“Hanf ist einfach nur eine echt leckere Zutat” – Im Gespräch mit den My-Muesli-Gründern

„Passau wird noch weltweit für Müsli bekannt“ heißt es im Galileo-Beitrag über die Müslimacher aus Passau am 12.Oktober 2007. Die drei Freunde Max (25), Hubertus (26) und Philipp (26) haben im April 2007 dem öden Standard-Müsli am Frühstückstisch den Kampf angesagt und einen Onlinedienst für die Mischung des persönlichen Müslis entwickelt. Aus einer kleinen Idee der drei ehemaligen Studenten ist nun Realität geworden. Einen Tag, nachdem die Jungs den BayernOnline-Preis gewonnen haben, reden sie mit dem CaTer über Medienrummel, merkwürdige Müslinamen und weihnachtliche Spezialzutaten.

CaTer: In Interviews habt ihr erzählt, dass die Idee zu My Muesli auf der Fahrt zu einem Badesee entstand, als ihr eine nervige Müsli Werbung im Radio gehört habt. Wie hat sich diese Idee weiterentwickelt zu einem Konzept?

My Muesli: Naja, zuerst war es eigentlich zirka ein dreiviertel Jahr lang mehr ein Witz. Da haben wir immer gesagt: „Hey, wir machen mal irgendwann Müsli.“ Weil wir uns dann wirklich damit beschäftigt haben wurde die Idee über die Zeit immer konkreter. Wir haben schon immer Müsli gegessen und als wir beim nächsten Supermarktbesuch geschaut haben, was es so an Müslisorten gibt, haben wir festgestellt, dass das perfekte Müsli nicht existiert. Wir haben unser Lieblingsmüsli einfach nicht gefunden. Immer störte irgendwas. In dem einen waren Rosinen, in dem anderen irgendwelche Nüsse, die man nicht mag und so weiter. So dass wir zu dem Entschluss gekommen sind: Es gibt so viele Müslis, aber trotzdem reicht es einfach nicht aus, weil jeder sein eigenes braucht. Und so sind wir auf den Gedanken gekommen: Jeder braucht sein „Mymüsli“.

Und ab wann war euch klar, dass ihr die Idee wirklich durchziehen wollt?

Am 30. April haben wir unsere Seite online gestellt, woran wir vorher ca. zwölf Monate hart gearbeitet hatten. Kurz vorher haben wir uns dann auch entschieden, dass wir das durchziehen und ausprobieren wollen.

Zurzeit seid ihr ja oft in den Medien zu sehen, zum Beispiel in einem Beitrag bei „Galileo“ oder in einem Bericht im „Spiegel“. Wie war das für euch, als der Medienrummel losging?

Als es damals mit My Muesli losging, haben wir uns gedacht: Das wäre super wenn wir mal in der „Fit for Fun“ oder tatsächlich im Fernsehen wären. Aber wir haben nie geglaubt, dass das auch wirklich passiert. Aber als es dann soweit war, war’s ganz schnell irgendwie normal. Es kam so schnell und hat uns ein bisschen überrannt. Wir mussten Schritt halten und hatten kaum Zeit uns selbst zu fragen, was hier eigentlich passiert.

Habt ihr euch zwischenzeitlich an die Medien gewöhnt?

Gewöhnt vielleicht nicht. Es ist so ein Trubel gewesen, so dass man sich kaum Gedanken machen oder reflektieren konnte.

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Galileo Team?

Es war ganz lustig, aber auch sehr anstrengend. Das Team war zwei komplette Drehtage hier – 17 Stunden insgesamt. Es gab Kleinigkeiten, auf die wir einfach achten mussten. Zum Beispiel hatte Hubertus, als sie ankamen ein gelbes T-Shirt an, und das musste er dann auch über zwei Tage tragen, weil das so geschnitten wird damit es zusammen passt und der Bericht so aussieht, als wäre alles an einem Tag gefilmt worden. Es war schon witzig, zu sehen wie das abläuft und was zum Schluss rauskommt, gerade wenn man sonst nur die fertigen Sendungen kennt. Es hat zwar Spaß gemacht, muss aber nicht unbedingt jeden Tag sein, weil man sonst wirklich zu nichts mehr kommt!

Über euch brodelt in Passau die Gerüchteküche, zum Beispiel wegen den Hanfsamen oder der Müsli-Anfrage von Bayern München. Was ist das merkwürdigste Gerücht, das ihr über euch gehört habt?

Wir kennen uns ehrlich gesagt in der Gerüchteküche in Passau nicht gut aus. Das mit dem Hanf haben wir durch die Presse mitbekommen. Da gibt’s im Prinzip auch keine großen Gerüchte. „Google“ hat gesagt: „Wir wollen eure Hanfwerbung nicht bei uns schalten, weil Hanf, den man konsumieren kann, nicht zu unseren Richtlinien passt.“ Danach haben wir eben die Anzeige runter genommen und verkaufen trotzdem wunderbar Hanfmüsli. Es ist nicht illegal, sondern eine echt leckere Zutat. Ansonsten wissen wir nicht, welche Gerüchte es gibt. Von Bayern München habe ich leider noch nichts gehört. Aber wäre natürlich schön! Vielleicht steht das in einer E-Mail, die wir noch nicht gelesen haben.

Und wie läuft das Geschäft mit den Hanfsamen im Sortiment?

Es läuft super! Je größer die Artikelthemen wie „Google mag uns nicht weil wir Hanf verkaufen“, desto mehr verkaufen wir.

Im Galileobeitrag hieß es, ihr wolltet durch die Hanfsamen die jungen Hip-Hopper ansprechen. Ist euch das gelungen?

Ja! Der Back-to-Back-Laden in der Theresienstraße verkauft jetzt auch Hanfmüslis. Und der hat auch gemerkt: Je größer die Diskussion, desto größer ist die Nachfrage nach dem Müsli. In diesem Sinne sind wir ganz zufrieden.

Nun zum eigentlichen Produkt. Was war bisher der lustigste Name, auf den ein Müsli getauft wurde?

Also gerade gestern hat einer sein Müsli „Hochzeitsrettungsversuch“ genannt. Das war ganz gut! Der Klassiker ist immer noch „Esel und Kamel“ oder „Mähdrescher“. Gängiger sind zum Beispiel die Namen „Hasenfutter“ oder „Hasi’s Futter Mix“. Sowas gibt’s ziemlich häufig.

Was ist denn die beliebteste Zutat?

Das variiert ständig. Lange war es die Gojibeere, weil man sie nicht kennt und sie exotisch und interessant ist. Jetzt zu Weihnachten ist es unsere Weihnachtsbasis mit Zimt, Cardamom und Nelken. Das ist eigentlich immer saisonabhängig.

Apropos Weihnachten: Gibt’s bei euch eine neue weihnachltiche Zutat im Angebot?

Ja, aber das ist noch nicht ganz offiziell. Wir wollen, neben der Weihnachtsbasis, die wir schon im Programm haben, Mini-Spekulatius-Kekse und Mandeln mit einem Zimt-Schokoladen-Überzug als Zutat aufnehmen. Bei der Weihnachtsbasis gab’s auch ein kleines Problem, weil wir festgestellt haben, dass unser Lieferant uns den Cassia-Zimt schicken wollte, der sehr viel Cumarin enthält. Wegen der Diskussion, ob man Zimtsterne trotz dem gesundheitsgefährdenden Cumarin zu Weihnachten bedenkenlos essen darf, haben wir die Lieferung sofort gestoppt. Nun bekommen wir den Cylon-Zimt, der nur ein Tausendstel dieses Cumarin-Gehalts besitzt. Allerdings kommt der mit drei bis vier Tagen Verzögerung. Wir hoffen, dass wir jetzt am Freitag endlich loslegen können, die Weihnachtsmüslis zu mischen.

Ihr entwickelt euer Sortiment ständig weiter. Was schwebt euch so als nächstes vor?

Wir brauchen unbedingt getrocknete Beeren, also Erdbeeren und Himbeeren. Wir haben jetzt endlich eine Quelle gefunden, der wir dann vor einiger Zeit ein Angebot gemacht haben. Blöderweise konnten sie aber noch nicht liefern. Vorgestern gab’s dann endlich ein Telefonat und wir können bald damit rechnen, Himbeeren und auch Erdbeeren in unserem Sortiment aufzunehmen. Das sind eben Zutaten, die noch fehlen und bei Bioprodukten immer schwierig zu bekommen sind.

Wie sieht denn die Zukunft von „My Muesli“ aus? Bleibt’s nur beim Müsli oder kommt noch was dazu?

Also erstmal sind wir völlig ausgelastet mit Müsli. Klar sind wir am überlegen, was wir noch machen könnten, aber solange wir kaum hinterherkommen, die Müsli Nachfrage zu befriedigen, zögern wir auch noch mit einer Produktlinienerweiterung.