent hat, das er dafür nutzen kann, diese Welt ein bisschen schöner zu machen. Außerdem macht es doch total Spaß, sich miteinander zu connecten und wenn dabei noch etwas Gutes für alle bei rum kommt, ist das doch doppelt befriedigend. 

„Mein Lied“ ruft zum Handeln auf und motiviert:
„Ich sage „Nein“ zu all dem Wahnsinn und wag’ mich hier raus
Ich erhebe meine Stimme und frage euch laut:
Wo sind die Leute da draußen
Die an was Besseres glauben?
Wo sind die Heiler und die Helden und die Regenwaldretter?
Wo sind die Träumer und die Wilden und die Free-Hugs Verschenker?
Ihr seid mir einfach zu leise
In diesen stürmischen Zeiten“

Was ist in der heutigen, „stürmischen Zeit“ besonders wichtig?

Ich glaube wichtig ist, dass wir bei all dem Chaos immer mal wieder in uns hineinhören, innehalten und Klarheit darüber gewinnen wie wir unsere Zeit verbringen wollen. Meistens entstehen daraus die besten Aktionen. 

„Ich wollte meine Lieder auf der Straße singen, ich wollte über alle Mauern springen, ich wollte protestieren für Gerechtigkeit – doch die Angst war schneller und dann ließ ich’s sein. Ich wollte spontan nach Italien fliegen, eigentlich wollte ich Kinder kriegen, ich wollte ne Kommune gründen auf dem Land – doch ich denke jedes Mal: Wo fang ich an?“, heißt es in „Trau dich“ aus „Für die Liebe“. Viele Menschen kennen diese Gedanken und stehen tagtäglich vor diesen Fragen. Wen wollt ihr mit euren Werken in erster Linie inspirieren und was steckt hinter #dukannstdasauch?

Ich glaube jeder kennt das, jeder hat doch etwas, das ihm nicht so angenehm ist oder wo er sich besonders überwinden muss. Das Schöne ist, dass es wirklich bei jedem etwas Anderes ist. Ich denke, das Thema „Komfortzone verlassen“ betrifft einfach jeden. 

Inwiefern können Künstler eine Gesellschaft verändern?

Als Künstler hat man den Vorteil, dass man gesehen und gehört wird. Daher finde ich es toll, wenn man diese Verantwortung, oder nennen wir es Möglichkeit, wahrnimmt und seine Vorbildfunktion schätzen lernt. Daher wollen wir mit unserem Schaffen andere dazu inspirieren, wieder mehr auf einander zuzugehen, wirklich das zu tun, womit man sich wohl fühlt und etwas zu kreieren, was gleichzeitig auch gut für den Planeten ist. 

Wenn ihr die Möglichkeit hättet, drei Dinge in der Welt noch heute zu verändern, für was würdet ihr euch entscheiden und warum?

Diese Frage ist natürlich mega komplex, deswegen drei stark vereinfachte Antworten: Bäume pflanzen. Meditation als Pflichtfach einführen. Lieben lernen. 

Ihr spielt regelmäßig bei Fridays for Future. Was fasziniert euch daran und wie war die Begegnung mit Greta Thunberg?

Es ist großartig wie diese jungen Menschen sich organisieren und tatsächlich jeden Freitag für ihre Sache einstehen. Da sind wir super gerne dabei. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in unserem Alter schon so engagiert waren. Der Moment mit Greta war voll nett, sie ist wirklich sehr bodenständig und fokussiert auf ihr Ziel. 

Was würde euer 10-jähriges Ich zu eurem Engagement und Erfolg sagen?

Wow. 

Die Zuschauer merken, dass ihr für eure Arbeit brennt. Was liebt ihr an eurer Arbeit?

Unsere Arbeit setzt voraus, dass wir uns als Personen stetig weiter entwickeln, das macht es so spannend. Außerdem ist jeder Tag anders und man lernt so viele Menschen und Länder kennen, das ist ein echtes Privileg, abgesehen von den magischen Momenten auf der Bühne. 

Eure Texte sind sehr ergreifend. Bei euren Konzerten herrscht eine ganz besondere Stimmung und ein Wir-Gefühl wird deutlich. Wie wichtig ist euch die Verbindung zum Publikum und wie bezieht ihr es ein?

Die Verbindung zum Publikum ist uns sehr wichtig, denn schließlich ist das ja auch eines unserer größten Interessen, Verbindung zu erschaffen. Außerdem wäre es irgendwie langweilig, bei einem Konzert nicht mit dem Publikum im Kontakt zu sein. Ich finde es schön, dass wir quasi so etwas wie eine Familie sind, das Publikum und wir. 

Wie behaltet ihr eure positive Grundhaltung bei und wie wichtig ist für euch die Work-Life-Balance?

Ganz viel reden, Pausen machen, Yoga. 

Habt ihr ein Lebensmotto und/oder Vorbilder? Welche anderen Künstler/Menschen begeistern euch?

In diesem Jahr waren wir mit Jason Mraz auf Europa-Tournee und er ist ein Künstler, der uns schon viele Jahre inspiriert. Wir kennen ihn mittlerweile auch persönlich recht gut und ich muss sagen, dass er auf sehr vielen Ebenen ein Vorbild für mich ist. Er hat eine natürliche Autorität und gleichzeitig Sanftheit, die mich wirklich beeindruckt, abgesehen davon, dass er ein fantastischer Songwriter und Sänger ist. 

Ihr lebt vegan, macht Yoga und ernährt euch sehr nachhaltig. Warum lebt ihr, wie ihr lebt und wie seid ihr zu diesem umweltbewussten Lebensstil gekommen?

Ich schätze es liegt einfach in unserer Natur. Wir haben uns nie bewusst entschieden „so jetzt führen wir ein bewusstes Leben“, sondern irgendwie war uns das als Person schon immer wichtig und wir haben uns von Anfang an über solche Dinge ausgetauscht. Auch das ist vielleicht unserer diskussionsfreudigen Natur geschuldet. 

Was können Studierende machen, um umweltbewusster und klimaschonender zu leben?

Sich austauschen, sich gegenseitig Tipps geben wie es besser geht. Auf jeden Fall sollte man sich nicht gegenseitig fertig machen, weil man es vielleicht noch nicht perfekt macht. Jeder sollte da ansetzen, wo er kann. Und wenn es am Ende nur heißt mehr secondhand zu kaufen oder einfach den Coffee to go wegzulassen. Der Anfang ist entscheidend. 

Ihr habt eine lange und aufregende Tour hinter euch. An welches Konzert aus der Tour 2019 erinnert ihr euch besonders gerne zurück und warum?

Ein besonders schönes Konzert hatten wir in Wien. Die Stimmung war wirklich überragend und ist komplett auf unsere Bühne rübergeschwappt. 

Sind die Konzerte für die kommende Saison schon geplant? Kommt ihr auch nach Bayern?

Ja wir planen schon wieder Großes. Logisch, in Bayern schauen wir natürlich vorbei. 

Welche fünf Dinge dürfen in eurem Tourkoffer auf keinen Fall fehlen?

Gutes Wasser, Ohropax, Yogamatte, Magnesium, Kuschelkissen.

Was wollt ihr unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Lasst euch nicht aufhetzen oder demotivieren. Die Möglichkeiten im Universum sind unendlich. 

Wir bedanken uns für eure Zeit und das Interview! Weiterhin viel Erfolg auf eurem Weg und alles Gute für die Zukunft.

Du bist begeistert und willst auch diesem Gefühl begegnen? – Dann höre Berge und lass dein Herz zuhören.

Beitragsbild: Asmara Cimignolo.