„Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben“

Ausverkaufte Hallen, Fernsehübertragungen seiner Shows und zuguterletzt der Comedypreis für den besten Newcomer. Für Bülent Ceylan kam nach zehn Jahren Bühnenerfahrung 2009 der große Durchbruch. Nach seinem Auftritt im Passauer Redoute sprach der CaTer mit ihm über Erfolg, deutschen Humor und alte Zeiten.

Bülent, von wem hast du zum ersten Mal gehört, dass du witzig bist?

Meine Mutter war mein erster großer Fan. Als Kind bin ich bewusst rumgehampelt, habe Stimmen imitiert und Dialekte veräppelt. Meine Mutter hatte mit mir jeden Tag was zu lachen.

Wie bist du dann letztendlich zur Comedy gekommen?

Die Bestätigung kam immer von außen. Die Leute haben mich sozusagen da hin getreten. Mir macht es einfach Spaß, für mich ist die Comedy eine Berufung. Aber ich musste einiges an Geduld mitbringen und viel für meinen Erfolg tun.

Du hast vor Kurzem den Deutschen Comedypreis für den besten Newcomer bekommen. Was bedeutet dieser Erfolg für dich?

Für mich bedeutet es endlich Anerkennung. Ich bin in der Liga angekommen, in der ich immer spielen wollte. Jetzt gilt es nicht abzuheben, aber bei mir stimmt das Umfeld, da mache ich mir keine Gedanken. Es ist auch wichtig, nicht jedes Angebot anzunehmen, zum Beispiel solche von Promi-Tanzshows. Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben.

Das Bühnenprogramm der meisten türkischstämmigen Comedians in Deutschland hat das Leben als Ausländer in Deutschland zum Thema. Warum ist das so?

Auch wenn es problematisch ist, kommt dieses Thema bei vielen Deutschen einfach gut an. Es ist immer etwas anderes, wenn ein Ausländer vom Ausländersein spricht und sich darüber lustig macht. Ich kann auch mal über ein türkisches Mädchen Witze machen. Viele denken dann: Der darf das. Der ist selbst Türke. Aber mein Programm ist breit gefächert, da geht es nicht nur um türkische Figuren. Mir geht es mehr darum, Alltagsprobleme witzig darzustellen.

Wirst du aufgrund deines Bühnenprogramm öfters mit anderen Comedians wie Kaya Yanar verglichen? Nerven Vergleiche mit Kollegen auf Dauer?

Ja, das passiert. Aber ich kann es den Leuten nicht übel nehmen. Uns verbindet einfach der türkische Name. Aber dieses Schubladendenken nervt natürlich irgendwann. Da denkst du dir: „Was ist mit mir selbst?“ Durch die starke Medienpräsenz ist es aber besser geworden, ich bin ja jetzt auch schon seit zehn Jahren auf der Bühne.

In deinem Bühnenprogramm spielt auch dein Vater eine Rolle. Was sagt er zu den Späßen auf seine Kosten?

Er findet das witzig und ist sehr stolz auf mich. Ich spreche das auch vorher immer mit ihm ab. Er kann ziemlich gut über sich selbst lachen.

Bevor du Comedian geworden bist, hast du Philosophie und Politikwissenschaft in Mannheim studiert. Ein ziemlicher Gegensatz zum Comedy-Business. Was hat dich dazu bewegt?

Ich hatte immer Interesse daran und habe im Medienbereich einige Praktika gemacht, zum Beispiel bei Viva. Aber eigentlich wollte ich immer vor die Kamera – und dieser Traum ist jetzt wahr geworden. Bis zur Zwischenprüfung hab ich mein Studium durchgezogen, danach hab ich dann endgültig zur Comedy gewechselt. Da kriegst du dieses Feedback, das du bei anderen Berufen nicht zu spüren bekommst. Wenn es funktioniert, ist es der schönste Beruf der Welt.

Wie war deine Studentenzeit allgemein? Vermisst du die alten Zeiten?

Es war eine der geilsten Zeiten überhaupt. Ich bin viel rumgekommen, zum Beispiel in Kuba und Litauen. Die Studienzeit ist unkompliziert, das richtige Leben fängt erst danach an – wenn du Geld verdienen und anfangen musst, an die Zukunft zu denken. Die Zeiten haben sich zwar geändert, aber ich genieße das Jetzt und Hier sehr.

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