Bayerisch Wörterbuch

Dass Bayern in Deutschland liegt, weiß doch jedes Kind. Aber ob man auch wirklich zu „Deitschland“ gehören will, da sind sich die Bayern nicht so sicher. Nicht umsonst nennt man sich schließlich „Freistaat Bayern“ – mit dem Hintergedanken, notfalls doch wieder das bayerische Königreich ausrufen zu können. Nur ein kleiner weißer „Boi“ (Ball) mit schwarzen Rauten kann bewirken, dass der „Boar“ sich plötzlich doch als „Deitschen“ sieht.

Noch bis vor kurzem rief die „Fuaßboi Europameisterschaft“ zu kollektiver Euphorie in schwarz-rot-gold und auch den letzten Fußballmuffel zum Public Viewing oder vor die heimische Flimmerkiste. Bei solchen Großevents widmet sich dann auch der „Boar“ mal nicht der bairischen Nationalsportart „Fingahackln“ (Fingerhackeln: Bayrische Spezialsportart, der nur gestandene Mannsbilder gewachsen sind), sondern dem Fußball und philosophiert fachmännisch: „Ja Sakradi, die Polen hams sauber aufghaxt!“ (kaputt gemacht, besiegt). Der „Boar“ ist nämlich grundsätzlich ein Experte in Sachen Fußball und weiß, was einen Weltklassespieler ausmacht. Dieser muss ein „Keandlgfuadada“ (mit Körnern gefütterter, kräftiger, robuster Mensch) sein mit ordentlich „Laxnschmoiz“ (Kraft, Power), sollte dabei aber noch über „vui Gfui“ (viel Gefühl) verfügen.

So verfolgte der „Boar“ begeistert die Begegnungen der EM und drückte der deutschen „Öife“ (Elf) alle Daumen, die er zur Verfügung hat. Währenddessen rennt die deutsche Mannschaft den „Acka“ (Spielfeld) rauf und runter und schießt auch ab und an ein „Dierl“ (Tor), soweit es der „Dierlmo“ (Torwart) mit seinen riesen „Pratzn“ (Händen) nicht zu verhindern weiß oder der „Schiri-Assi“ (Schiedsrichterassistent) nicht mit der „Fahna umananda wedelt“ (mit der Fahne schwenkt) und „Obseitz“ pfeift. Geht ein Schuss mal übers Ziel hinaus, kann sich der „Boar“ dann zu folgendem Ausruf genötigt fühlen: „Ja ziag hoit a moi dei Skischuah aus, du Haubndaucha!“ (Zieh doch mal deine Skischuhe aus, du Haubentaucher, Loser).

So mancher erstarrt aber auch in Ehrfurcht vor der Fußballkunst der Gegner, wie einst der bairische „Kaiser“ Franz Beckenbauer höchstpersönlich: „Ja Wahnsinn, der große Holländer, der schiaßt a Fliegn von da Lattn!“. Doch auch er wusste damals schon: „Die Schweden sind keine Holländer, des hat ma ganz genau gsehn.“ Das wissen auch seine Landsmänner, doch kann es trotzdem vorkommen, dass die Bayern mal wieder zu genüsslich bei einem Weißbier über den Fußball der „deitschen“ Mannschaft lästern. Dann bleibt es einem nur wieder mit dem „Kaiser“ zu halten: „Geht’s raus und spielt’s Fußball!“