„Schmutziges Geschirr schimmelt nicht, wenn man es einfriert“ – Interview mit David Werker

David, wie bist du eigentlich zur Comedy gekommen, warst du schon als Kind lustig?

Ich studiere Germanistik und als Germanistikstudent ist man es ja sowieso gewohnt, dass die Leute über einen lachen. Von daher war der Weg auf die Bühne dann eigentlich relativ kurz. Vorher habe ich zum Beispiel unseren Abi-Gag moderiert und auch in der Schule Theater gespielt. Dann habe ich mich bei dem Wettbewerb Quatsch Comedy Club beworben.

Apropos Studium – hast du vor das noch abzuschließen oder ist das jetzt erst mal hinten angestellt?

Ich sage mal: Auf jeden Fall fertig werden, bevor die D-Mark wieder eingeführt wird, das ist schon das erklärte Ziel. Also Abschluss 2030 sollte schon drin sein.

Wie sieht das im Privatleben aus? Bist du da auch dauernd lustig beziehungsweise erwartet dein Umfeld, dass du der „Spaßmacher“ bist?

Da kann man natürlich schon unterscheiden und nicht jeder ist durchgehend lustig. Man wird ja oft gefragt: Na dann erzähl doch mal ´nen Witz, aber dann sage ich auch: Wenn du jetzt zum Beispiel die Klitschko-Brüder triffst, gehst du ja auch nicht zu denen rüber und sagst: „Ey, könnt ihr mir mal aufs Maul hauen?“ Man muss schon unterscheiden zwischen Beruf und Privatem – und das klappt auch ganz gut soweit.

Jetzt mal zu deinem Buch: Wie viele der unzähligen Anekdoten und Klischees, die du verwendest, entsprechen denn eigentlich der Wahrheit und was hast du sogar selbst erlebt?

Da stimmt sehr vieles! Ich studiere tatsächlich in Siegen – „Schlimmer als Verlieren: Siegen“,  und wohne auch wirklich in einer 0,5-Zimmerwohnung, wo ich quasi die Nudeln vom Herd nehmen kann, ohne aus dem Bett aufzustehen und solche Sachen. Das ist alles die nackte Wahrheit. Ich wohne da auch immer noch, denn man muss ja authentisch bleiben.  Allerdings gibt es natürlich auch viele Geschichten, an denen wir rumgesponnen haben, beispielsweise die Nummer: Wir brauchen Geld, also binden wir uns abends ´ne Schürze um und gehen in einer überfüllten Kneipe an den Tisch und sagen: „Wir machen Feierabend und ich würde gerne abkassieren.“ Da gebe ich zu, dass ich das noch nicht wirklich selbst ausprobiert habe, aber ich stehe kurz davor.

Gibt es eine Lieblingsanekdote?

Was ich sehr gut finde, ist die Weisheit „Schmutziges Geschirr schimmelt nicht, wenn man es einfriert“, weil das ja tatsächlich funktioniert. Der Haken an der Sache ist halt nur, dass die meisten Studenten, genau wie ich, wenn überhaupt nur so winzige Gefrierfächer haben. Da passt nicht wirklich viel rein, höchstens drei Gabeln und das war’s dann eigentlich schon.

Warum setzt du so viel auf Klischees, müsste man nicht eher subtiler an die Sache gehen?

Um ein Thema griffig zu machen, schadet es erst mal nicht, ein Klischee zu nehmen. Dann kann man noch dahinter gucken und ein, zwei Sachen beschreiben, damit es nicht zu plump daherkommt. So mache ich das ja eigentlich auch. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass viele Klischees einfach stimmen. Beispielsweise, dass Studenten auch heutzutage spät aufstehen trotz Bologna, wovon viele sagen, dass es total durchstrukturiert und stressig ist. Da gibt’s ja auch den Spruch „Bologna- Ist da was mit Spaghetti?“, sprich es gibt auch immer noch viele, denen es relativ egal ist, was in den Medien steht.

Wird es dir nicht langweilig, immer die gleichen Witze zu wiederholen – ist das schon Routine oder freust du dich selbst noch darüber?

Ich freue mich immer wieder, wenn jemand darüber lacht. Das ist großartig – auch noch beim tausendsten Mal. Zum Glück sind ja immer neue Leute im Publikum und ich bin der Einzige, der schon alles kennt. Da ich aber nie weiß, wie die Leute reagieren, ist das immer wieder sehr lustig.

Was macht man eigentlich, wenn die Leute nicht lachen?

Wenn die Leute nicht lachen, macht man erst mal das Mikrofon an, weil das ja meistens nur aus ist. Nee, also  wenn die Leute teilweise einfach nicht lachen – das kommt natürlich vor- dann schaut man darüber hinweg und macht den nächsten Gag und dann lachen sie wieder. Wenn sie das natürlich den ganzen Abend nicht tun, sollte man sich Gedanken machen.

Hast du ein Lieblingspublikum?

Studenten sind großartig, weil die tendenziell am betrunkensten und bekifftesten sind. Teilweise interessieren sie sich nicht wirklich für das Buch, sondern sagen: „Hauptsache, wir rauchen das Buch gleich nach der Show, weil sich das super anbietet, um Filter zu drehen.“  Dafür eignet sich das Papier tatsächlich hervorragend, weil es ja auch ein bisschen dicker ist – das astreine, ideale Filterpapier. An sich ist es aber egal, wer im Publikum ist, solange die Leute schon mal freiwillig gekommen sind.

Wo kommen dir die besten Ideen, gibt es einen speziellen Ort, wo du besonders kreativ bist?

Nee, das passiert eigentlich nebenher und zufällig. Klar, aber Aufstehen schadet nicht und ich habe mir vorgekommen, wenn’s geht, fast jeden Tag aufzustehen, denn da kommt das Gehirn ja auch in Gang.

War das mit deinem Buch auch so, dass du dir eines schönes unifreien Tages gedacht hast: Ich könnte ja mal was schreiben?

Das war schon so konkret, dass es sehr schnell ging mit dem Buch, weil schon klar war, dass es auch gedruckt wird. Deshalb war es auch tatsächlich ein bisschen stressig, wie man das auch von Hausarbeiten kennt – drei Monate den Kopf zerbrechen und dann hatte ich endlich das Inhaltsverzeichnis fertig, was ja oft das Schwierigste ist. Das Buch lief dann aber wie von selbst und es hat auch echt Spaß gemacht zu schreiben, weil das ja komplett aus meinem Leben gegriffen ist und alles andere als eine Hausarbeit war.

Was gefällt dir an deinem Comedian-Dasein besonders?

Das Beste ist, dass ich nicht die ganze Zeit in der Uni rumhängen muss und was von der Welt sehe. Ich darf ja auch oft kostenlos im Raum der Requisite übernachten und sehe viele neue Städte. Und natürlich ist es faszinierend auf der Bühne zu stehen und die Leute zu unterhalten. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mir das keinen Spaß macht!

Hast du irgendwelche Vorbilder?

Ja, auf jeden Fall: Atze Schröder, Michael Mittermeier, Dieter Nuhr… Als Kind war ich schon Fan und meine Eltern haben mir dann zum Beispiel Loriot nahegelegt. Irgendwann kamen dann Otto, Mittermeier und Rüdiger Hoffmann und die fand ich immer schon sehr cool, obwohl ich da gerade erst zehn war.

Was sind deine Ziele und Projekte für die Zukunft?

Mit meinem Buch werde ich einfach noch solange auf Tour gehen, wie ich auch noch Student bin – also kann es sich nur noch um wenige Jahrzehnte handeln. Und danach werde ich wahrscheinlich mein nächstes Programm schreiben.

Was bedeuten dir Erfolg und Auszeichnungen?

Das ist natürlich cool und hat auch therapeutischen Effekt, denn es ist schon immer eine Überwindung, sich auf die Bühne zu stellen. Ich bin niemand, der sich hinstellt und sagt „Ich bin eh der Allergeilste“, sondern es freut mich, wenn das Programm funktioniert hat.

Vielen Dank für das Interview, David!