In der Welt daheim – Ein Interview mit den Reisebloggern von Fiveminutesvacation

Elsa Maurer (27) und Atila Lakatos (31) sind echte Weltenbummler: Mehr als 40 Länder auf vier Kontinenten haben sie in den vergangenen zehn Jahren gemeinsam bereist.
Seit Februar 2020 lässt das Paar aus Peuerbach, Oberösterreich, ihre Leser mit ihrem Reiseblog Fiveminutesvacation authentisch an ihren Reisen teilhaben. Wir haben die beiden für euch interviewt, um Tipps gebeten und nach ihren Erfahrungen mit der Coronakrise gefragt.

Reiseblogs gibt es wie Sand am Meer. Doch Reiseblog ist nicht gleich Reiseblog. Warum habt ihr euch für das Medium entschieden, was hebt euch von anderen ab und wie seid ihr auf den Namen „Fiveminutesvacation“ gekommen?

A: Wir haben schon öfters mit dem Gedanken gespielt, einen Reiseblog zu starten. In erster Linie eigentlich deshalb, weil wir ständig gefragt werden, wo wir schon wieder unterwegs waren und wie man auf die Idee kommt, in dieses Land zu fahren. Mit dem Blog kann ich auch endlich meine Fotos der breiten Masse zeigen. Die Namensfindung war ein Abenteuer für sich. Nachdem wir uns entschieden haben, tatsächlich einen Blog zu starten ging es erst mal an das Design und den Namen. Eigentlich haben wir recht lange überlegt was passen würde, und auch viele Vorschläge notiert und mit Silben gespielt. Schlussendlich ist es dann fiveminutesvacation geworden. Vor allem, da wir zeigen wollen, dass man einen tollen Einblick in eine Reise innerhalb von ein paar Minuten erhalten kann. Also unsere Berichte sind gewollt eher kurz. Also um die fünf Leseminuten. 

E: Ich glaube uns unterscheidet vor allem die Tatsache, dass wir keine Vollzeit-Reisenden sind, die vom Reisebloggen leben und das Glück haben, spontan dorthin reisen zu können, wo sie gerade hin wollen. Ach wär das schön! Mit unserem Blog wollen wir beweisen, dass man auch mit einem Vollzeit-Job die Welt bereisen kann – mehrmals im Jahr! Denn auch wir haben nur fünf Wochen Urlaub im Jahr, auch wenn uns das viele nicht glauben. 😉

Welcher eurer bisherigen Artikel liegt euch besonders am Herzen und warum?

A: Natürlich steckt in jedem unserer Beiträge eine tolle Geschichte und schöne Erinnerungen. Aber aus dem Stehgreif sag ich mal der über Sicherheit im Iran, da dieser stark polarisiert, vor allem in den Sozialen Medien.

E: Vor allem Beiträge über eher vermeintlich ungewöhnliche Reiseziele liegen mir am Herzen. Mir ist es wichtig, dass unsere Leser über Länder erfahren, die sie sonst nicht so schnell auf dem Schirm gehabt hätten. Doch vor allem unsere Beiträge über den Iran liegen mir am Herzen, da uns dieses Land so fasziniert hat!

Welche Reisetypen seid ihr und wie reist ihr am liebsten?

A: Wir haben eigentlich quer durch die Bank die unterschiedlichsten Reisearten probiert. Also klassischer All-inklusive-Urlaub auf Ibiza, Interrail in Südwesteuropa, Städtetrips oder Backpacken in Asien. Am meisten Spaß macht mir vor allem ein Backpacking-Trip in ein eher außergewöhnliches Land. Vor allem, da man sich intensiver mit dem Ziel beschäftigt, da viel Planung dahintersteckt, aber auch weil wir meistens länger unterwegs sind und so viel tiefer in die für uns fremde Welt eintauchen können.

E: Am liebsten machen wir auf unseren Reisen Erfahrungen jenseits der ausgetreten Pfade, abseits vom Massentourismus. Doch wir bezeichnen uns weder als reine Low-Budget-Reisende oder Pauschalreisende, noch Badeurlauber et cetera. Die Mischung macht es aus, denke ich. Wir sind auch immer wieder offen für All-inclusive-Urlaube auf Ibiza oder ein Wochenendtrip nach München. Hauptsache raus in die Welt!

Wenn ihr eine Reise plant, wie geht ihr da vor? Wie viel Zeit steckt ihr in die Vorbereitungen, wie wählt ihr euer nächstes Ziel aus und wie teilt ihr die anfallenden Aufgaben auf?

A: An erster Stelle steht immer die Wahl des Ziels. Bevorzugt eines, in dem wir noch nicht waren. Oft aber kombinieren wir verschiedenes miteinander. Also zum Beispiel als mein Bruder auf Weltreise war, nutzen wir die Gelegenheit für einen Besuch in Mittelamerika. Oder als wir zum x-ten Mal in Ghana waren, kam uns die Idee, den Heimflug aus dem Nachbarland Togo zu buchen und dort noch ein paar Tage zu verbringen. Auch im Zuge meiner vielen SPARTAN-Läufe (sind immerhin um die 15-20 im Jahr) war ich schon in vielen tollen Ländern. Die Aufgabenverteilung ist eher spontan. Je nachdem wer grade Lust hat nach Sights oder Unterkünften zu suchen. Buchen tun wir aber immer gemeinsam.

E: Meistens haben wir kein konkretes Land im Kopf, wenn wir an den nächsten Urlaub denken. Wir lassen uns da auch oft überraschen: je nachdem, welche Flüge gerade günstig sind. Wir bereiten unsere Reisen eigentlich sehr gut vor, informieren uns im Vorhinein viel und gut über das Land, in das wir fliegen. 

Ihr habt ja sehr viel Erfahrung mit dem richtigen Packen. Welche fünf Dinge habt ihr auf euren Reisen immer dabei? Habt ihr Tipps für das platzsparende Packen?

A: Oh Gott, das wird schwierig (lacht). Meine Kamera ist immer mit dabei. Essen eigentlich auch. Ein paar Eiweißriegel sind immer im Gepäck. Ein, zwei Widerstandsbänder um überall Sport machen zu können. Meine Sockenschuhe und eine Trinkflasche.

E: Abgesehen von Dingen wie Pass oder Handy, die man ohnehin mit hat, hab ich eigentlich immer einen Schal dabei. Der ist ziemlich individuell verwendbar: ob als Kopfbedeckung, Unterlage zum Drauflegen oder wirklich gegen die Kälte. Außerdem schwöre ich auf „Gaffa“-Tape: Das ist wirklich immer mit dabei und hat uns schon ganz oft gerettet. Ansonsten brauch ich immer meine Musik und Kopfhörer für unterwegs, und ebenfalls ganz wichtig: meine Trinkflasche. Über Tipps zum Packen gibt’s einen eigenen Blogbeitrag von uns, wen’s interessiert…

Was waren eure persönlichen Reise-Highlights? Habt ihr einen Happy Place?

A: Hm, auch nicht leicht. Aber die Mittelamerika-Reise ist schon ganz weit vorne. Mein Happy Place ist eigentlich on the road. Egal wo, Hauptsache unterwegs sein.

E: Mein Happy Place ist Ghana – ganz klar. Allerdings gibt es so viele andere Länder und Orte, die mich völlig in den Bann gezogen haben: Little Corn Island in Nicaragua zum Beispiel, Esfahan im Iran, oder auch Bagan in Myanmar!

Welche fünf Orte stehen ganz oben auf eurer Bucket List? Gibt es auch Ziele, die euch gar nicht reizen?

A: Kamtschatka (Russland), Darien-Gap (Panama), Chachapoyas (Peru), Ushuaia (Argentinien), Papau-Neuguinea.

E: Auch ich möchte unbedingt mal nach Papua-Neuguinea. In wirklich naher Zukunft (nach Corona) steht der Libanon ganz weit oben, oder auch Armenien. Einen Städtetrip nach Kiev planen wir auch schon lange. Ach, eigentlich will ich ja überall hin. Abgeneigt sind wir, zumindest aktuell, von Amerika. Solange Trump dort an der Macht ist, müssen wir nicht unbedingt hin…

Gab es auch schon ein Reiseziel, das eure Erwartungen nicht erfüllt hat?

A: An Albanien haben wir eher schlechte Erinnerungen. Irgendwie haben wir uns dort, wo wir waren, total unwohl gefühlt. Zusätzlich hatten wir beide Magenprobleme und ich habe mir Verbrennungen an beiden Handinnenflächen zugezogen. Das war wirklich kein Spaß.

E: Ja, Albanien hat unsere Erwartungen nicht erfüllt. Nichtsdestotrotz möchten wir noch mal zurück, um uns noch andere Ecken des Landes anzusehen. Denn wir sind uns sicher, auch Albanien hat viel Tolles zu bieten.

Gibt es etwas, was euch auf vielen Reisen negativ auffällt oder sogar richtig nervt?

A: Nerven tun mich respektlose Mitreisende auf langen Flügen oder Busfahrten.

E: Mich nerven oft Touristen, die sich nicht benehmen. Wenn ich in einem anderen Land zu Gast bin, dann gibt es gewisse Regeln und Dinge, auf die ich achten muss. Leute, die glauben, sie können sich im Ausland alles erlauben, nerven mich total!

Anfang dieses Jahres wolltet ihr Usbekistan erkunden. Aufgrund der Coronakrise kam jedoch alles anders und aus den geplanten 16 Tagen Aufenthalt wurden acht Tage. Warum musstet ihr eure Reise spontan abbrechen und wie habt ihr den Umgang mit dem Coronavirus in Usbekistan im Vergleich zu Österreich erlebt?

A: Am Tag unserer Abreise aus Salzburg in Richtung Tashkent war das Virus noch nicht so präsent bei uns. Die ersten Fälle in Italien waren bereits bekannt, aber keiner sprach ernsthaft über Reisestopps oder Warnungen. In Usbekistan war alles normal. Hier und da fragte uns ein Taxifahrer oder Touristenführer wie die Lage in Österreich sei, und in den Metrostationen in der Hauptstadt sahen wir Plakate mit den Hygiene-Geboten. Ansonsten war alles unauffällig. Es kamen Tag für Tag die Statusberichte unserer Familien via Whatsapp, wie in Österreich alles nach und nach abgeriegelt wurde. Doch für uns war es so surreal, da wir vor Ort davon nichts spürten. Wir scherzten noch, falls die Flüge gestrichen werden, bleiben wir einfach ein paar Wochen länger und sehen uns die Nachbarländer auch an. Als wir dann durch Zufall sahen, dass unser Flug seitens der Airline storniert wurde (wir hatten keine Benachrichtigung erhalten!), hatte sich die Lage plötzlich sehr verändert.

E: Wir fragten einige Bekannte aus der Reisebranche, und welche die sich in dieser Region recht gut auskennen nach deren Meinung. Auch bei der Hotline des Außenministeriums erkundigten wir uns. Schnell war klar: Wir müssen heim. Als nach und nach Fluglinien die Mitnahme von österreichischen Staatsbürgern verweigerten, war es gar nicht mehr so einfach, einen Heimflug zu bekommen. Wir gingen all unsere Optionen und Folgen durch. Eigentlich wollten wir am Folgetag einen mehrstündigen Zug in Richtung Landesinnere nach Buxara nehmen. Weg von den internationalen Flughäfen. Wir beschlossen lieber, es irgendwie nach Hause zu schaffen, als im schlimmsten Fall für Wochen in Usbekistan in Quarantäne zu sitzen. So buchten wir den nächsten Flug über Moskau nach Wien und flogen, nachdem wir uns zur Heimreise entschlossen haben, nur sechs Stunden später nach Hause. Rückblickend war es eine der letzten realen Chancen, das Land zu verlassen. Am Tag darauf hatte Moskau den Flugverkehr eingestellt und Usbekistan die Grenzen geschlossen.

Was hat euch an Usbekistan fasziniert und was wollt ihr dort unbedingt nachholen?

A: Auf alle Fälle wollen wir die Orte Buxara und Xiva nachholen, da wir dies erst in der zweiten Reisewoche geplant hatten. Aber auch bestimmt nochmal nach Samarkand. Die vielen Moscheen und Medresen sind faszinierend schön!

E: Die Gastfreundschaft der Menschen ist wirklich toll. So unglaublich freundliche Leute hatten wir zuletzt im Iran getroffen. Mehrmals täglich wurden wir nach Selfies gefragt und mit Sprüchen wie „Welcome to Uzbekistan“ oder „please come again“ begrüßt.

Wie habt ihr die Zeit der Ausgangsbeschränkungen in Österreich erlebt? Wie habt ihr als Weltenbummler die Zeit daheim verbracht?

A: Nach der Heimkunft ging alles ziemlich schnell. Die Ausgangsbeschränkungen waren schon in Kraft. Aber wir mussten noch unser Auto vom Flughafen Salzburg abholen. Wir hatten direkt Angst, von der Polizei aufgehalten zu werden auf der leeren Autobahn. Die Zeit vertreibe ich mir mit Weiterbildung (zum Fitnesstrainer), Sport und dem Blog. 

E: Wir waren nach unserer Ankunft in Österreich verwundert darüber, dass wir nirgends und von niemandem gefragt wurden woher wir kommen, noch unterrichtet wurden wie wir uns zu verhalten haben. Also bezüglich Selbstquarantäne. Als Vielreisende ist die aktuelle Zeit schon sehr hart. Viele können es nicht verstehen. Andere spiele gern Fußball in der Freizeit, wir reisen eben gerne. Das tut schon weh, nicht zu wissen, wann es wieder los gehen kann. Jedenfalls sind wir fleißig am Planen von zukünftigen Reisen und holen uns viele Ideen auf anderen Reiseblogs.

Im Reisepodcast weltenbummbla durftet ihr Mitte April in einer Folge über Ghana erzählen. Wie war diese Erfahrung für euch? Könnt ihr euch vorstellen, einen eigenen Podcast auf die Beine zu stellen?

A: Ich höre ja total gerne Podcasts. Vor allem zum Thema Reisen und Fitness. Ich hatte schon immer die Idee, einen Reise-Podcaster zu kontaktieren. Mit Philip von weltenbummbla kamen wir dann doch eher per Zufall auf Instagram ins Gespräch. Er war begeistert von unseren Ghana-Stories und kam sofort auf uns zu, mit der Einladung zu einem Skype-Call.

E: Einen eigenen Reisepodcast zu starten steht aktuell nicht auf unserer To-Do Liste. Wir konzentrieren uns vorerst einmal auf unseren Reiseblog. Doch wer weiß, was die Zukunft bringt.

Habt ihr ein Lebensmotto oder Vorbilder, die euch inspirieren?

A: Ein Vorbild nicht wirklich, es gibt so viele tolle Menschen die uns inspirieren, wie Drew Binsky. Er ist kurz vor seinem Ziel, jedes Land der Erde zu besuchen. Aber auch Abenteurer oder Persönlichkeiten aus dem Sport inspirieren mich.

E: Mein Lieblings-Reise-Motto ist: „Der Sinn des Reisens besteht darin, die Vorstellungen mit der Wirklichkeit auszugleichen, und anstatt zu denken, wie die Dinge sein könnten, sie so zu sehen, wie sie sind“ von Samuel Johnson.

Was möchtet ihr unseren Lesern mit auf den Weg geben?

A: Seht euch die Welt von allen Seiten an und bildet euch eure eigene Meinung zu den Ländern und Kulturen.

E: Geht auf Reisen! Habt keine Angst und wagt es einfach, auch wenn ihr alleine unterwegs seid. Nirgendwo lernt man so viel über die Welt, aber auch über sich selbst kennen. Investiert in das Reisen, und ihr investiert in euch selbst.

Wir bedanken uns für das Interview und wünschen euch jederzeit schöne und erlebnisreiche Reisen!

Ihr seid neugierig geworden? Dann schaut doch mal vorbei:
Reiseblog: www.fiveminutesvacation.com
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Instagram: fiveminutesvacation

Fotos: Elsa Maurer und Atila Lakatos.