Von Plagiaten und wissenschaftlicher Ethik

„Man schmückt sich nicht mit fremden Federn“, sagt ein Sprichwort. Genauso wenig darf man eine wissenschaftliche Arbeit mit fremden Zitaten schmücken. Zumindest nicht ohne diese Zitate als solche zu kennzeichnen. Spätestens seit der Affäre um die, zu großen Teilen abgeschriebene, Doktorarbeit des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg ist der Begriff „Plagiat“ auch der breiten Öffentlichkeit bekannt.  „Bis zum Anfang dieses Jahres war das nur ein Thema für Freaks“, behauptete Prof. Dr. Angela Schorr von der Universität Siegen am Dienstag, 13. Dezember, einleitend in ihrem Vortrag „Vom richtigen Umgang mit Plagiaten in der Wissenschaft“ an der Universität Passau.

Die Professorin für Medienpsychologie und Pädagogische Psychologie forderte in ihren Ausführungen, dass eine zentrale Datei angelegt wird, in der sämtliche wissenschaftlichen Arbeiten, einschließlich Bachelor-  und Masterarbeiten, gespeichert werden. Ein Phänomen der Globalisierung sei eine „wahre Publikationsflut“, die es für Korrektoren und Prüfer unmöglich mache, den Überblick über alle Arbeiten zu einem Thema zu behalten. So könne nie mit Sicherheit gesagt werden, ob es sich bei einer Arbeit um eine eigenständige Leistung handle, oder ob doch von irgendeiner unbekannten Quelle abgeschrieben worden war. Es gebe zwar auch gute Software, die beim Finden von Plagiaten helfe, aber diese Software könne nur mit den Daten arbeiten, auf die sie auch Zugriff habe. „Das System kann nicht besser werden, wenn wir die Quellen gar nicht mehr finden“, erklärte Schorr.

Wichtiger als das Aufspüren von Plagiaten ist  laut der Psychologin, dass durch die Vermittlung einer Forscher-Ethik unsauberes Arbeiten bereits im Vorfeld ausgeschlossen wird: „ Die Bekanntmachung der Regeln für gute, wissenschaftliche Praxis ist die Grundlage der Wissenschaft“, sagte Schorr, die selbst seit über 30 Jahren in der Forschung tätig ist.

Kritisch äußerte sie sich zum Vorschlag des Wissenschaftsrates, Doktorarbeiten künftig nicht mehr durch den Betreuer („Doktorvater“/ „ -mutter“) selbst, sondern durch externe Gutachter bewerten zu lassen: In den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen gebe es sehr unterschiedliche Standards für die Verwendung von Zitaten, zudem würden fachfremde  Gutachter meist nicht über ausreichende Kenntnis der vorhandenen Literatur verfügen, begründete Schorr ihre Kritik.

Abschließend machte die Professorin deutlich, dass die Wissenschaft in Zukunft nicht nur Negativregeln und Verbote brauche, sondern vor allem klare Positivregeln aufstellen müsse, um den Doktoranden zu zeigen, wie sie richtig vorgehen sollen. Ethisch einwandfreie Professoren seien als Vorbilder für zukünftige Promotionsstudenten unverzichtbar.