Einer für einen, alle gegen alle – Einkaufen in Corona-Zeiten

Vor einigen Monaten glich der Gang durch den Supermarkt einer Filmkulisse, die an eine  leblose Landschaft aus einer Western-Szene erinnert. Während das Horten bestimmter  Produkte unserer Nachbarländer sogar einige Klischees bestätigte, bleibt das deutsche Hamsterkauf-Verhalten für viele ein Rätsel. So deckte man sich in Frankreich für romantische  Quarantäne-Abende mit Rotwein und Kondomen ein. In Holland dagegen stand man in  meterlangen Schlangen vor Coffeshops an, um sich mit ausreichend Cannabis die  Ausgangssperre versüßen zukönnen. Doch in Deutschland sorgte man sich vor allem um das  Klopapier – und so plünderten panische Hamsterkäufer die Hygiene-Abteilung. 

Vielleicht aus Angst, Corona könne, wie Typhus oder Cholera, eine Durchfallepidemie  verursachen oder aber einfach um die Kontrolle zumindest über den Toilettengang bewahren  zu können. Ein volles Regal mit Toilettenpapier vermittelt schließlich Sicherheit in Zeiten der  Existenzängste. Es ist günstig, unverderblich, stapel- und lagerbar und lässt einen nie im Stich – Klopapier wurde zum Symbol der Sicherheit. Da kann es auch schon mal zu einem Kampf um  die letzten Rollen mit anschließendem Polizeieinsatz kommen, so wie es uns Mannheim  vorführte. Doch während die einen in Hülle und Fülle lebten und den heißbegehrten Hygieneartikel in verschiedensten Mustern und Ausführungen wie Panini-Karten sammelten, blieben für die vernunftbegabten Wesen unter uns nur staubige Regale zurück.  

Zwar ist das Toilettenpapier mittlerweile in die Supermarkt-Regale zurückgekehrt, doch die ebenfalls sehr beliebte Trockenhefe ist immer noch so gefragt wie ein Impfstoff gegen Covid-19. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Brotvielfalt in Deutschland mit über 3.000  Brotsorten den Rest der Welt in den Schatten stellt. Die Devise: Brotbacken gegen den Kontrollverlust. Für reichlich Abwechslung beim Abendbrot während der Apokalypse ist jedenfalls gesorgt.

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